Mobilfunk Wird Telefonieren mit dem Handy billiger?

Entscheidung der Bundesnetzagentur (Foto)
Deutsche Handynutzer dürfen auf weiter sinkende Preise hoffen. Bild: dpa

Schlappe für die Mobilfunkanbieter: Sie müssen ihre Gebühren für die Durchleitung in andere Netze senken. So die Entscheidung der Bundesnetzagentur. Das freut die Discounter, die ihre Tarife noch niedriger positionieren können.

Die Bundesnetzagentur streicht den Mobilfunkanbietern durch eine drastische Senkung der Preise für die Netzdurchleitung eine sichere Einnahmenquelle. Die Regulierer wollen die Entgelte, die die vier großen Mobilfunkbetreiber von ihren Wettbewerbern für die Durchleitung von Verbindungen in ihre Netzte kassieren, auf nur noch zwischen 3,33 Cent und 3,7 Cent je Minute beschränken.

Damit bekommen die Mobilfunk-Provider nur noch rund die Hälfte der bisherigen Entgelte. Erwartet hatten sie eine Absenkung von rund 25 Prozent. Die Telekom sprach von einer «katastrophalen Entscheidung» und «einem verfehlten Signal an den deutschen Mobilfunkmarkt».

Preissenkungen nicht bei den großen Anbietern

Wie schnell sich die Halbierung der Durchleitungspreise bei den Handynutzern bemerkbar macht, bleibt abzuwarten. Nach Einschätzung von Experten könnten vor allem Discounter die Chance nutzen und den Wettbewerb mit günstigen Preisen unter Dampf setzen. «Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt deutlich, dass die Versuchung sehr groß ist, sich durch eine Preissenkung an die Spitze der Tariftabellen zu setzen», erklärte der Telekom-Experte des Internetportals Verivox, Christof Zinkgräf. Die großen Anbieter würden dagegen wegen des Finanzbedarfs bei der Umstellung auf den schnellen Mobilfunkstandard LTE kaum zu Preissenkungen bereit sein.   

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, begründete die Entscheidung mit der generellen Absenkung der Entgelte in den EU-Ländern. Die Vorschläge fügten sich gut in das europäische Niveau ein, betonte Kurth. Erstmals müssen die Preisvorschläge der Bundesnetzagentur noch durch ein nationales Genehmigungsverfahren und von der EU-Kommission gebilligt werden. Eine endgültige Entscheidung wird bis zum Ende des ersten Quartals 2011 erwartet. Danach sollen die Durchleitungspreise rückwirkend vom 1. Dezember 2010 bis 30. November 2012 gültig sein.

Netzbetreiber wehren sich

Unverständnis löste die Entscheidung der obersten Aufsichtsbehörde über die Telekommärkte in Deutschland auch bei den Netzbetreibern E- Plus und O2 aus. Es sei unverständlich, dass die Bundesnetzagentur von einem Tag auf den anderen eine derart deutliche Absenkung vornehme. Dies erschwere die Planung für sämtliche Marktteilnehmer, erklärte die Tochterfirma der niederländischen KPN in Düsseldorf. René Schuster, Chef der Telefónica O2 Germany, warf der Netzagentur vor, die Breitbandstrategie der Bundesregierung zu behindern, da dem Markt unnötig Investitionsmittel entzogen würden.

Die Bundesnetzagentur zeigte sich aber für die Argumente der Provider wenig empfänglich: Bei der Überprüfung der Gebühren habe die Bundesnetzagentur eine erhebliche Zunahme der Verkehrsmengen im Mobilfunk in den vergangen Jahren festgestellt. Diese erfreuliche Entwicklung mache deutlich, dass mobile Sprach- und Datendienste erheblich stärker als bisher genutzt würden. Dies habe bei weitgehend stabilen Kosten und effizienten Netzen zu «deutlich geringeren Minutenpreisen geführt», betonte Kurth.

EU-Kommission will weitere Preissenkungen

Hintergrund der Entscheidung sind Vorgaben der EU-Kommission, die die Terminierungsentgelte drastisch zusammenstreichen will. Nach dem Willen der Brüsseler Behörde sollen sie europaweit zwischen 1,5 und 2,5 Cent liegen. Für die Mobilfunkanbieter ergäben sich hieraus Erlöseinbußen in einer Größenordnung von 26 Milliarden Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Mit den Preisvorschlägen hebt die Behörde gleichzeitig auch die bisherige Spreizung der Gebühren zwischen D- und E-Netzen auf. Bislang durften E-Plus und Telefónica O2 für die Terminierung der Gespräche einen höheren Betrag kassieren als die beiden Marktführer T-Mobile und Vodafone, weil sie einige Jahre später an den Start gegangen waren. Mit der Angleichung berücksichtigte die Bundesnetzagentur die anhaltende Marktdominanz von Telekom und Vodafone bei der Frequenzausstattung nicht, kritisierte E-Plus.

sis/sgo/news.de/dpa

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