Mo., 13.02.12

Jugendschutz online «Eine technische Sperre wäre das Aus»

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 12.08.2010

Beim Jugendschutz ist Deutschland rigoros. Lediglich Onlinespiele waren bislang ein blinder Fleck. Eine Gesetzesnovelle soll das ändern. News.de spricht mit Birgit Roth vom Spieleanbieter Bigpoint über die Folgen für die Branche.

Frau Roth, welche Probleme haben Anbieter von Browser- und Clientgames, zu denen auch Bigpoint gehört, derzeit in Sachen Jugendschutz?

Roth: Grundsätzlich hat Bigpoint keine Probleme mit den rechtlichen Vorgaben in Deutschland. Im Gegenteil, wir als Medienunternehmen sind uns unserer Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen bewusst. Aufgrund der aktuellen, technischen Entwicklungen ist der Gesetzgeber mit Browsergames ohne Download konfrontiert, die von beiden Bereichen Elemente in sich vereinigen - dementsprechend tobt ein Kampf um die Zuständigkeiten. Wir halten die Unterteilung in Onlinespiele mit Download und ohne Download für absurd. Wir erwarten vom Gesetzgeber eine pragmatische Lösung, einen Ansprechpartner für alles.

Wie betreibt Bigpoint bislang Jugendschutz bzw. wie verhindern Sie, dass junge Leute, die unterhalb der Altersausrichtung liegen, Ihre Spiele spielen?

Roth: Bigpoint bietet ein großes Angebot von Spielen auf seiner Plattform ausschließlich in den Alterskategorien 0, 6 und 12. Daher müssen wir keine Einschränkungen vornehmen. Die Entwicklungen der nächsten Monaten werden für Bigpoint allerdings sehr spannend. Wir werden ein neues Actionspiel für den 16 Bereich präsentieren, bei dem wir neue Maßstäbe im Bereich Browsergames setzen werden. Hier sehen wir die Vorteile, die uns die aktuelle Gesetzesnovellierung bietet und nehmen die Option der Alterskennzeichnung durch ein zur Verfügung gestelltes Selbstklassifizierungstool der Freiwilligen Selbstkontrolle auf.  

Was halten sie von einer Aussperrung von Spielern, durch die Abfrage der Personalausweisnummer?

Roth: Überhaupt nichts! Die Vorschaltung einer technischen Sperre wäre das Aus für das Geschäftsmodells von Bigpoint in Deutschland, machen wir uns doch nichts vor. Für 16er Spiele halten wir das für einen eklatanten Wettbewerbsnachteil deutscher Anbieter. Wir reden in keiner Art und Weise von indizierten Inhalten oder gar Pornografie - hier halten wir eine Vorsperre für absolut berechtigt. Wir machen uns stark für Action- und Adventurespiele sowie andere Genre, die geeignet für Jugendliche ab 16 sind.

Pegi oder USK? Welches schützt aus ihrer Sicht effizienter?

Roth: Wir halten beide Systeme für effektiv. USK ist ein rein deutsches System, Pegi hingegen europaweit zu finden. Im Sinne des Verbrauchers und für die Vergleichbarkeit der Inhalte machen wir uns für ein einheitliches europäisches System stark. Entscheidend ist, dass die Verbraucher auch darüber informiert werden, das Medienkompetenzprojekte angeboten werden, nicht nur für Kinder- und Jugendliche, insbesondere auch für Eltern. Aktuell läuft die Debatte den national erfolgreichen Systemen wie USK und dem europäischen System Pegi ein verbindendes Element, ein globales Dach zu geben. GAM (Global Alliance Matrix) ist hierbei zu nennen. Wir finden, dass es einen Versuch wert ist.

Was taugt die sogenante Selbstklassifizierung, mit der die Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages im Januar 2011 eingeführt werden soll und wie wird Bigpoint damit umgehen?

Roth: Bigpoint wird die angebotenen Tools zur Selbstklassifizierung anwenden. Wir produzieren Spiele und kennen sie am besten, warum sollen wir nicht nach medienpädagogischen Vorgaben auch in der Lage sein, eine Selbstklassifizierung durchzuführen? Uns als Anbieter wird wieder mehr Verantwortung übertragen. Wir sehen in der Entwicklung eine Erleichterung. Die Novellierung beeinhaltet eine Reihe praxisnaher Vorschläge, die geeignet sind, das Jugendmedienschutzniveau auf pragmatische Art und Weise zu erhöhen. Wir gehen davon aus, dass zeitnah ein Jugendschutzsystem anerkannt werden kann und sind auch zur Mithilfe bereit.

Wer blockiert aus ihrer Sicht den effektiven Jugendschutz bei Video- und Onlinespielen?

Roth: Problematisch sind zum Beispiel unseriöse Angebote aus dem Ausland - deutsche Anbieter stehen (fast ausschließlich) für einen effektiven Jugendmedienschutz. Bigpoint hat entschieden, die Plattform bereits vor Inkrafttreten der Gesetzesnovelle technisch altersdifferenziert auslesbar zu machen. Wir führen Gespräche mit anderen Anbietern von Browsergames das technische Tagging ebenfalls frühzeitig anzuwenden und bieten auch bei der Weiterentwicklung des Jugendschutzsystems unsere Unterstützung - das ist unser Weg.

Sind Spiele ein Kulturgut?

Roth: Die virtuelle Welt gehört zum Leben im 21. Jahrhundert einfach dazu. Millionen von Menschen aller Altersklassen spielen im Internet und Onlinespiele stellen einen wichtigen Bestandteil der Freizeitkultur dar. Onlinespiele sind ein Kulturgut, ein förderungswürdiges Gut, dass Film, Fernsehen und Buch in nichts nachsteht.

sis/news.de
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