Digitale Fahrkarte Das Handy wird zum Zugticket

Wenn das Handy zur Fahrkarte wird (Foto)
Bahnfahren ohne Fahrkarte aus Papier - das sollen elektronische Tickets fürs Handy ermöglichen. Bild: dpa

Im Flugverkehr schon länger üblich, bei der Deutschen Bahn auf dem Vormarsch: Das Handy als Ticket soll im kommenden Jahr in deutschen Zügen alltäglich sein. Verbraucherschützer sind alarmiert. Die Bahn beruhigt: Auch Nicht-Handy-Besitzer werden bedient.

Das Handy vor der Abfahrt an einen Sensor halten und einsteigen. Bahnfahren soll so ohne herkömmliche Zugfahrkarte funktionieren. Geht es nach den Vorstellungen von Bahn-Konzernchef Rüdiger Grube soll dies schon ab kommenden Jahr für die rund fünf Millionen Bahnkunden täglich möglich sein.

Fluggesellschaften haben das Mobilfunktelefon zum bequemen Ticketbuchen und Einchecken bereits entdeckt. Reisen sollen so weiter erleichtert werden. Mit den SB-Angeboten wird der Verbraucher aber stärker eingespannt. Die Konzerne sparen Personal und Kosten, die Kunden oft nur vermeintlich Zeit. Bei Problemen landen sie nicht selten in kostspieligen Warteschleifen irgendwelcher Hotlines.

Verbraucherschützer sind alarmiert

Verbraucherschützer und Gewerkschaften sehen die Entwicklung daher mit Sorge. «Für den Kunden bedeutet der SB-Service, er übernimmt Funktionen, für die er keinen ökonomische Vorteile erhält», heißt es bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Nach dem Reisehandy-Konzept der Bahn soll künftig ein spezielles Programm die besten Verbindungen für die geplante Reise suchen und buchen. Das Ticket wird dann mit Bahnsteignummer und Zuginformationen aufs Handy geschickt. Das wird Reiseantritt dann an ein spezielles Lesegerät, den elektronischen Anmeldepunkt (Touch Point), gehalten.

Auch Umsteigen und zu S-Bahn oder Bus wechseln, funktioniert problemlos. Bei Fahrscheinkontrollen wird das Handy einfach an ein Gerät beim Schaffner gehalten. Seit zwei Jahren probt die Bahn dieses Konzept in Berlin, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Jetzt sucht sie Partner bei den regionalen Verkehrsanbietern.

Nicht-Handy-Besitzer werden auch weiter betreut

Weiterer Schalter und der Abbau von Personal bedinge dieses Konzept nicht, versichert der Konzern. Die 400 Reisezentren und 3100 Bahnagenturen bleiben erhalten. Auch ältere Menschen oder Nicht-Handy-Besitzer müssen nicht fürchten, auf der Strecke zu bleiben. «Das ist erstmal ein Parallelangebot für technikaffine Kunden», betont ein Sprecher.

Fahrkartenschalter würden nicht so schnell verschwinden. Ohnehin will die Bahn bis zum kommenden Jahr die Aufstellung von bundesweit 7000 Fahrkarten-Automaten, die schneller und leichter zu bedienen sind, abgeschlossen haben.

Lufthansa macht es vor

Bei der Lufthansa nutzt mittlerweile die Hälfte der rund 56 Millionen Fluggäste im Jahr den Check-In am Automaten oder über das Internet. Bis 2012 sollen es gut drei Viertel der Passagiere sein. Internetfähige Mobilfunktelefone können schon länger als elektronische Bordkarte genutzt werden. Vor drei Jahren hatte die größte deutsche Fluggesellschaft dies als erste Airline angeboten. Vor allem Geschäftsleute und Vielflieger nutzten das Angebot gerne, sagt Sprecher Jan Bärwalde.

An weltweit mehr als 600 Automaten an gut 65 Standorten können sich Lufthansa-Passagiere selbst einchecken. Die Airline begründet die vermehrte Aufstellung dieser SB-Automaten mit dem immer geringeren Platz, der auf den Flughäfen zur Verfügung steht. Ein Abbau von Personal gehe damit nicht einher, heißt es. Es komme nur zu Verschiebungen. Zudem könne auch künftig bei Problemen am «bemannten Serviceschalter» eingescheckt werden. Außerdem werde es weiterhin Betreuer an den Automaten geben.

Bei der Lufthansa-Tochter Germanwings nutzen gut 40 Prozent der rund sieben Millionen Passagiere die mittlerweile 24 SB-Automaten an den Flughäfen in Köln, Berlin, Hannover, Hamburg und München. Zudem buchten fast 95 Prozent ihr Ticket online. «Das Internet ist unser Supermarkt», betont Sprecherin Angelika Schwaff.

sis/ham/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Dieter Rahnenführer
  • Kommentar 1
  • 16.08.2010 23:06

Was ist, wenn das Handy vergessen wird? Wenn der AkKu schlappmacht ? Wenn das Ticket irrtümlich gelöscht wird ? Wenn ich es umtauschen will? Der nächste Schritt ist die Auflösung der Fahrkartenschalter und die Abschaffung des Zugbegleitpersoanls. Im Speisewgen sind dann nur Automaten, wo der hungrige Fahrgast sein Handy an die Mikrowelle hält, bzw. sein Bier aus dem Automaten bekommt, vorrausgesetzt, er hat sein Handy dabei. Der Lokführer wird auch überflüssig, der Computer regelt die Zugfahrt. Schöne neue Welt ? Nein danke !

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