Zukunftsfernsehen Digital senden, analog sehen

Analoge Satelliten-Übertragung endet 2012 (Foto)
Wer sein Fernsehprogramm über Satellit noch analog empfängt, sollte sich in den kommenden zwei Jahren einen Digitalempfänger kaufen. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann, Leipzig
Größer, flacher, schärfer - seit Jahren geistert das Schlagwort «Digitalfernsehen» durch die privaten Haushalte. Flächendeckend digitalisiert ist der Verbraucher allerdings noch nicht. Obwohl das analoge Fernsehen 2012 abgeschaltet werden soll.

Die analoge Bequemlichkeit weicht nur langsam hochqualitativen Bildern. Was den einen zu teuer, ist den anderen der Informationsmangel, der der Verbreitung des HDTV als Massenware noch immer im Weg steht.

Doch die letzte Runde ist eingeläutet. Das Aus analoger Signale steht fest: Am 30. April 2012 ist Schluss. Dann soll via Satellit nichts mehr ausgestrahlt werden, das nicht dem neuen Standard entspricht.  Das hat auch große Bedeutung für das Kabelnetz, in das diese und die Satellitenbetreiber ihre Fernsehsignale einspeisen. 

Zwei Jahre Zeit bleiben also noch, in denen die Netzbetreiber ihre Infrastruktur modernisieren können. Betroffen von der Analogabschaltung sind vor allem die Kabelkunden - insbesondere jene, die über die Wohnungswirtschaft versorgt werden, denn hier hat die Modernisierung der Versorgungsnetze erst begonnen. Noch immer gebe es Wohnungswirtschaftler, die verbreiteten, dass analoge Signale auch künftig zur Verfügung stehen und sich die Endkunden keine Sorgen darum machen müssten, sagt Michael Albrecht, DVB-Koordinator der ARD, beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland. 

Doch die Fernsehsender haben unter analog einen Schlussstrich gezogen. Das gilt für die ARD wie für RTL. Ab dem Stichtermin wollen die Sender nur noch digital senden.

Re-Analogisierung: Einen Schritt vor, einen zurück

Blüht der analogen Röhre also das gleiche Schicksal wie der Glühbirne? Nicht ganz. Zwar ist die Anschaffung von Digital-Technik ähnlich den Energiesparlampen ungleich teurer und es könnte nicht wenig Verweigerer geben. Doch Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland wollen die HDTV-Linie nicht strikt vollziehen. So deutete Harald Flemming, bei Kabel Deutschland zuständig für die Inhalte des Free-TV, in Leipzig an, dem Kunden entgegenkommen zu wollen. Auch wenn das heiße, digitale Signale zu re-analogisieren - also die bessere digitale Qualität wieder in analoge Signale für alte Geräte zu wandeln.

Die Fernsehsender weigern sich, für die sogenannte Re-Analogisierung auch nur einen Cent zu bezahlen. «Für uns ist das nicht von Interesse», so Albrecht. Die ARD überlasse diese Aufgabe jenen, die das Programm einspeisen.

Dass das Verfahren nicht kostengünstig wird, schwebte beim Medientreffpunkt im Raum. Gleichwohl waren weder Sender noch Kabelnetzbetreiber bereit, mit brauchbaren Zahlen zu hantieren. Fest steht: Die zusätzlichen Kosten dafür könnten beim Endverbraucher landen. Vor allem, wenn sich die Wohnungswirtschaft hierzlande nicht umstellt.

«Es ist einfach nicht sinnvoll, eine gute Technik in eine weniger gute zu transformieren», betont Dietmar Schickel von Tele Columbus. Doch klar ist auch: Es reicht nicht, Digitalfernsehen schlicht nur anzubieten. «Der Wechsel im Kopf des Kunden muss her. Dort müssen wir die Vorteile erklären, statt Geld darin zu investieren, dass die Leute am Alten festhalten», fordert Stefan Hermes von Eutelsat. Über Re-Analogisierung zu sprechen, heiße, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Steinzeit erhalten werden könne.

Von einem Modell aber, wie es Medienmogul Rupert Murdoch in Großbritannien praktiziert hat, wollen die deutschen Kabelnetzbetreiber nichts wissen. Set-Top-Boxen kostenlos zu verteilen, wie dort siebenmillionenfach praktiziert, sei hierzulande nicht praktikabel. Obgleich das der Verbreitung von HDTV einen enormen Schub verleihen könnte.

«Auch wenn Deutschland, was die Digitalsierungen angeht, europaweit mit ganz hinten liegt, können wir eine solche Investition nicht leisten», lehnte Stefan Hermes von Eutelsat den Vorschlag rundheraus ab. Was man sich aber vorstellen könne, seien Finanzierungsmodelle, konkret: Der Kunde kauft die nötige Technik auf Raten.

Von Pay-TV bis Zwangswerbung

Digital empfangen zu können, ist jedoch nur ein Problem, mit dem sich der Zuschauer in Zukunft auseinandersetzen wird. Denn eine Schwarzmalerei des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, wonach die Privatsender HDTV nur nutzen, um Pay-TV in Deutschland flächendeckender zu verbreiten, haben Sender- und Kabelnetzvertreter in Leipzig nicht entkräftet.

Nur bei ARD und ZDF ist klar, dass sie ihre HD-Programme auch in Zukunft - abgesehen von der üblichen Rundfunkgebühr - kostenfrei anbieten wollen. Davon hat RTL beispielsweise mit hochauflösenden Angeboten wie RTL Crime längst Abschied genommen. Und im werbefinanzierten Fernsehen kommt außerdem hinzu, dass das Interesse der Zuschauer, zeitunabhängig Sendungen zu schauen oder bei diesen die Werbung auszublenden, bei den Sendern nicht gern gesehen wird. Denn damit lassen sich Werbeplätze immer schlechter verkaufen.

Klar sei schon jetzt, dass es den Werbekunden egal ist, ob deren Produkte in HD oder SD ausgestrahlt werden. «Für HD werden die Werbenden keinen Cent mehr ausgeben», stellte Flemming klar. «Deshalb sind für uns die Analog-Kunden genauso wichtig wie die HD-Kunden.»

sis/kab/reu/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • viech666
  • Kommentar 1
  • 04.05.2010 13:25

Na zum Glück gibt es ja noch andere Freizeitbeschäftigungen als Fernsehen. Wenn aus der guten Röhre nichts mehr kommt ist eben Schluß mit Glotzen. Nicht daß ich was gegen Flachheimer hätte, aber es ist einfach nicht sinnvoll, viel Geld in ein Gerät zu stecken, mit dem man dann nur noch kostenpflichtig (abgesehen von den ÖR) schauen kann. Das Geld haben wir NICHT übrig und das ist mir das Programm auch nicht wert.

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