Preis-Werbung Zehnmal gucken, statt einmal teuer zahlen

Neuer Fernseher oder Kühlschrank geplant? Am besten zum Einkaufspreis oder mit Gutschein oben drauf. Damit locken derzeit Media Markt und Saturn. Doch sind die Angebote wirklich günstig? Was Verbraucher jetzt wissen müssen, erklärt news.de.

Günstig ist nicht gleich billig (Foto)
Media Markt und Saturn werben mit Preisschlachten. Doch so günstig, wie behauptet, ist das Ganze nicht. Bild: news.de (Screenshot-Montage)

Media Markt bietet 1000 Produkte zum EinkaufspreisDahinter steckt, was der Händler beim Hersteller oder Großhändler bezahlt. Preisnachlässe für Großbestellungen, Nebenkosten und vieles andere werden in diesem Preis aber selten berücksichtigt. . Saturn bläst zur Kampage «Geil ist geil» und gibt befristet Gutscheine zum Einkauf dazu, wenn die Kunden ab 100 Euro aufwärts im Geschäft lassen.

Was zunächst günstig klingt, muss es nicht sein. «Um solchen Angeboten zu trauen, muss der Kunde schon sehr leichtgläubig sein», warnt Petra von Rhein, Leiterin des Rechtsreferats der Verbraucherzentrale Bayern. Sie rät, den Preisen nachzuforschen. «Vergleichen Sie mehrere Angebote im Internet und bei den Händlern vor Ort. Erst wenn das gewünschte Produkt wirklich nirgendwo günstiger zu haben ist, lohnt es sich, den Preisversprechen Aufmerksamkeit zu schenken.»

Wer sich die Angebote anschaut, die Media Markt in Werbeblättern und auf der Webseite anpreist, stellt fest, dass einige Produkte bei Online-Shops günstiger zu haben sind. Das zeigt ein Blick in verschiedene Preisvergleichsportale. Auch wenn es nur um Cent-Beträge handelt: Das Videospiel Donkey Kong Country Returns ist beispielsweise beim Internetversandhändler Amazon mit 34,99 Euro günstiger zu haben als bei Media Markt (35,27 Euro). Gleiches gilt für das Wii-Zubehör-Paket aus Balance Board und dem Spiel Wii Fit Plus (Amazon: 74,99 Euro, Media Markt: 75,06 Euro). Wer bei Internethändlern ein günstigeres Angebot entdeckt, sollte aber nachschauen, ob noch Versandkosten oder Mehrwertsteuer hinzukommen.

Tatsächlich günstig angeboten werden unter anderem die Sicherheitssoftware Norton Internet Security 2011 für zwei PC (World of Software: 23,30 Euro für Einzellizenz; Media Markt und Amazon: 24,30 Euro) und das Acer-Notebook Aspire 7745G-464G50 Mnks (Cyberport: 779 Euro, Media Markt: 727,09 Euro). Manche Produkte sind bei Internetanbietern zum genau gleichen Preis zu haben - ohne mit dem Einkaufspreis zu werben. Das gilt etwa für das Smartphone HTC 7 Trophy (Media Markt: 382,32 Euro) oder das Schnurlostelefon Panasonic KX-TG 5522 (Media Markt: 46,91 Euro). Einige Anbieter sind hier zwar günstiger, allerdings kommen Versandkosten hinzu.

Schummelpreise anschwärzen

«Grundsätzlich bedeutet der Einkaufspreis, dass der Händler keinen Gewinn macht. Ob das bei solchen Lockangeboten auch der Fall ist, kann der Kunde nicht nachvollziehen, weil er den Einkaufspreis nicht nachprüfen kann», betont Verbraucherschützerin Rhein.

Doch was ist, wenn das angepriesene Produkt anderswo billiger zu haben ist? Dann sind die Verbraucherzentralen der richtige Ansprechspartner. Zwar hat der Kunde kein Anrecht darauf, das Produkt beim anpreisenden Händler zum günstigeren Preis zu erwerben. Mit Einkaufspreisen zu werben, aber tatsächlich teurer zu verkaufen, sei wettbewerbswidrig und könne mit Abmahnungen durch die Verbraucherzentralen unterbunden werden.

In solchen Fällen müssen die Unternehmen Unterlassungserklärungen abgeben und die Kosten dafür tragen - etwa 200 Euro plus Mehrwertsteuer. Bei wiederholten Verstößen drohen Vertragsstrafen in Höhe von 5000 bis 7000 Euro, bisweilen auch höher. Das seien keine Einzelfälle: «Viele große Unternehmen werben mit solchen Preisangeboten ohne sie tatsächlich zu halten. Beschwerden von Verbrauchern gibt es regelmäßig», sagt die Verbraucherschützerin.

Kleingedrucktes lesen

Wer sich von Preisangeboten mit draufgelegtem Gutschein locken lässt, sollte ebenfalls Vorsicht walten lassen. Nur wer etwas wirklich braucht, kann hier lohnenswert einkaufen. Vor Kurzschluss-Entscheidungen warnt Petra von Rhein. Denn solche Angebote werden häufig nur für einen sehr kurzen Zeitraum angeboten, um den Kunden zu schnellen Reaktionen zu zwingen. Häufig wird dann Geld ausgegeben, das eigentlich nicht da ist.

Doch egal ob das Angebot begrenzt ist oder nicht: In jedem Fall gilt das Gewährleistungsrecht. Sind Kühlschränke, Waschmaschine oder Fernseher defekt, darf der Kunde umtauschen. Bei Ersatzlieferungen muss der Gutschein in der Regel nicht zurückgegeben werden.

Das gilt jedoch nicht automatisch, wenn der Händler ein Produkt per Kulanzregelung zurücknimmt. Entscheidend ist das Kleingedruckte. «Die Bedingungen für derlei Gutscheine müssen beim Kauf deutlich gemacht und vom Kunden zur Kenntnis genommen werden», erklärt die Verbraucherschützerin. Steht auf dem Gutschein keine Regelung und gab es beim Kauf keine weiteren, schriftlichen Hinweise, gibt es keine Bedingungen. «Grundsätzlich müssen Sonderregelungen beim Vertragsabschluss bekannt gemacht werden. Ist das nicht der Fall, sind sie auch nicht wirksam.»

Wer sich von Lockangeboten angesprochen fühlt, sollte immer nach der Facon handeln: Brauche ich das? Stimmen die Versprechen? Habe ich den Preis mit anderen Anbietern verglichen?

Das zu hinterfragen, gilt übrigens auch für Angebote, die beispielsweise verschiedene Möbelhäuser ihren Club-Mitgliedern machen. «Hier werden oft Normalpreise deklariert, die gar nicht existieren, wenn man mal durch reguläre Kataloge blättert», warnt Petra von Rhein.

Insgesamt kann sich die Neuanschaffung von Haushalts- und Elektrogeräte im Januar aber durchaus lohnen. In den Lagern der Händler muss Platz für neue Produktpaletten geschaffen werden. Die Restbestände der Weihnachtsware werden dann oft noch zu niedrigen Preisen verkauft. Aber auch hier gilt: immer Preise vergleichen.

sua/news.de

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