Telekommunikation Analyse: Die Smartphone-Lawine rollt

Eine symbolträchtige Zahl ging zuletzt in der Aufregung um Nokias Griff nach dem Rettungsring Microsoft unter: Die Smartphones haben den PC-Absatz überholt. Es ist der Beleg für einen Umbruch, der das Leben weit über die Technologiebranche hinaus umpflügt.

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Analyse: Die Smartphone-Lawine rollt Bild: dpa

Barcelona (dpa) - Eine symbolträchtige Zahl ging zuletzt in der Aufregung um Nokias Griff nach dem Rettungsring Microsoft unter: Die Smartphones haben den PC-Absatz überholt. Es ist der Beleg für einen Umbruch, der das Leben weit über die Technologiebranche hinaus umpflügt.

Diese Woche werden sich Gewinner und Verlierer des Wandels auf dem Mobile World Congress in Barcelona, dem wichtigsten Treffpunkt der Mobilfunk-Branche, in die Augen blicken können.

Die Smartphone-Revolution steht erst noch am Anfang. Gut 100 Millionen Smartphones wurden im vierten Quartal 2010 verkauft. Und nur etwa 93,5 Millionen Personal Computer. Smartphones sind eigentlich auch Mini-Computer, mit denen man telefonieren kann. Entscheidend aber ist: Es sind Computer, die man immer dabei hat. Das erlaubt ganz neue Geschäftsmodelle und Werbeideen für verschiedenste Branchen.

Im vergangenen Jahr war knapp jedes fünfte verkaufte Handy ein Smartphone. Ab jetzt könnte es aber ganz schnell gehen. Die Einschätzungen der Marktforscher gehen abenteuerlich weit auseinander. Auf 35 Prozent könnte der Marktanteil der Smartphones in zwei Jahren steigen, sagt etwa Gartner-Analystin Carolina Milanesi. «Konservativ gesehen.» Mit sinkenden Gerätepreisen seien aber auch über 50 Prozent des Marktes drin. Und bei besonders günstiger Entwicklung vielleicht auch 70 bis 80 Prozent.

Einen Vorgeschmack darauf geben die Zahlen aus entwickelten Märkten wie Westeuropa und den USA, wo schon heute jedes zweite verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone ist.

Ein solcher Boom der Computerhandys würde das Geschäft kräftig durchwirbeln. Denn - um die aktuellen Zahlen mal umzudrehen - acht von zehn heute abgesetzten Handys sind keine Computer-Telefone. Es sind einfache, günstige Geräte, denen die Branche in Anlehnung an die Smartphone-Bezeichnung den Spitznamen «Dumbphones» («dumme Telefone») gab. Mit mehreren hundert Millionen solcher Handys pro Jahr dominierte Nokia über Jahre die Mobilfunk-Branche und musste nun fürchten, zum alten Eisen gezählt zu werden.

Denn die aufstrebenden Mächte dieser neuen Smartphone-Welt heißen Google und Apple. Der Internet-Konzern schmiedete eine Allianz um das Smartphone-Betriebssystem Android, die allen Herstellern offensteht. Apple setzte mit dem iPhone die Smartphone-Lawine in Gang und setzt mit jeder weiterentwickelten Version die Latte für die Rivalen etwas höher.

Vor allem aber haben sie Plattformen geschaffen, über die sich die Telefone mit Hilfe diverser Zusatzprogramme wirklich «smart» machen lassen. Diese sogenannten Apps sind zu einem Mittelpunkt der Mobilfunk-Branche geworden - und zu einem Milliardengeschäft. Schon im vergangenen Jahr schätzten Marktforscher die Umsätze der App-Ökonomie auf rund fünf Milliarden Dollar (3,7 Mrd Euro), in vier Jahren sollen es schon mehr als 15 Milliarden Dollar sein.

Weitgehend vorbei geht dieser Geldregen an den Mobilfunk-Betreibern, die im «alten System» noch die unangefochtenen Herrscher waren. Sie entschieden, welche Software auf die Telefone kam und welche Handys es überhaupt in ihre Regale schafften. Doch die Zeiten, in denen Mobilfunk-Anbieter das Sagen hatten, sind mit dem neuen Plattform-Modell vorbei. «Sie sind auf die Rolle von Dienstleistern reduziert worden, die Netzverbindungen anbieten», sagt etwa Gartner-Analystin Milanesi. «Und aus dieser Nische werden sie nicht mehr herauskommen.»

Allerdings wissen auch Google und Apple, dass ein Smartphone ohne schnelle Internetverbindung nur ein totes Stück Technologie ist. Deswegen hatte Google-Chef Eric Schmidt schon vor einem Jahr in Barcelona Bereitschaft zu Gesprächen mit den Netzbetreibern demonstriert. Denn schließlich muss dringend der Ausbau der Netze für die kommende Datenflut finanziert werden.

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news.de/dpa

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