Bodyguard für Browserkids
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 24.08.2010
Sie sind bunt, kostenlos und fast überall zugänglich: Mehrspieler-Onlinegames locken immer häufiger Kinder an. Die Branche setzt auf die junge Zielgruppe - und betreibt mit Spezialsoftware und Spielmoderatoren aktiv Jugendschutz.
Im zweiten Jahr der Gamescom hat sich eines ganz klar herauskristallisiert: Die Messe ist nicht länger nur Tummelplatz für die Core-Gamer. Die Altersstruktur wird breiter. Das Publikum wird älter, zugleich aber auch jünger und immer öfter sind ganze Familien dabei, deren Nachwuchs dem Kindergartenalter entweder noch nicht entwachsen oder noch gar nicht geboren ist.
Damit rückt das Thema Jugendschutz stärker in den Mittelpunkt. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Branche selbst in einem ihrer stärksten Umbrüche befindet: Die Begeisterung für kostenlose Onlinespiele wächst. Auch bei den Jüngeren.
Die Branche hat das erkannt und geht etwa mit Clone Wars Adventures (Sony Online Entertainment) oder gar Lego Universe (Warner Bros. Interactive) auf die junge Zielgruppe zu. Letzteres wird bereits seit gut zehn Jahren entwickelt - einerseits, um sicher zu gehen, dass das Spiel auch auf Computern funktioniert, die nicht zu den modernsten Vertretern ihrer Art gehören. Vor allem aber, weil der Sicherheitsaspekt eine große Rolle spielt. Deshalb wird es neben dem öffentlichen Bereich, auf dem sich die Kinder treffen können, für jeden Spieler auch einen privaten Rückzugsraum im Spiel geben, in dem er sich mit den virtuellen Lego-Steinen austoben kann.
Insbesondere setzen die Entwickler auf spezielle Software, die Schimpfwörtern den Garaus machen soll. Nicht nur im Chat. Sondern auch im aktiven Spiel. Bekanntermaßen lassen sich mit Lego-Steinen diverse Verstecke bauen, hinter deren Mauern sich etwas verstecken lässt. Also auch Schimpfwörter. Und genau die soll die Software ebenfalls ausmerzen.
Obendrein wird es ein Team von deutschen Moderatoren geben, das die Chats überwacht und von den jungen Spielern bei Problemen angesprochen werden kann. Ein ähnliches Prinzip nutzt das Spiel Bibi und Tina - Treffpunkt Martinshof (Kiddinx), das neben dem klassischen PC- einen Online-Modus bietet.
Solche technischen Lösungen, sind eine Möglichkeit, aktiv Jugendschutz zu betreiben. Die Eltern nimmt es freilich nicht aus der Verantwortung. Diese müssten weiterhin um Aufklärung bemüht sein und wissen, was ihre Kinder spielen, wird Torben Kohring vom Computerprojekt Köln nicht müde zu betonen.
Doch er weiß auch um die Schwierigkeiten, die der Jugendschutz mit Onlinespielen hat. «Das ist ein schwieriges Thema, weil wir uns diesbezüglich gerade in der Übergangszeit befinden», so Kohring. Zumals sich das Medium so enorm schnell entwickelt habe, dass es schwer sei, darauf aktuell zu reagieren.
Orientierungshilfen seien deshalb dringend notwendig, gerade für Eltern. Eine Option ist dabei das neue Gütesiegel «Pädagogisch wertvoll», das Kohring und das Computerprojekt Köln gemeinsam mit dem Bundesverband Spielwaren-Einzelhandel herausgeben. Für Onlinespiele ist dieses Siegel bislang jedoch nicht verfügbar.
«Fraglich ist, ob man das Problem so regeln kann wie für die Spiele, die üblicherweise im Handel gekauft werden können.» Der Medienpädagoge betont aber auch, dass darauf geachtet werden müsse, nicht ungerecht zu werten. Denn sobald ein Anbieter im Ausland sitze, greife das deutsche Jugendschutzsystem nicht mehr. Harte Bandagen wären für die ohnehin kleine deutsche Spielebranche also ein schwerer Schlag. Und ein 13-Jähriger könne problemlos auch Internetspiele aus anderen Ländern aufrufen. Damit sei das deutsche Jugendschutzsystem umgangen.
sgo/news.de
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