Ortungsdienste Gläserne Freunde

Ortungsdienste wissen genau, wo sich die eigenen Freunde gerade herumtreiben. Und nicht nur das: Besonders aktive Nutzer belohnen Friendticker und Co. auch schon mal mit dem Präsidententitel.

Foursquare (Foto)
Eine Mischung aus Freunde-Radar und virtuellem Gewinnspiel: der Ortungsdienst Foursquare. Bild: dpa/ foursquare.com

Ein Kneipenbesuch ist eigentlich eine sehr untechnische Angelegenheit. Man verabredet sich, trifft sich, setzt sich hin und redet. In Zeiten multifunktionaler Mobilgeräte kann das aber auch ganz anders aussehen. Denn Nutzer von Ortungsdiensten wie dem amerikanischen Foursquare oder dem deutschen Friendticker checken sich ersteinmal per Smartphone-App in das Lokal ein. Diese Information geht dann direkt an die Freunde in der Friendticker- oder Foursquare-Community.

Es sei für sie mittlerweile ganz selbstverständlich, dass der erste Griff nach dem Hinsetzen in einer Kneipe erst einmal zum Mobiltelefon gehe, sagt Romy Mlinzk, eine Friendticker-Nutzerin aus Hamburg. Ihr geht es darum, «neue Locations kennenzulernen» und Punkte zu sammeln, die für jedes Einchecken angerechnet werden. Also auch um einen gewissen Wettbewerb, ein «kleines Duell mit Freunden», wie die 29-Jährige sagt. Denn wer sich am häufigsten an einem Ort aufhält, kann der sogenannte Präsident dieses Ortes werden. Mlinzk ist wie viele andere Nutzer mehrfache Präsidentin - unter anderem von einigen Bahnhöfen und dem Parkplatz eines Supermarktes.

Gutscheine für regelmäßige «Einchecker»

«Natürlich gibt man dabei ein gewisses Maß an Persönlichkeit preis und wird etwas durchsichtiger», räumt Mlinzk ein. Allerdings müsse man ja nicht jeden in seine Freundesliste aufnehmen. Sie zum Beispiel kenne zumindest die meisten ihrer Freunde persönlich.

Vor allem für Lokale sind solche Dienste kostenlose Werbung, schließlich sind häufige Besuche in einem Restaurant oder einer Kneipe auch irgendwie Empfehlungen. Einige Betriebe nehmen diese Plattform auch schon so ernst, dass sie Nutzer, die besonders häufig bei ihnen einchecken, mit Gutscheinen belohnen.

Das Interesse der Firmen ist laut Friendticker-Geschäftsführer Florian Resatsch steigend - zehn sind es, die im Moment bei ihm solche Boni anbieten. Jeden zweiten Tag komme ein neuer Unternehmenspartner hinzu. Wie viele Nutzer der in Berlin ansässige Dienst derzeit hat, will der 35-Jährige unter Verweis auf die erst vor rund zwei Wochen erfolgte Live-Schaltung nicht sagen.

Bisher gibt es keine datenschutzrechtlichen Bedenken

Resatsch versichert, dass die Nutzerdaten nicht an Dritte weitergegeben werden. «Es sei denn, jemand will einen Gutschein einlösen, dann müsste der Nutzer sich bei der ausgebenden Firma anmelden.» Dass ein Nutzer mehr von sich preisgibt, als er eigentlich will, das könne bei Friendticker nicht passieren. Davon abgesehen benutzten die meisten Pseudonyme und jeder könne ja selbst entscheiden, ob er seinen Aufenthaltsort bekannt gebe oder nicht.

Falk Lüke vom Projekt «Verbraucherrechte in der digitalen Welt» beim Verbraucherverband Bundeszentrale sieht zumindest im Moment aus datenschutzrechtlicher Sicht keine größeren Probleme. «Heikel wird es erst, wenn jemand dazu verleitet wird, Daten von sich preiszugeben, die er eigentlich gar nicht preisgeben will», sagt er. Derzeit seien die Ortungsdienste aber so konzipiert, dass nichts ohne die Zustimmung des Nutzers passiere.

Zur Vorsicht mahnt Lüke allerdings bei der Verknüpfung mit anderen Plattformen wie Twitter oder Facebook. Vor allem bei Facebook geben manche Nutzer eben nicht Pseudonyme, sondern ihren richtigen Namen an - und wären damit unter Umständen auch für einen größeren Personenkreis sichtbar.

Ob Ortungsdienste seiner Einschätzung nach der nächste große Wurf in der digitalen Welt werden - diese Frage vermag Lüke noch nicht zu beantworten. «Im Moment ist das eher etwas für die technische Avantgarde», sagt er.

sis/kab/ivb/news.de/ddp

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig