Ein Säufer mischt die Galaxis auf
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 07.08.2010
Zwischen den Sternen sollte Frieden herrschen. Doch Terraner, Protoss und Zerg liefern sich einen erbitternden Krieg, in dem ein Mann zum Dreh- und Angelpunkt wird. News.de hat die Schlachten geschlagen und das bislang beste Spiel des Jahres erlebt.
Viel zu lange hat Blizzard Entertainment treue Fans auf diese Fortsetzung warten lassen: StarCraft ist wohl das erfolgreichste Echtzeit-Strategiespiel, dass bislang auf den Markt gebracht wurde. Zwölf Jahre liegt die Veröffentlichung nun zurück. Wo andere Publisher spätestens zwei Jahre nach einem Erfolgstitel einen Nachfolger veröffentlicht hätten, ließen die Blizzard-Entwickler nicht nur ihre Ideen, sondern auch die Spieletechnologie reifen. Das hat sich gelohnt: Denn unbenommen ist StarCraft II nicht nur ein würdiger Nachfolger. Es rangiert als bislang bester Anwärter auf den Titel «Spiel des Jahres». Und schon jetzt ist klar: Es ist ein Erfolg, der in Serie gehen wird.
StarCraft II ist eine Trilogie - und Wings of Liberty der Auftakt zu einem furiosen Spieleabenteuer. Die Vorschusslorbeeren, da sind sich Fans einig, hat der erste Teil der Fortsetzung jedenfalls verdient eingefahren.
Ganz deutlich wird, die lange Zeit zwischen den beiden Spielen wird nicht einfach übergangen. Wie in der Realität ist auch hier die Zeit nicht stehen geblieben. Zwar sind es nicht zwölf, aber immerhin vier Jahre, die zwischen dem Add-on StarCraft: BroodWar und StarCraft II: Wings of Liberty liegen.
Schwärmerische Rache
Dabei schlüpft der Spieler in die Rolle des einstigen Kolonial-Marshalls Jim Raynor, ein heruntergekommener, alter Säufer, den die terranische Regierung als unbelehrbaren Rebellen einstuft. Die Fronten sind verhärtet. Das einzige, was Raynor treibt ist Rache. Rache an dem machtgierigen Arcturus Mengsk, der einst den Untergang der Konförderation vorangetrieben hat und nun als Imperator sein Unwesen treibt. Vor allem aber hat Mengsk Raynors einstigen Schwarm Sarah Kerrigan geopfert. Nun steht die hübsche Rothaarige auf der Seite der bösen Zerg.
In dieses Szenario hinein ist die Solo-Kampagne gestrickt, die nicht nur eine Abfolge von Missionen und Zwischensequenzen ist. Der Spieler hat auch die Gelegenheit, sich zwischendurch in eine digitale Bar zu setzen, um mit Kollegen zu reden, im Forschungslabor nach neuen Technologien zu suchen oder schlicht intergalaktische Nachrichten zu verfolgen.
Im Gegensatz zum Vorgängerspiel gibt es nicht mehr drei, sondern nur noch eine einzige Spiellinie - und zwar die der Terraner. Auf der Suche nach Einzelteilen für ein spezielles Artefakt, das sich als scheinbar ultimative Waffen verwenden lässt, steckt Raynor mitten in einem Mehrfrontenkrieg - gegen alte Feinde, einstige Verbündete und die Mitglieder der eigenen Rasse. Rahmengebend ist eine düstere Vision, die das Ende des Universums proklamiert.
Gratwanderung zwischen Absicherung und Kampf
Der Clou für den Spieler: Während der etwa achtstündigen Kampagne ist es nicht immer nur Reynors Haut, in der man sich mehr oder weniger (un-)wohl fühlen darf. Bisweilen wird auch der Blick von der anderen Seite möglich, selbst wenn das die Chancen auf einen Sieg der Gegner nicht erhöht.
Geradlinig ist das Spiel dabei nicht. Denn wer stringent erst seine Basis aufbaut und dann die Truppen ins Feld schickt, wird schnell merken, dass das nicht die ultimative Lösung ist. Wichtig ist, das richtige Gleichgewicht zwischen Stationierung und Kampf zu finden, die Entscheidungen den Erfordernissen der Situation anzupassen.
Dabei kommen Anfänger wie Profis auf ihre Kosten. Das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die besondere Herausforderung der Kampagne liegt in den Sekundärzielen, einer Art Erfolgsystem, mit der sich neue Details im Spiel freischalten und mit anderen Spielern vergleichen lassen. Das bietet dem Spieler den Anreiz, die intergallaktische Kampagne mehr als nur einmal zu spielen. Der Haken an der Sache: Nur wer dauerhaft mit dem Internet verbunden ist, kann die einzelnen Erfolge freispielen, um damit später im Netz vor anderen Spielern angeben zu können.
