Musik Musikmanager Gorny: Internetsperre für Musikpiraten

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Musikmanager Gorny: Internetsperre für Musikpiraten Bild: dpa

Musikmanager Dieter Gorny befürwortet Internetsperren für Web-Piraten. «Ich würde das machen, so wie die Franzosen - aber das ist derzeit in Deutschland politisch nicht durchsetzbar», sagte er in einem dpa-Gespräch am Rande der Musikmesse Midem in Cannes, die an diesem Mittwoch endet.

Berlin (dpa) - Musikmanager Dieter Gorny befürwortet Internetsperren für Web-Piraten. «Ich würde das machen, so wie die Franzosen - aber das ist derzeit in Deutschland politisch nicht durchsetzbar», sagte er in einem dpa-Gespräch am Rande der Musikmesse Midem in Cannes, die an diesem Mittwoch endet.

Wer wiederholt illegal Musik aus dem Internet herunterlade, dem sollte der Zugang zum Netz gekappt werden - «nicht für immer, nur für ein paar Wochen, das würden die schon merken».

In Frankreich werden Internetnutzer, die gegen das Urheberrecht verstoßen, zweimal verwarnt; beim dritten Mal gibt es Strafen von Internetsperren bis zu Bußgeldern. Kritiker sehen darin eine Beschneidung der Freiheit des Websurfers - das sehe er anders, sagte Gorny. «Ich sage immer: Leute, wenn ihr bei Rot über die Ampel fahrt oder betrunken seid, dann seid ihr doch auch Euren Führerschein los.» Natürlich könne ein Betroffener bei einer Websperre ins Internetcafé gehen oder bei Freunden surfen, «aber das wäre trotzdem ein starkes Signal».

Derzeit sei aber das abgestufte System von Warnungen und Bußgeldern eher akzeptiert. Mit dem sogenannten zivilrechtlichen Auskunftsanspruch, der seit Ende 2008 gilt, kann die Musikindustrie von einem Internetanbieter verlangen, die Daten bestimmter Nutzer herauszugeben, die der Piraterie verdächtigt werden. «Bevor es das gab, mussten wir immer gleich klagen, heute können wir mahnen», sagte Gorny, der die Musikmesse Popkomm und den Musiksender Viva gründete und heute unter anderem Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie ist.

Dennoch sehe er die Klagen gegen massenhafte Raubkopierer oder Tauschbörsennutzer (Filesharer), die der Musikbranche in den vergangenen Jahren viel Kritik einbrachten, immer noch als richtig an: «Wenn man in der Ecke steht, muss man sich auch wehren können. Man muss zeigen, was Unrecht ist», sagte er mit Blick auf die Krise in der Plattenbranche, die im vergangenen Jahrzehnt durch Internetpiraterie und CD-Brennerei fast die Hälfte ihrer Umsätze verloren hat.

Das Ganze sei auch erfolgreich gewesen: Die Anzahl der illegalen Downloads von Musiktiteln aus dem Internet habe sich binnen fünf Jahren von rund 600 Millionen auf unter 300 Millionen halbiert. Im Moment kämen in Deutschland auf einen legalen Download etwa fünf bis sechs illegale; weltweit ist das Verhältnis eins zu zwanzig. Aber Abmahnungen und Klagen seien letztlich nur Hilfsmittel: «Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was in der digitalen Welt erlaubt ist und was nicht.»

news.de/dpa

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