Fernsehen im Netz Dreh doch mal den Browser leiser!

Mediatheken (Foto)
Mediatheken machen es möglich: Mit ihnen kann der Nutzer selbst entscheiden, welches Programm wann läuft. Bild: iStockphoto (Montage news.de)

Von news.de-Mitarbeiter Karsten Busch
Lieblingssendung verpasst? Der Partner belagert samt Freundeskreis den Fernseher im Wohnzimmer? Das Internet springt in die Bresche - mit dem Online-Fernsehen auf Abruf.

Seit Jahren schwärmen Fernsehmacher von der Vision des flexiblen Fernsehprogramms nach eigener Zusammenstellung – sehen was man will und wann man will. Bezahlsender wie Sky streben das mit einer riesigen Programmvielfalt und aufwändiger Technik an. Moderne TV-Empfänger für den Fernseher (Set-Top-Boxen) oder der Computer können längst zeitversetzt aufnehmen (sogenanntes Time Shifting) und damit sogar für eine Toilettenpause im Tatort sorgen. In den USA materialisierte sich die Vorstellung vom maßgeschneiderten Fernsehen im Tivo-System.

Doch die einfachste Form des individuellen Fernsehprogramms ist längst da und wird von den Deutschen gerade während der WM ausgiebig genutzt: das Internetfernsehen. Genauer gesagt: Internet-Mediatheken, die ihre Sendungen ganz einfach über den Webbrowser ausliefern. Im Gegensatz zum Live-Stream, der lediglich das klassische TV-Programm ins Internet überträgt, ist der Zugriff auf Sendungen und einzelne Folgen einer Serie jederzeit möglich – «Video on Demand» heißt das im Medienjargon.

Fernsehen auf Abruf bei den Sendern

Spätestens damit ist die medienwissenschaftliche Frage, wie viel Flexibilität die Fernsehzuschauer überhaupt wollen oder vertragen, zu einer ganz individuellen geworden. Denn der Nutzer vor dem Schirm hat immer die Wahl – Fernsehen nach Programm und einfach mal Zappen, oder im Katalog der verfügbaren Sendungen stöbern. Das geht mittlerweile bei allen großen deutschen Sendern und auch bei den kleinen Dritten. Speziell die Mediatheken von ARD und ZDF dürften inzwischen vielen Deutschen ein Begriff sein.

Eine Übersicht über die verfügbaren Angebote der Sender liefert zum Beispiel IPTV.info. Der Begriff IPTV steht übrigens für internetbasiertes Fernsehen allgemein, die Mediatheken sind nur eine Form davon. Ganz ähnlich wie diese funktionieren auch die diversen Onlinevideotheken. Diese arbeiten aber teils mit Verfallsdaten für gekaufte Filme, benötigen eine Anmeldung und müssen bezahlt werden. Letzteres muss aber auch tun, wer exklusive TV-Inhalte will. Bei RTL und Vox greift zum Beispiel derjenige in die Tasche, der die Folgen seiner Lieblingsserie schon vor der Ausstrahlung im klassischen Programm sehen will. Generell gilt auch: Nicht das gesamte Programm ist online zu finden - auch nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Gute Qualität – wenn die Technik nicht streikt

Die technischen Anforderungen für das Internetfernsehen könnten einfacher nicht sein: Eine schnelle Internetverbindung ab zwei Mbit (DSL 2000), besser mit sechs und mehr; ein aktueller Webbrowser (Internet Explorer, Firefox, Safari), ein halbwegs moderner Computer mit dem aktuellen Flash-Player von Adobe (Version neun und höher) und los geht’s. Die Qualität der Angebote ist dem herkömmlichen Analogfernsehen ebenbürtig, mit einer schnelleren Leitung wird es schärfer und besser. Bei den Privaten muss für höhere Qualität aber teils schon wieder ins Portemonnaie gegriffen werden. Echte HD-Qualität, wie sie etwa bei Youtube-Videos immer öfter zu sehen ist, wird jedoch bislang nirgends erreicht.

Doch da kommt das «eigentlich» ins Spiel. So einfach der Empfang in den meisten Fällen sein sollte, so gern liegt die Tücke im Detail. Probleme kann es zum Beispiel geben, wenn der Internetanschluss trotz allem nicht schnell genug ist – etwa am Arbeitsplatz oder durch Mitnutzer in der WG. Dann hilft unter Umständen ein Klick ins Einstellungsmenü, in welchem eine niedrigere Bandbreite für die Datenübertragung passend zum Anschluss gewählt werden kann. Das funktioniert bei ARD und ZDF, nicht aber bei RTL und Vox, wo kostenlos sowieso nur die niedrigste Datenrate und Qualität gesendet wird. Klemmt es dennoch, hilft nur: Platz in der Leitung schaffen oder diese aufrüsten.

Hilfe zu den nötigen Einstellungen gibt es bei allen TV-Anbietern über das gleichnamige Menü, dort finden sich auch die jeweiligen technischen Voraussetzungen zum Schauen. Der Blick auf diese kann sehr aufschlussreich sein, denn nicht jeder Dienst unterstützt automatisch die neueste Ausstattung. Sat.1 etwa kann demnach den Internet Explorer 8 und Safari 3 nicht bedienen. Der Sender geht umständlicherweise auch sonst eigene Wege und verlangt vom Nutzer die Installation eines speziellen Players, für bessere Qualität, wie es heißt. Ohne gibt’s auch mit dem neuesten Flash-Player nichts zu sehen.

Positiv dagegen: ZDF und ARD bieten Alternativen zur Wiedergabe via Flash-Player. Beim ZDF gibt es gar eine HTML-Version der Mediathek ohne Flash. Dort laufen die Inhalte in Medienplayern wie dem von Windows oder in Apples Quicktime an. Wer sich per Rechtsklick den Link zur Sendung kopiert, kann diesen auch in anderen Playern nutzen - etwa dem beliebten VLC. Das kann dort sehr hilfreich sein, wo Flash, Browserfernsehen oder Medienplayer tabu sind, zum Beispiel für das WM-Spiel am Arbeitsplatz. Das letzte Wort hat dort aber immer der Administrator aus der IT-Abteilung.

ham/kat/ivb/news.de