So., 12.02.12

Spectors «Micky Epic» Ein Denkmal mit Mausohren

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 27.08.2010

Warren Spector ist einer der erfolgreichsten Videospielproduzenten der Welt. Die Ultima- und die Deus-Ex-Reihe machten ihn berühmt. Jetzt widmet sich die Koryphäe ihrem liebsten Helden: Micky Maus. Und sprach darüber mit news.de.

30.07.2010
«Disney Micky Epic»
Mausheld mit Pinsel (engl.)
Video: Disney Interactive
27.08.2010
«Micky Epic»
Mausohriges Abenteuer
Video: Disney Interactive

Herr Spector, Sie entwickeln derzeit das Videospiel Micky Epic. Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Micky Maus erinnern?

Spector: Die erste Begegnung mit Micky... Interessante Frage. Ich glaube, meine erste Begegnung mit Disney hatte ich, als mein Vater mir am Tag meiner Geburt ein Pluto-Plüschtier schenkte. Meine ersten Mausohren bekam ich, als ich fünf war. Und beides habe ich heute noch. An meine erste Begegnung mit Micky kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Da müsste ich meine Mutter fragen. Wahrscheinlich geschah das, als ich die wundervolle Disneywelt im Fernsehen sah. Jeden Sonntagabend haben wir ferngesehen. Wir haben uns um den Schwarz-Weiß-Fernseher versammelt, und Micky war dort immer präsent.

Wir haben auf der Gamescom gehört, dass Sie ein großer Micky-Fan sind und zu Hause viele Micky-Maus-Sachen haben. Stimmt das?

Spector: Das meiste davon steht im Büro. Ich sollte es vielleicht nicht zugeben, aber jedes Poster, das dort an der Wand hängt, gehört mir. Genauso wie jedes Buch im Regal und natürlich auch die etwa 45 Zentimeter große Micky-Statue. Ich habe Fotos davon auf meinem Telefon. Von den etwa drei Zentimeter großen Disneyfiguren habe ich fünfzig oder sechzig Stück, die sammle ich seit meiner Kindheit. Ich habe Maus-Gitarren, auf denen ich schon als Kind gespielt habe. Und es existiert ein Maus-Tablett, auf dem mir meine Mutter früher das Frühstück ans Bett gebracht hat, wenn ich krank war. Ich habe auch noch die alte Micky-Platte Mickey and the BeanstockMicky und die Bohnenranke - die Geschichte basiert auf dem englischen Märchen «Jack and the Beanstalk», die 1807 erstmals von Benjamin Tabart niedergeschrieben wurde. In Deutschland wurde das Märchen unter dem Titel «Hans und die Bohnenranke» veröffentlicht. , die ich gehört habe, als ich ein Kind war. Mir gehören hunderte Micky-Maus-Sammelpins und tausende Disney-Bücher.

Was begeistert Sie so an Micky?

Spector: Die Sache an Micky ist, wie viele Charaktere gibt es, wie viele Menschen oder andere Dinge, die so sehr ein Teil des täglichen Lebens geworden sind seit der Zeit unserer Großeltern. Das gelingt Micky seit immerhin 82 Jahren. Ich glaube, alles mit diesem bleibenden Wert fasziniert. Etwas, das bei meinen Ur-Großeltern, meinen Großeltern, Eltern und heute bei mir so erfolgreich ist, das begeistert einfach, dafür muss man sich interessieren. Ich glaube, deshalb schwärme ich so für Micky. Natürlich ist er auch ein bekannter Filmstar, ist präsent in Vergnügungsparks, ein Fernseherstar. Das einzige, wo Micky bislang nicht erfolgreich war, sind Videospiele. Das ärgert mich. Ich möchte, dass Micky im Videospiel genauso berühmt wird, wie in jedem anderen Medium. Das ist mein Ziel für das Spiel, deshalb arbeite ich daran.

Micky ist seit mehr als 80 Jahren ein Fernsehheld. Sein Aussehen hat sich jedoch verändert. Warum zeigen Sie ihn in seinem ursprünglichen Aussehen.

Spector: Das ist eine Sache, die Disney über die Jahre sehr gründlich gemacht hat. Die haben vieles an ihm immer wieder verändert, nicht nur sein Aussehen, sondern auch sein Auftreten und sein Verhalten, um ihn mit der Zeit gehen zu lassen. Auf meinen Postern kann ich die vielen unterschiedlichen Versionen von Micky gut verfolgen und scheinbar hatte Disney Spaß an den Veränderungen. Deshalb war es ein logischer Schritt, Micky im Videospiel anders aussehen zu lassen als im Fernsehen oder im Vergnügungspark. Es ging nie darum, Micky altbacken aussehen zu lassen. Ich wollte das Beste vom klassischen Micky aus den 1920ern und 1930ern übernehmen und einige Elemente, die ich an jüngeren Varianten von Micky sehr mag. Es ist also keineswegs ein altmodischer Micky. Es ist vielmehr ein einzigartiger, dem wir in diesem Spiel begegnen. Ich denke, dass es den Fans des klassischen Micky genauso gefallen wird wie dem jüngeren Publikum.