Gemeinschaft mit Wehmut
Zweifelsohne findet gute Unterhaltung, wer sich allein durch die Kampagne manövriert. Doch ungleich mehr Spaß macht es, sich gemeinsam mit Freunden in das intergalaktische Schlachtgetümmel zwischen den Protoss, Terranern und Zerg zu stürzen. Hier hat Blizzard - zumindest aus Sicht der alten Fans - einen Wermutstropfen hinterlassen. Die einstigen Lan-Partys sind Geschichte. Wer in Gruppen zocken will, kann das nicht mehr im heimischen Netzwerk tun, sondern muss zwangsläufig ins Internet.
Doch das Kräftemessen unter Freunden gehört nach wie vor zu den beliebtesten Elementen des Echtzeit-Strategiespiels. Nicht zuletzt, weil der Wettkampf auch darüber hinaus gehen kann: Nach einer kurzen Qualifizierungszeit werden die Gruppen in eine der fünf Ligen eingestuft. Das eröffnet die Chance, nicht nur gegen die eigenen Freunde anzutreten, sondern sich auch mit fremden Spielern zu messen, die sich auf dem gleichen Spielniveau bewegen. Dafür stehen den Spielern diverse Karten zur Verfügungen, die immer neue Herausforderungen stellen.
Dabei wird auch die neue Komplexität der Fortsetzung deutlich. Jede Einheit hat ihre Spezialfähigkeiten, die sich mit guter Taktik kontern lassen. Wer die drei Rassen und ihre Truppentypen gut kennen gelernt hat, weiß, welche Mannschaft er auf's Feld stellen muss, um den Gegner vom Platz zu räumen. Doch immer ist vorausschauendes Planen notwendig. Wer darauf verzichtet, spielt dem Gegner unnötige Vorteile in die Hand.
Nichts für alte Klitschen
Wer wirklich Spaß am Spiel haben will, sollte derweil zusehen, dass der Rechner modernen Ansprüchen genügt. Das trifft für ausreichend Speicherplatz genauso zu, wie für eine mehr als gute Grafikleistung und einen leistungsfähigen Prozessor. Denn viel zu schnell wird die gut inszenierte Geschichte mit den stimmigen Kulissen zum Nervenkrieg, wenn ewige Ruckelei den Spielfluss hemmt.
Einer der größten Streitpunkte ist die Authentifizierung. Einfach die DVD in das Laufwerk legen und das Spiel installieren, genügt nicht, um sich ins Getümmel zu stürzen. Mindestens einmal muss sich der Spieler mit der Plattform battle.net verbinden, um das Spiel zu registrieren. Das genügt, um in die Einzelspielerkampagne zu starten. Wer sich gemeinsam mit Freunden austoben will, kommt um eine aktive Online-Verbindung nicht herum.
Den Schritt in den Laden erspart Blizzard seinen Spielern. Wer keine Lust hat, Schlange zu stehen und auf die Spieleverpackung im Regal verzichten kann, lädt das Spiel einfach im Internet herunter und zahlt elektronisch.
Fazit: Blizzard Entertainment ist einmal mehr dem eigenen Credo treu geblieben, ein möglichst fehlerfreies Spiel auf den Markt zu bringen. Weder ein Updaten nach der Installation noch auffällige Macken vermiesen den Start in die Geschichte. StarCraft II: Wings of Liberty ist damit ein herausragendes Beispiel für anspruchsvolle Entwicklerarbeit, die nicht mit Halbwahrheiten in den Markt starten will.
Vor allem aber überlässt das Spiel es dem Spieler, Entscheidungen zu treffen, seine Truppe in den Kampf zu schicken, statt ihn mit Automatisierungen zum Zuschauer zu degradieren. Wer gewinnen will, muss zwangsläufig die grauen Zellen einschalten und mit Feingefühl und Taktik agieren. Die Mischung stimmt, die Story ist Klasse, die Abwechslung immer da - so muss ein gutes Strategiespiel sein.
Titel: StarCraft II: Wings of Liberty
Genre: Echtzeit-Strategie
Publisher: Activision-Blizzard
Entwickler: Blizzard Entertainment
Preis: zirka 45 Euro (Collector's Edition: zirka 90 Euro)
Sprache: deutsch
USK: freigegeben ab 12 Jahre
Altersempfehlung der Redaktion: ab 15 Jahre
Plattform: PC
Veröffentlichungsdatum: Juli 2010
Weiterspielen: StarCraft (PC, Mac), Worldshift (PC), Sins of a Solar Empire (PC)
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