So., 12.02.12

Flash-Speicher Turbo für den Rechner

Artikel vom 18.07.2010

Kriecht der Rechner wie eine Schnecke, muss nicht gleich ein neuer Prozessor oder mehr Arbeitsspeicher her: Häufig genutzte Anwendungen können auch ausgelagert werden. SSD heißt die Zauberabkürzung. Der Flash-Speicher hilft dem Rechner auf die Sprünge.

Wenn der eigene PC mal wieder nicht schnell genug arbeitet und sich Ladevorgänge ewig hinziehen, wünscht sich der Nutzer, das System aufzurüsten. Bisher galt das Augenmerk dabei dem Prozessor und dem Arbeitsspeicher. Deutlich effektiver kann aber es sein, das System und die Hauptanwendungen auf ein sogenanntes Solid State Drive (SSD) auszulagern.

Das besteht nicht aus einer rotierenden Scheibe samt Lesekopf wie herkömmliche magnetischen Festplatten, sondern aus Halbleiterspeicherbausteinen, genau wie eine Compact-Flash-Speicherkarte für die Digitalkamera. Damit kann die SSD wesentlich schneller auf Daten zugreifen. «Die Wartezeit verkürzt sich erheblich», sagt Boi Feddern von der Zeitschrift c't. Dies mache sich speziell beim Hochfahren bemerkbar.

Teure Geschwindigkeit

Feddern beschäftigt sich seit langem mit dem Thema SSD, Spitzenmodelle würden eine Lesegeschwindigkeit von über 300 Megabyte pro Sekunde erreichen. «Damit kann dieses Speichermedium gut als Ergänzung zu einer zweiten Festplatte dienen», sagt der Experte. Nötig sei allerdings ein Modell mit 80 bis 100 Gigabyte (GB), um etwa mit Windows 7 «halbwegs komfortabel» arbeiten zu können.

Das hat seinen Preis, denn solche Platten kosten rund das Dreifache einer herkömmlichen Festplatte mit bis zu 1,5 Terrabyte Speicher. Konkret schlage eine 80 GB SSD derzeit mit rund 200 Euro zu Buche. Dafür bekommt der Nutzer eine lautlose Technik, die sich nach Angaben von Feddern auch beim Energieverbrauch bemerkbar macht, denn der liegt bei einem Viertel bis einem Drittel von einer normalen Platte.

Zwar sind die Preise für Flash-Speicher in den vergangenen Jahren gesunken, den Durchbruch auf breiter Front hat die Technik jedoch noch nicht geschafft. So finden sich laut Feddern SSDs in aktuellen Standardrechnern der Online-Händler und Elektronikmärkte so gut wie gar nicht, sondern müssen bei Interesse nachgerüstet werden. Im Notebook-Bereich würden die schnellen Laufwerke immerhin im oberen Preissegment optional angeboten.

Hybridfestplatten als Alternative

Ein Zwitter sind die sogenannten Hybridfestplatten, welche in einigen wenigen Notebooks stecken. Sie verbinden die herkömmliche Technik mit einem Flash-Speicher. Das System erkennt anhand der Nutzergewohnheiten, auf welche Programme besonders oft zugegriffen wird und kopiert diese Daten in den Bereich des Flash-Speichers.

So zukunftsträchtig die Technik auch sein mag, Experten erwarten frühestens 2012 den Durchbruch der SSD. Derzeit sind die Preise für die Speicherchips zu hoch und entsprechende Controller müssten noch ausgereifter werden. Ein konkreter Zeitpunkt sei derzeit «schwer abschätzbar, weil die Speicherpreise momentan sogar etwas nach oben gegangen sind». Zwar hätten einige Hersteller für Ende des Jahres Modelle mit mehr Speicher angekündigt, ob dann die derzeitigen Modelle preiswerter werden, sei offen.

Wer schon jetzt von der schnellen Technik profitieren will, muss sich in Geduld üben. Denn wegen der starken Nachfrage nach Speicherchips können derzeit einige Hersteller wie etwa Intel oder Ingram Micro nicht liefern.

sis/ham/news.de
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