Was ist das Besondere an Micky Epic?

Spector: Daran sind viele Dinge besonders. Zuerst einmal haben wir für Micky eine komplett neue Welt erschaffen. Wir wollen ihn wieder zu einem richtigen Helden machen und daran erinnern, was ein Held sein kann. Ein Held braucht Probleme, die gelöst werden müssen. Er muss in unangenehme Situationen geraten. Wir können ihn nicht einfach in seinem Haus in Mouseton sitzen lassen, ihn Pluto streicheln lassen, und sagen, er ist ein großer Held. Deshalb haben wir Wasteland erschaffen, in dem all die Charaktere aufgegriffen werden, die in den vergangenen 80 Jahren aus den Cartoons oder Themenparks gestrichen wurden. Es wird etwas ganz Besonderes für die Fans sein, weil sie sich umsehen und sagen können «Ja, ich erinnere mich an die kaputte Teekanne, die sieht so aus wie die, die ich in Disneyland gesehen habe». Alles im Spiel ist von etwas aus der echten Micky-Welt inspiriert.

Und was wird den Spielern besonders auffallen?

Spector: Beim Gameplay ist es ziemlich cool, dass wir Micky die Chance geben, zu kontrollieren, woraus er gemacht wurde. Er ist eine Cartoon-Figur, besteht also aus Zeichentinte. Im Spiel kann er selbst mit der Farbe auf kaputte Gegenstände malen, die Spielwelt damit verändern. Für die Spieler ist das vollkommen neu, zumindest habe ich noch kein Videospiel gesehen, wo derlei möglich war.

Das ist etwas, das Ihnen bei all Ihren Spielen wichtig war...

Spector: Mir geht es seit vielen Jahren darum, den Spielern die Chance zu geben, ihre eigene Wahl zu treffen. Und wir zeigen ihnen dann im Spiel, welche Konsequenzen diese Entscheidung hat. Menschen, die auf klassischen Plattformen oder die traditionellen Adventures spielen, machen genau das, was die Entwickler ihnen vorgeben, genau dann, wenn sie es sollen. Davon gehen wir mit Micky Epic weg, hier findet der Spieler seine eigenen Lösungswege.

Ist Micky Epic eine Hommage an die Anfänge der Figur?

Spector: Eines der großen Ziele des Projekts und des Wunsches, aus Micky einen Helden zu machen, ist es, Disneys kreative Arbeit zu ehren. Walt Disney war einer der einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts. Er hat die Welt verändert - und er war sehr innovativ. Auf sein Konto geht der erste Mehrton-Cartoon, der erste vierfarbige Cartoon und der erste Vergnügungspark. Was er geschaffen hat, ist heute so sehr Teil unseres Lebens, dass sich kaum mehr jemand daran erinnert, dass es aus Disneys Firma stammt. Ich möchte ein Spiel erschaffen, das all das ehrt. Natürlich gehen wir deshalb zurück zu den Wurzeln von Micky und den frühen Schöpfungen Disneys. Darüber hinaus ist es ein Tribut an all die Ideen und Figuren, die zwar entwickelt wurden, aber nie in Erscheinung getreten sind. Im Spiel haben wir Konzepte aufgenommen, die vor vielen Jahren verworfen wurden.

Was ist für Sie am Spiel besonders wichtig?

Spector: Viele Dinge sind wichtig. Eines ist es, die Menschen daran zu erinnen, wie unglaublich cool Disney, der Mann und die Firma, sind. Und dass sie sich daran erinnern, wie abenteuerlustig und heldenhaft Micky sein kann. In allen meinen Spielen ging es darum, dass ein Spiel dann gut ist, wenn die Spieler selbst kreativ und clever sein müssen. So auch bei Micky Epic.

Warren Spector arbeitet seit 1989 als Computerspielproduzent. Seine größten Erfolge feierte er mit den Spielen der Ultima-Reihe, mit Thief sowie den Deus Ex-Spielen. 2005 gründete er mit ehemaligen Kollegen die Firma Junction Point, die seit 2007 zu Disney Interactive gehört.

kas/ivb/news.de
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