Von IPv4 zu IPv6 Mehr Internet für alle

IPV6 (Foto)
Das Internetprotokoll macht den Datenaustausch zwischen Geräten erst möglich. Bild: iStockphoto

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Zusammenrücken bitte: Auch im Internet wird es eng. 95 Prozent der verfügbaren IP-Adressen sind bereits vergeben. Die Lösung bringt das neue Internetprotokoll IPv6. News.de zeigt, was dahinter steckt.

Was ist eine IP-Adresse?

«Das Internet ist ein weltweites Rechnernetz, in dem Daten mit dem sogenannten Internet Protocol (IP) übermittelt werden», schreiben Anatol Badach und Erwin Hoffmann in ihrem Buch Technik der IP-Netze. Das Internetprotokoll ist damit die wichtigste Grundlage unseres modernen Internets. Alle Geräte, die daran angekoppelt sind, haben eine Adresse, die auf diesem Internetprotokoll basiert - die sogenannte IP-Adresse. Sie macht Computer oder Smartphones, ähnlich wie eine Postanschrift oder Telefonnummer, adressierbar und ermöglicht so den Datenaustausch zwischen ihnen.

Gibt es genug Adressen für alle?

Heute liegt das Internetprotokoll in seiner vierten Version zugrunde - IPv4. Dieses Protokoll hat bereits mehr als 20 Jahre auf dem Buckel und langsam, aber sicher, gehen ihm die Adressen aus. Kein Wunder, ob des rasanten Wachstums des Internets. Bei IPv4 sind maximal 4,3 Millionen eindeutige Adressen möglich. Etwa 95 Prozent davon seien bereits vergeben, meldete die Number Resource Organization (NRO) Ende des vergangenen Jahres. Aber keine Angst, der Nachfolger IPv6 steht bereits in den Startlöchern - und zwar schon mehr als zehn Jahre. Mit ihm sind etwa 340 Sextillionen - genau 340.282.366.920.938.462.374.607.431.768.211.456 - eindeutige Adressen möglich. Das sollte erst einmal eine Weile reichen.

Webbrowser
Alternativen in der Übersicht

Wie funktioniert die Umstellung?

Einige Unternehmen arbeiten schon seit Jahren an der Umstellung ihrer Netze. Die User selbst bekommen davon nicht viel mit, obwohl IPv4 und IPv6 nicht kompatibel sind. So setzt die Deutsche Telekom bei der Umstellung auf bilinguale Technik. Diese sogenannte Dual-Stack-Technologie unterstützt beide Protokolle, erklärt Hans-Martin Lichtenthäler, Pressesprecher der Deutschen Telekom. Bis Ende 2011 werde das DSL-basierte Produktangebot des Telekommunikationsriesen IPv6-fähig sein. Neben Dual-Stack gibt es zudem Standards, die es ermöglichen, IPv6-Datenpakete über herkömmliche IPv4-Adressierung zu übertragen. Doch das alte Protokoll wird nicht ruckartig verschwinden, vielmehr rechnet der Deutsche IPv6 Rat damit, dass die Übergangsphase zwischen den Protokollen etwa 10 bis 20 Jahre oder mehr dauern könnte.

Welche Vorteile birgt IPv6?

Das neue Internetprotokoll löst nicht nur das Problem der Adressenknappheit, es bringt noch andere Vorteile mit sich. So ermöglicht es eine verbesserte Dienstqualität, beispielsweise bei IPTV und anderen Multimedia-AnwendungenAnders als bei IPv4 behandeln die Router hier nicht jedes ankommende Datenpaket gleich. IPv6 macht es möglich, Video- oder Sprachinformationen zu priorisieren, damit sie vom Router bevorzugt behandelt werden. So kann eine gewisse Übertragungsqualität gewährleistet (Quality of Service) werden und Multimedia-Anwendungen kommen ohne Ruckeln, Stocken oder Verzerrungen zum Nutzer. . Der Deutsche IPv6 Rat weist zudem darauf hin, dass IPv6 mehr Sicherheit für die Kommunikation über direkte Ende-zu-Ende-Verbindungen bringt. Vereinfacht gesagt, kann das Internetprotokoll beispielsweise sicherstellen, dass Daten wirklich vom gewünschten Absender stammen. Auch mobile Endgeräte wie Smartphones werden mit IPv6 überall die gleiche IP-Adresse haben. Verbessert werden soll zudem die Fahrzeugkommunikation nicht nur zwischen verschiedenen Vehikeln, sondern auch zu anderen Diensten.

Welche Nachteile bringt IPv6 mit sich?

In den vergangenen Wochen wurde das neue Internetprotokoll kontrovers diskutiert. Kritiker führten hier vor allem ins Feld, dass mit seiner Einführung jede Privatsphäre im Internet verloren sei. Diesem Problem sind die Redakteure der c‘t in ihrer aktuellen Ausgabe auf den Grund gegangen und relativieren. Demnach besteht eine IPv6-Adresse aus einem Präfix und einem Interface IdentifierDer Interface Identifier macht es möglich, ein einzelnes Gerät über einen längeren Zeitraum zu identifizieren. . Die Redakteure kommen zu dem Ergebnis, dass der Präfix von IPv6 nicht mehr verrate als sein Vorgänger.

Kritischer sehen sie hingegen eben diesen Interface Identifier, weil die sogenannten Privacy ExtensionsAktivierte Privacy Extensions lassen keine Identifikation eines einzelnen Rechners mehr zu. nicht aktiviert werden können. Das ist bei vielen aktuellen Smartphones der Fall. So hätten Apple und Google ihren aktuellen Betriebssystemen für das iPhone und für Android-Smartphones bereits IPv6-Technik mitgegeben. In der Praxis meldeten sich die Smartphones, sofern sie sich aus einem W-Lan verbinden, bei jedem IPv6-tauglichen Server mit einer weltweit eindeutigen Kennung an. Datensammler könnten registrieren, wie häufig und wie lange jemand auf bestimmten Webseiten unterwegs war und was er dort getan hat. Das finden die Redakteure besonders ärgerlich, weil der Interface Identifier so als «Person Identifier» wirkt.

ham/ivb/reu/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • uwe schmidt
  • Kommentar 1
  • 16.03.2011 02:11

,,scheint eine nette erfindung für den überwachungsstaat zu sein,, keine entwicklung für den menschen, erlaubt euch also besser nicht zu viel und damit meine ich jeden einzellnen von euch, keiner wird übersehen werden, der dünne und ängstliche und auch der dicke intilligenzbolzen nicht eure dummheit falschheit und euer verdorben sein wurde schon erkannt bevor ihr geboren wurdet

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig