Shopping der Zukunft
Hightech im Supermarkt

In der langen Schlange stehen, den Einkauf aufs Band packen und dann nach Kleingeld kramen? In modernen Supermärkten sind diese Zeiten vorbei. Smartphone, Apps und Fingerabdruck sollen den Wochenendeinkauf zum kurzweiligen Erlebnis machen. Fortschritt für alle?

Bezahlen mit dem Fingerabdruck. Auch die Kölner Rewe-Gruppe erprobt seit kurzem dieses Bezahlverfahren in ihren Märkten. Bild: dpa

Ein Supermarkt im Jahr 2021: Sobald wir das Geschäft betreten, erkennt uns der intelligente Supermarkt wieder. Er weiß um unsere Einkaufsgewohnheiten und kennt natürlich auch unsere Bankverbindung. Ein automatischer Wagen kommt sogleich auf uns zugerollt und fährt neben uns her, während wir durch die Gänge gehen. Vor den Regalen mit den Toastbroten angekommen, zeigt uns das Display des Wagens an, welches Produkt wir in der letzten Woche gekauft haben und welches gerade im Angebot ist.

Weil der Supermarkt auch registriert hat, dass wir im Verlauf der letzten Besuche etwas an Gewicht zugelegt haben, empfiehlt er uns Vollkorntoast. Frechheit - wir bleiben beim Alten. Vollgepackt mit allen Lebensmitteln die wir gesucht haben, verlassen wir das Geschäft. Anstellen an der Kasse? Das ist nicht mehr nötig. Der intelligente Supermarkt und unser automatischer Einkaufswagen wissen genau, was wir mit nach Hause nehmen. Der Betrag wird automatisch von unserem Konto abgezogen.

Zahlen mit Fingerabdruck

Was vielleicht futuristisch klingt, ist gar nicht so abwegig. Denn die großen Supermarktketten setzen in ihren Filialen längst Hightech ein. So können Menschen, die im Südwesten Deutschlands zu Hause sind, in manchen Edeka-Märkten mit ihrem Fingerabdruck bezahlen - ohne Pin, ohne Karte und ohne Kleingeld. «Die erste Installation von Digiproof haben wir im März 2005 vorgenommen. Für dieses System haben wir uns entschieden, weil es für die Kunden sehr einfach und von den Kosten her attraktiv für den Kaufmann ist», sagt Christhard Deutscher, Sprecher der Edeka Handelsgesellschaft Südwest.

Um mit seinem Fingerabdruck bezahlen zu können, müssen sich die Kunden in den Märkten mit ihrem Personalausweis registrieren und ihre Bankdaten hinterlegen. Ein Scanner erfasst anschließend wesentliche Punkte des Fingerabdrucks und speichert diese. Deutscher versichert, dass keine Möglichkeit bestehe, aus diesen Informationen einen neuen, vollständigen Abdruck zu generieren. Die Resonanz der Verbraucher, die diesen Service nutzen, sei bisher gut.

Dass das System überlistet werden kann, hat der Chaos Computer Club (CCC) in Kooperation mit dem ARD-Magazin PlusMinus bewiesen. Mit einfachen Materialien wie Sekundenkleber, Holzleim und Laserfaser ist es den BiometrieBiometrie im eigentlichen Sinne meint alle Messungen, die an Lebewesen vorgenommen werden. Bezogen auf den Datenschutz sind vor allem biometrische Erkennungsverfahren wichtig. Unter anderem wird dabei der Fingerabdruck, die Struktur der Iris oder die DNA erfasst und gespeichert, um eine Person eindeutig identifizieren zu können. Ein Beispiel ist der Reisepass, in dem sich in Deutschland seit November 2005 ein Chip befindet, auf dem biometrische Daten des Inhabers gespeichert sind. -Experten des CCC gelungen, einen Fingerabdruck zu kopieren und eine Attrappe herzustellen. Mit dieser haben die ARD-Journalisten dann im Supermarkt auf fremde Kosten eingekauft. Deshalb bieten solche Systeme für den CCC keine nennenswerte Sicherheit. Der Club rät von der Nutzung dieses Bezahlsystems ab und empfiehlt, bereits abgeschlossene Verträge umgehend zu kündigen. Deutscher hingegen versichert, dass bisher kein einziger Fall bekannt ist, «bei dem mit der Technik Schindluder betrieben wurde».

Appgezahlt

Ohne Fingerabdruck, dafür aber mit dem SmartphoneSmartphones sind streng genommen Mobiltelefone mit erweiterten Fähigkeiten - zum Beispiel für die Verwaltung von Kontakten, Terminen und Aufgaben (sogenannten PIM-Funktionen) - sowie multimedialen oder internetbasierten Anwendungen. Sie benutzen meist ein spezielles Betriebssystem, welches die Installation weiterer Programme erlaubt (Symbian OS, Windows-Mobile, Android). Der Begriff Smartphone wird oft synonym verwandt für Geräte anderer Gattungen, zum Beispiel Organizer oder PDAs mit Telefonfunktionen. können Kunden zahlen, die im Futurestore des SB-Warenhauses Real einkaufen. Dort erprobt das Unternehmen neue Technologien am offenen Herzen, erklärt Pressesprecher Markus Jablonski. Aktuell dreht sich hier alles um das Shoppen mit dem sogenannten mobilen Einkaufsassistenten (MEA). Dahinter verbirgt sich eine der sogenannten Apps, kleine Anwendungen für das Smartphone, die zumeist über Online-Portale wie den Appstore von Apple oder den Android-Market heruntergelanden werden können.

Während sich der Kunde durch den Markt bewegt, scannt er mit dem Smartphone den Strichcode jeder Packung, die er in den Wagen legt. Am Ende generiert der MEA daraus einen einzigen Code, der den Gesamtpreis des Einkaufs enthält. Dieser wird an der Kasse abgescanntdas berührungsfreie Abtasten von Objekten mit Aufnahmetechniken . Dann können die Kunden entscheiden, ob sie bar, mit Karte oder je nach Smartphone mit dem MEA direkt bezahlen wollen. Das mehrmalige Ein- und Auspacken der Produkte wird so überflüssig. «Anfangs haben wir diese Technologie mit festmontierten Tablet-PCs am Einkaufswagen erprobt. Diese Lösung war aber ungeeignet, da sie nicht sicher und zudem sehr wartungsintensiv war», erklärt Jablonski.

Was im Real‘schen Futurestore erprobt wird, bleibt nicht lange Zukunftsmusik. So haben beispielsweise die heute schon fast alltäglichen Selbstbedienungs-Kassen von hier aus ihren Weg in die Geschäfte der anderen Metro-Partner gefunden. Auch Ikea setzt längst darauf. Das Kassenpersonal kann so erheblich reduziert werden.

Vorfahren, mitnehmen, fortfahren

Fast ohne menschliche Interaktion kommt der neueröffnete Drive-In-Supermarkt von Real aus. Der normale Lebensmitteleinkauf entfällt hier ebenfalls: Vielmehr beginnt der Streifzug durch Leberwurst, Dosensuppen und Marmelade am Rechner. Der Kunde bestellt die gewünschten Produkte über das Onlineportal des Marktes, gibt einen Abholtermin an und holt den verpackten Einkauf im Markt ab.

Verbraucherschützer sehen das Angebot kritisch, obwohl Brigitte Ahrens von der Verbraucherzentrale Niedersachsen zugeben muss: «Lebensmittel und Getränke online bestellen und liefern lassen, ist bequem und liegt im Trend.» Sie sieht hier aber grundsätzliche Probleme. Zum einen müssten die Produkte nicht derart ausführlich gekennzeichnet werden wie in einem Supermarkt. Oft fehlten Hinweise auf Zutaten oder Haltbarkeit, lediglich Zusatzstoffe müssten genannt werden. Gerade für Allergiker könne das problematisch werden.

«Ärgerlich ist es auch, dass bei dem Drive-in-Supermarkt die Zutatenliste
beziehungsweise die Nährwertangabe nicht durchgängig für jedes Produkt vorhanden sind. Hier müsste der Internetauftritt nachgebessert werden», erklärt Ahrens. Ihr fehlen zudem die Angaben über Mindesthaltbarkeit und Verbrauchsdatum: «Für Verbraucher ist es wichtig zu erfahren, wie lange der Joghurt oder das abgepackte Schnittbrot lagerfähig ist. Allgemeine Aussagen des Anbieters wie ‹… wir achten streng auf Frische, Qualität und Mindesthaltbarkeit› sind zu ungenau.»

Eine Zukunft für alle?

Verbraucherschützer kritisieren, dass solche Entwicklungen gerade ältere Menschen benachteiligen, da der menschliche Kontakt fehle und die Technik für Senioren nur schwer zu verstehen sei. Diese Kritik ist für Deutscher und Jablonski hingegen unbegründet. «Alt sein ist heute keine Frage des Alters mehr, heute gibt es auch 70-Jährige, die fit im Umgang mit dem Internet sind. Es hat sich nicht bewahrheitet, dass Ältere einen Bogen um diese neuen Technologien wie die SB-Kassen machen», erklärt Jablonski.

Weiterhin setze man dort auf persönliche Beratung, wo sie hingehört, so würden dem Kunden alle erläuterungsbedürften Technikprodukte erklärt und vorgeführt: «Niemand braucht aber eine ausführliche Beratung, wenn er sich Eier oder ein paar Kartons Milch kaufen will.»

rzf/ivb/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

5 Kommentare
  • Tantalus

    02.12.2010 16:09

    Antwort auf Kommentar 4

    Mein liebes Kind, Du hast eine Meise!

    Kommentar melden
  • Amalia Pantelidi

    02.12.2010 14:34

    Es geht dabei nur darum, dass Schritt für Schritt die Menschen die Bechipung des Antichristen unter der Haut bekommen, womit dann gar keine Kassiererinnen mehr nötig sind! Es geht nur um die digitale Diktatur der Globaliesierung mit Diktator den Antichristen. Der Antichrist der weißen Bruderschaft ist schon da, der wurde aber der Menscheit noch nicht vorgestellt. Die ganze Angelegenheit ist ein bißchen gebremst, bis dass 9 Fatrien der schwarzen Bruderschaft sich um den Klonen des Antichristen an ihrer Seite geeinigt haben. Auch die Wikilieks ist ein Trick, damit die Politiker der Welt fallen!

    Kommentar melden
  • Rupert

    02.12.2010 14:16

    Aussagen wie "...hat sich nicht bewahrheitet, dass Ältere einen Bogen um diese neuen Technologien wie die SB-Kassen machen" kann ich aus nächstem Umfreld nur dementieren. Vor allem aber liegt die Gefahr sowohl bei einer solchen Entwicklung, als auch bei den Aussagen bei der zunehmenden Verallgemeinerung. Ich kann nur dringend vor der zunehmenden Entseelung und Entmenschlichung eines solchen Trends warnen!!!

    Kommentar melden

Kommentar schreiben

noch 600 Zeichen übrig

Empfehlungen für den news.de-Leser