So., 12.02.12

Apple Krumme Geschäfte im App Store

Artikel vom 07.07.2010

7000 Dollar für Apps, eine manipulierte Bestenliste und unkonkrete Rechtfertigungen: In Apples App Store ist es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Ist der Marktplatz doch nicht so sicher wie gedacht?

Das musste einfach auffallen: Unter den 50 meistgekauften Büchern in Apples App Store für iPhones und iPads stammten auf einmal mehr als 40 Apps von einem einzigen Entwickler. Zeitgleich häuften sich Berichte von Nutzern über hohe Rechnungen für Käufe bei iTunes, von denen sie nichts wussten - zum Teil über mehrere hundert Dollar. Das Wall Street Journal berichtete sogar von einer Frau, die plötzlich 7000 Dollar für iPad-Apps bezahlen sollte. Doch ein solches Gerät besitzt sie gar nicht.

Laut Apple waren 400 der inzwischen rund 150 Millionen Kunden im Online-Store iTunes betroffen - ein Anteil von weniger als 0,0003 Prozent, wie der Konzern vorrechnete. Was genau passiert ist, bleibt jedoch unklar. Apple gibt sich bei der Aufklärung wie üblich bedeckt.

Apple hält sich bedeckt

Klar ist soweit Folgendes: Ein Entwickler namens Thuat Nguyen wurde von dem Konzern aus dem App Store herausgekickt - weil er gegen die Verträge mit Apple verstoßen habe, inklusive «betrügerischer Kauf-Modelle». Zugleich betonte Apple ausdrücklich, es sei nicht auf iTunes-Server eingebrochen worden, und die Entwickler bekämen auch keinen Zugang zu vertraulichen Nutzer-Informationen, wenn eine App heruntergeladen wird.

Andererseits empfiehlt der Konzern allen Kunden, ihr iTunes-Passwort zu ändern und ihre Bank zu kontaktieren, falls sie Unregelmäßigkeiten entdecken. Auf eine Anfrage zu Details und Mechanismen der krummen Geschäfte wollte sich Apple am Mittwoch nicht äußern - zum Beispiel, ob unter den 400 betroffenen Kunden auch Nutzer aus Deutschland waren.

Geschäftsmodell funktioniert nur mit Vertrauen

Die Geschichte beleuchtet einen kritischen Punkt in Apples erfolgreichem Geschäftsmodell iTunes: Die Plattform steht und fällt mit dem Vertrauen der Nutzer. Wer in Apples Multimedia-Supermarkt shoppen geht, hinterlegt bei dem Konzern seine Kreditkarten-Nummer. Für den Kauf von Apps oder Filmen genügt es, ein Passwort einzutippen. Künftig sollen Nutzer bei Einkäufen häufiger auch nach der Sicherheitsnummer auf der Rückseite ihrer Kreditkarte gefragt werden, kündigte Apple an.

iTunes beziehungsweise App Store sind für Apple von strategischer Bedeutung. Letztlich war genau dies das Neue, womit der Konzern von Steve Jobs den Handy-Markt revolutionierte. Mit dem Programm-Marktplatz für das iPhone ist das Handy endgültig kein reines Telefon mehr, sondern ein Multifunktionscomputer mit Spielen, Musik, einer Nachrichtenzentrale und vielen anderen Hilfsprogrammen. Es ist ein Milliardengeschäft.

Das App-Store-Modell hat sich in der Mobilfunk-Branche durchgesetzt. Die Allianz um das Google-Betriebssystem Android geht ebenfalls diesen Weg. Selbst Handy-Weltmarktführer Nokia versucht es, wenn auch mit überschaubaren Erfolg. Apple hat in diesem Wettbewerb bisher die Nase vorn: Mehr als 200.000 der kleinen Programme sind verfügbar, sie wurden inzwischen mehr als fünf Milliarden Mal heruntergeladen. Die meisten sind kostenlos, bei Bezahlprogrammen landen 30 Prozent der Erlöse in der Apple-Kasse.

Effizienz des Prüfverfahrens steht in Frage

Bisher warb Apple um das Vertrauen der Kunden auch damit, dass im Gegensatz zum konkurrierenden Android-Marktplatz keine App ungeprüft auf die Kunden losgelassen werde. Das führte auch zu Konflikten mit Entwicklern, die Apple zum Teil Zensur und Willkür vorwarfen oder zu lange Wartezeiten beklagten.

Apple-Chef Steve Jobs betonte kürzlich jedoch, 95 Prozent der Programme würden innerhalb einer Woche geprüft. Nach dem jüngsten Betrugsfall kommt nun die Frage auf, wie effizient ein solches Verfahren angesichts der stetig zunehmenden Software-Flut an Apples Schleusen sein kann.

sis/ham/ivb/news.de/dpa
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