Die Jacke, die mitfühlt
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Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Artikel vom 04.08.2010
Nicht nur Waschmaschinen und Stromzähler werden immer smarter - auch unsere Kleidung. Unzählige eingewebte Sensoren sollen Jacke, Pulli und Jeans jetzt zum Partnerersatz machen. Ist ihr Träger traurig, spielen sie einfach seinen Lieblingssong.
Immer mehr Menschen leben allein: Eine Bevölkerungsstudie des Marktforschungsinstituts GfK hat ergeben, dass in etwa 40 Prozent der deutschen Haushalte nur eine Person wohnt. In den Großstädten sind es demnach sogar 54 Prozent. Dabei lebten vor allem Alte allein und junge Menschen gründeten immer später offizielle Lebensgemeinschaften. Die Gefahr, in wichtigen Situation ganz allein zu sein, ist groß - besonders für ältere Menschen. Und Einsamkeit ist mindestens genauso schädlich wie Rauchen, glaubt man den Ergebnissen einer neuen Studie, durchgeführt an der Birgham Young University.
Forscher von der Concordia University in Montreal und der University of London entwickeln eine Lösung gegen die gefährliche Einsamkeit: Aufmunternde Kleidung - «Wearable Absence», zu deutsche «tragbare Abwesenheit». Diese Kleidungsstücke sollen in der Lage sein, die Stimmung ihres Trägers zu ermitteln. Dafür hätten die Wissenschaftler unzählige Sensoren für Körpertemperatur, Herzfrequenz, Schweißbildung und Atmung in Jacken, Hosen und Pullover integriert, schreibt Technology Review Online.
Ein Smartphone würde die gesammelten Daten an einen Server übermitteln, auf dem eine Datenbank hinterlegt ist. Mit deren Hilfe könne der Gemütszustand des Kleidungsträger ermittelt werden. Der besondere Clou: Ebenfalls in der Datenbank hinterlegt seien Musik, Fotos oder Texte, die den Nutzer aufheitern können. Ist die Stimmung also eindeutig identifiziert, werden die Gute-Laune-Informationen auf die Kleidung übertragen - integrierte Lautsprecher und LED-Bildschirme sollen die Wiedergabe möglich machen.
Mit dem Wearable-Absence wollten die Forscher gegen Einsamkeit kämpfen. Deshalb stellten sie sich als Einsatzgebiet für ihre intelligente Kleidung beispielsweise die Altenpflege vor. So könnte die Stimme eines bereits verstorbenen über die aufmunternde Jacke des noch lebenden Partners abgespielt werden.
Bisher hätten die Forscher zwei Prototypen entwickelt - ein Kleidungstück für Männer und eines für Frauen. Damit das Ergebnis letztlich die Menschen fröhlich stimme und nicht depressiver mache, wollten sie außerdem mit Psychologen zusammenarbeiten, bevor Pullis, Jacken und Hosen in Serie gehen.
ham/reu/news.de
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