Naturschutz 2.0 Eine App schützt den Steinkauz

Scheunen für Eulen und Greifvögel offenhalten (Foto)
Mit der Artenfinder-App soll jeder helfen können, seltene Vögel wie den Steinkauz zu schützen. Bild: dpa

Was ist das für ein Baum? Wie heißt nochmal dieser Schmetterling? Und wo kommt der Steinkauz eigentlich vor? Die «Artenfinder»-App hilft unwissenden Spaziergängern auf die Sprünge und trägt so zum Artenschutz bei.

Ein Hobbybiologe steht irgendwo in der freien Natur, sieht einen Steinkauz und zückt sein Smartphone. Mit ein paar Klicks hat er den Vogel in einer digitalen Kartei gefunden, das integrierte GPS-Navigationssystem speichert die Koordinaten seines Standorts - fertig ist die Kartierung.

Möglich macht es die neue «Artenfinder»-App. Das Programm für bestimmte Mobiltelefone hat das Mainzer Landesumweltministerium (MUFV) in Kooperation mit zwei Unternehmen aus Dortmund kostenlos auf den Markt gebracht. «Das Problem war: Wie kommt die Verwaltung an Daten über Artenvorkommen», erklärt Rolf Walter, der die App mitentwickelt hat, den Anlass.

Wer sich das Programm aus dem Internet auf sein Smartphone lädt, kann auf einen Katalog mit Tieren und Pflanzen zugreifen und daraus die entdeckte Art auswählen. Anzahl und besondere Merkmale lassen sich ebenso speichern wie Fotos, die mit dem Handy gemacht werden. Gemeinsam mit den Standort-Koordinaten werden die Angaben an eine zentrale Datenbank geschickt. Im Internet können sie noch einmal geändert und anschließend dem MUFV übermittelt werden.

Unter 300 Euro
Günstige Smartphones

«Normalerweise gehen Leute raus und halten auf Butterbrotpapier fest, wo sie einen Storch gesehen haben», sagt Walter. Diese Arbeit können sie sich jetzt sparen. Zunächst wird es das Programm nur für das iPhone geben. Es soll aber auch auf andere Smartphones wie das Palm Pre angepasst werden. Die Idee mit der App ist nicht neu - in den USA gibt es einen regelrechten Hype darum.

Mit den gesammelten Artendaten soll nachvollzogen werden, wie sich der Klimawandel auswirkt und wo welche Tiere und Pflanzen geschützt werden müssen - so der Plan des Ministeriums. Der Lebensraum gefährdeter Arten spielt darüber hinaus bei Bauvorhaben eine Rolle.

Gegen Pfusch bei den Artendaten ist vorgesorgt, wie Ingolf Bäsel vom zuständigen Landesamt (LUWG) erklärt: «Um die notwendige Qualität zu gewährleisten, werden die Artendaten jetzt zweimal geprüft.» Erst kontrollieren ehrenamtliche Naturschützer, dann externe Gutachter die Angaben auf Plausibilität: Kann diese Tierart tatsächlich an jener Stelle leben? Leben die Tiere im Winter in Rheinland-Pfalz? Die Beobachter sollen eine Rückmeldung auf ihr Sammelwerk bekommen.

Das bislang unter anderem von Privatleuten gekaufte Material sei teuer, schlecht miteinander vergleichbar und werde nicht flächendeckend erhoben, berichtet Bäsel. «Nach einiger Zeit hat man einen Wühltisch, auf dem man nicht mehr Gutes von Schlechtem unterscheiden kann. Aber die Situation, was Artendaten angeht, dürfte nicht nur in Rheinland-Pfalz schwierig sein.» Deshalb soll das neue Programm auch anderen Bundesländern angeboten werden.

Die Behörden profitieren, weil sie für das Material nicht mehr länger zahlen. Denn das sollen ehrenamtliche Helfer liefern. «Wir denken an passionierte Lehrer, die Wochenendspazierer und und und», erklärt Walter. Weil es kein Geld mehr für gelieferte Daten gibt, sei ein Naturschutzverband bereits von dem Projekt abgesprungen.

Drei weitere Verbände unterstützten aber die Entwicklung der App. Auch Stefan Munzinger, der das Internet-Portal naturgucker.de betreibt, findet die Idee gut. Sein Projekt sammelt ebenfalls Artendaten, direkt über die Website, aber auch etwa mit der App «Vogelstimmen-Trainer». Damit können Beobachtungen von Vögeln festgehalten und an naturgucker.de geschickt werden. «Die neue Technik ist für Profikartierer ein Muss und absolut angebracht.» Zudem führe alles, was die Arbeit erleichtere, zu mehr Beobachtungen - und diene somit dem Naturschutz. Einen Widerspruch zum Mobilfunk sieht er darin nicht: «Es gibt ja auch moderne Naturfreaks.»

Software-Entwickler Christoph Duyster hat bereits kostenpflichtige Apps auf dem Markt, mit denen etwa Bäume und Schmetterlinge bestimmt werden können. «Es lief anfangs relativ schleppend, nach drei Monaten folgte ein echter Hype», schildert er seine Erfahrungen. Er habe mittlerweile mehr als 40.000 Kunden. «Wir kommen nun aber von der spielerischen Ebene weg», sagt Walter über den «Artenfinder».

Informationen zum Artenfinder

sis/rzf/news.de/dpa

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