Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber - 06.07.2010, 16.42 Uhr

Ergonomische Geräte: Tippen mit Schwung

Zum PC mitgelieferte Tastaturen und Mäuse sind Krankmacher - sie zwingen den Körper in eine unbequeme Lage. Das muss nicht sein, denn längst gibt es Geräte, die die natürliche Körperhaltung unterstützen.

Eine ergonomische Tastatur lohnt sich meist nur für Menschen, die das Zehnfingersystem beherrschen. Bild: iStockphoto

Ergonomische Eingabegeräte für den PC sind selten in deutschen Büros und Arbeitszimmern. Sie sind Exoten, die aber eigentlich schon längst alltäglich sein sollten. «Herkömmliche Tastaturen und Mäuse sind Krankmacher», sagt Dr. Ahmet Çakir vom Institut für Arbeits- und Sozialforschung in Berlin.

Dass sich ihre ergonomischen Kollegen nicht durchgesetzt haben, ist für den Experten nicht verwunderlich, denn die normalen Krankmacher würden mittlerweile standardmäßig zu jedem PC ausgeliefert: «Für ein ergonomisches Gerät muss aber bewusst Geld investiert werden.» Im Prinzip hätten gerade die Tastaturen aufgrund des starken Preisverfalls auch eine rückwärtsgerichtete Entwicklung durchgemacht. Tatsächlich hätte es gute ergonomische Modelle schon bei den ersten Schreibmaschinen von IBM gegeben.

FOTOS: Ergonomische Geräte Kompakt, flach, gesund

Maus gegen Tablett

Computermäuse seien hingegen in ihrer jungen Geschichte noch nie ergonomisch gewesen. Mit brennenden Schmerzen in Hand und Unterarm macht sich der Mausarm - medizinisch auch Repetitives Strain-Injury-Syndrom genannt - bemerkbar. «Der Mausarm entsteht durch eine Fehlbelastung. Wer mit der Maus arbeitet, macht viele kleine, gleichartige Bewegungen, der Muskel möchte jedoch eigentlich mehr Bewegung haben», erklärt Dietrich Bornemann, Facharzt für Orthopädie in Berlin.

«Bei der herkömmlichen Maus muss die Hand nach innen verdreht werden, um das Gerät greifen zu können», erklärt Çakir. Ein gesünderes Eingabegerät seien beispielsweise Mäuse, die wie ein Joystick gehalten werden. Diesen Werkzeugen steht Dr. Ulrike Hoehne-Hückstädt vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (Ifa) aber eher skeptisch gegenüber: «Wie gut sie eine Hand-Arm-Abstützung auf dem Arbeitstisch ermöglichen, ist sehr abhängig von der Handgröße. Die Bedienbewegungen erfolgen hier eher von Arm und Schulter - somit werden Probleme nur verlagert.»

Eine Alternative seien Mäuse, die sowohl von Links- als auch von Rechtshändern bedient werden können, da die Belastungen so abwechselnd auf beide Hände übertragen werden kann.

Grundsätzlich sollte eine Maus handgerecht geformt sein, ergänzt Hoehne-Hückstädt. Dazu zählen auch die leicht seitlich geneigten Modelle. «Während kurzer Bedienungspausen sollte der Unterarm locker auf dem Tisch und die Hand locker auf dem Gerät aufliegen können. Muskeln sollten nur angestrengt werden, wenn es für die Positionierung der Maus oder die Betätigung ihrer Tasten erforderlich ist.»

Çakir empfiehlt aber den Komplettumstieg: «Besser ist es, die Maus gegen ein Tablett auszutauschen.» Dieses Zeigegerät wird mit einem Stift bedient und sendet Befehle an den Computer weiter. Schließlich ließen sich auch viele der typischen Mausbefehle auch dank einfacher Tastenkombinationen auf der Tastatur ersetzen.

Kompakt und flach muss die Tastatur sein

Wer nicht auf die Maus verzichten kann, der sollte auch darauf achten, dass sie die richtige Position neben der Tastatur einnimmt. So empfiehlt beispielsweise der BGIA-Report ergonomische Anforderungen an Eingabemittel für Geräte der Informationstechnik BGIA-Report 3/2008 vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung , die Maus bei einer herkömmlichen Tastatur mit 10er-Ziffern-Block mit der linken Hand zu bedienen, um eine Neutralhaltung des Oberkörpers nicht zu beeinträchtigen.

«Empfehlenswert ist es auch, zu kompakten Tastaturen ohne Nummernblock zu greifen. Denn je breiter die Tastatur, desto weitere Wege muss auch der Arm zurücklegen, der die Maus bedient - das kann zu Problemen in Schulter, Nacken und Rücken führen», sagt die Expertin.

Sinnvoll sei es auch, mit einer möglichst flachen Tastatur zu arbeiten, so dass der Arm locker auf dem Tisch aufliegen könne. Eine angewinkelte Stellung im Handgelenk sollte dabei vermieden werden. Flache und kompakte Tastaturen sind für viele Menschen sogar besser geeignet als spezielle ergonomische Modelle.

«Als ergonomisch bezeichnete Tastaturen haben oft eine zweigeteilte Tastenfläche und sind zeltförmig gebogen. Die Hände nehmen so eine lockere und natürliche Haltung ein. Gerade Menschen, die viel tippen und das Zehnfingersystem beherrschen, empfinden das als sehr angenehm», erklärt die Expertin. Alle anderen fliegen erst einmal blind und brauchen eine lange Eingewöhnungszeit: «Bei der Umstellung auf eine ergonomische Tastatur kann die Leistungsfähigkeit bis zu zwei Wochen lang beeinträchtigt werden», sagt Çakir.

Vor dem Kauf einer Tastatur oder Maus sollte es deshalb nicht um den Preis gehen, sondern um das Gefühl. Çakir rät dazu die Geräte im Laden ausführlich zu testen und zu spüren, ob sie angenehm in der Hand liegen. Auch Hoehne-Hückstädt vertritt diese Ansicht: «Denn entscheidend dafür, mit welchem Gerät man arbeiten kann, sind neben den spezifischen Arbeitsaufgaben auch persönliche Gewohnheiten und damit eine ganz individuelle Angelegenheit.»

juz/ivb/news.de/dpa

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