Bundesregierung misstraut Smartphones
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Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Artikel vom 04.08.2010
Auch die Bundesregierung hegt Bedenken gegen Blackberrys. Lediglich Geräte mit Simko2-Verschlüsselung seien empfehlenswert. Ein weiterer Schlag für Blackberry-Hersteller RIM. Auch einige Golfstaaten und Indien stellen sich gegen das Smartphone.
Die Bundesregierung hat sich entschieden, Blackberrys nicht zu nutzen, heißt es in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Demnach habe das Bundesinnenministerium bereits im vergangenen November empfohlen, auf Blackberrys und iPhone zu verzichten, denn Angriffe auf Informations- und Kommunikationsnetze steigen. Gerade mobile Geräte stellten ein erhebliches Gefährdungspotenzial dar, zitiert das Blatt den damaligen Staatssekretär Bernhard Beus.
Einzig Geräte mit der Simko2-Verschlüsselung der Telekom-Geschäftskundensparte seien empfehlenswert. Auf Nachfrage bestätigten Kanzleramt, Außen- und Innenministerium gegen über FAZ, dass sie ihren Mitarbeitern zumindest die Nutzung des Blackberrys untersagt hätten. Das Innenministerium hätte bereits 4000 der Simko2-Handys an andere Ministerien verteilt, um auch ihnen den Einsatz der sicheren Geräte auf Basis von HTC-Smartphones schmackhaft zu machen.
Bereits 2005 hatte die deutsche Bundeswehr ihren Blackberry-Großauftrag wegen erheblicher Sicherheitsbedenken gestoppt. Damals monierte das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Tatsache, dass der verschlüsselte Datenverkehr über einen Server in Großbritannien geleitete werde und die britischen Geheimdienste damit Zugriff auf die Informationen hätten.
Blackberry-Verbot in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi Arabien
Und auch in anderen Märkten hat es Blackberry-Hersteller RIM gerade schwer. Nach den Vereinigten Arabischen Emiraten hat nun auch Saudi-Arabien Probleme mit dem sicheren Smartphone angemeldet. Noch in dieser Woche sollen die als abhörsicher geltenden, verschlüsselten Dienste der Blackberry-Smartphones verboten werden.
In Saudi Arabien forderte die Kommission für Kommunikation und Informationstechnologie die Mobilfunkanbieter auf, den Messenger-Dienst des kanadischen Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) zu blockieren. Grund: Es seien bestimmte behördliche Anforderungen nicht erfüllt worden.
Konkret geht es um die Verschlüsselung, das eigentliche Erfolgsrezept des Business-Geräts. Die mobile Kommunikation der Blackberryd wird inklusive E-Mail-Verkehr von einem Server im Ausland verschlüsselt. Damit entziehen sich die Daten den Gesetzen und der Kontrolle von Regierungen und Geheimdiensten, selbst RIM habe keine Einsicht in die Informationen. Die Vereinigten Arabischen Emirate monieren, dass sie sich selbst bei Verdacht von kriminellen oder terroristischen Aktionen keinen Einblick in die Kommunikation verschaffen können.
«Wir befürchten, dass dies nur der erste Schritt in Richtung eines Totalverbots für die Benutzung von Smartphones ist», kritisieren Reporter ohne Grenzen. Die Vereinigten Arababischen Emirate betrachteten die Blackberry-Dienste «als Hindernis bei ihrem Ziel, Zensur, Filterung und Überwachung voranzutrieben». So hätte es bereits Festnahmen von Menschen gegeben, die via Blackberry Informationen ausgetauscht hätten. Ein 18-Jähriger sitze derzeit in U-Haft, weil er über den Kurznachrichtendienst zu einem Protest aufgerufen hatte.
Laut Spiegel Online nutzen in den Emiraten etwa 500.000 Menschen Blackberrys, die meisten davon seien Geschäftsleute. In Saudi Arabien seien es etwa 700.000 Nutzer. Wenn das Blackberry-Verbot am 11.Oktober in den Emiraten in Kraft tritt, wären sowohl Einwohner als auch Geschäftsreisende und Touristen getroffen. Es mache das Empfangen und Senden von E-Mails unmöglich. Auch das Surfen im Netz und die Nutzung des Blackberry-Messenger-Dienstes funktionierten dann nicht mehr.
Reporter ohne Grenzen befürchtet bereits seit mehreren Jahren eine Verschärfung der Internetzensur in den Golfstaaten. Zahlreiche Websites seien gesperrt, der Internetzugang von Mobiltelefonen werde kontrolliert.
Sicherheitsbedenken in Indien
Auch Indien hatte Sicherheitsbedenken gegen Blackberry angemeldet. Wie indische Medien berichteten, wollte RIM den Sicherheitsbehörden des Landes deshalb Einblick in den E-Mail-Verkehr seiner Privatkunden gewähren. Nach massivem Druck sollen indische Behörden nun 15 Tage lang die E-Mail-Kommunikation überwachen dürfen, berichtete die indische Economic Times. Der Hersteller selbst dementierte diese Meldungen aber heftig.
Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte ein RIM-Sprecher, dass weder der indischen noch anderen Regierungen Einblick in die Kommunikation der Kunden geben werden soll. Die abgeschottete Kommunikation via Blackberry ist vielen Regierungen und Geheimdiensten ein Dorn im Auge, heißt es. So hätten die Terroristen währen der Anschläge auf Hotels in Mumbai 2008 Blackberrys genutzt.
ham/news.de/dpa
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