Calgon Die Angst vor der Härte 

Verkalkter Heizstab in der Waschmaschine (Foto)
Sind Kalkablagerungen heute wirklich noch so gefährlich für Waschmachinen? Bild: iStockphoto/ news.de(montage)

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Waschmaschinen leben länger mit Calgon: Werbemythos oder Tatsache? Ist der Einsatz des berühmten Wasserenthärters wirklich sinnvoll? News.de hat nachgeforscht.
 

Verkalkte Heizstäbe, Lochfraß, undichte Waschmaschinen, überflutete Häuser - Weltuntergang. Und zum Schluss der gut gemeinte Rat vom Waschmaschinen-Monteur: «Nicht vergessen: Calgon bei jeder Wäsche.» Seit Jahrzehnten bringt die Calgon-Werbung wahre Horrorszenarien auf den heimischen Bildschirm. Wer hat danach nicht wenigstens ein bisschen Panik bekommen, dass der Lochfraß auch die eigene Waschmaschine und damit einen großen Teil der eigenen Wohnung zugrunde richten könnte. 

Keine Frage, diese Werbung hat Eindruck gemacht und zwar so sehr, dass schon berühmte Westcoast-Rapper wie Dr.Dre, Snoop Dogg oder die Eastcoast Rapper vom Wu-Tang Clan in ihren Texten über die berauschende Wirkung des Wasserenthärters philosophiert haben. Doch jenseits dieser künstlerischen Auswüchse stellt sich die Frage, ob Calgon mehr ist als eine Inspirationsquelle für Rapmusiker.

Energieeffizienz
Energieeffizientes Waschen

Die Zeit überholt das Problem

Zunächst einmal ist Calgon ein Wasserenthärter, der zusätzlich zum Waschmittel in die Wäsche gegeben wird, um Kalkablagerungen vorzubeugen. Denn je härter das Wasser, desto mehr Calcium- und Magnesiumionen sind darin enthalten. Diese sogenannten Härtebildner sorgen dafür, dass sich nahezu wasserunlöslicher Kalk bildet. Dieser kann eben jene Probleme verursachen, die beispielsweise in der Calgon-Werbung beschrieben werden.

«Kalkablagerungen sind heute kein großes Problem mehr bei Waschmaschinen. In modernen Waschmitteln sind sogenannte ZeolitheZeolithe sind Chemikalien, die zur Wasserenthärtung eingesetzt werden. enthalten, die dafür sorgen, dass es nicht dazu kommt,» schränkt Professor Rainer Stamminger von der Sektion für Haushaltstechnik an der Universität Bonn ein.

Calgon
Mythos oder Wundermittel?
Video: Unitec

«Da hartes Wasser zu Problemen beim Waschen führt, sind zusätzliche Vorsorgemaßnahmen nötig. Entweder man gibt, entsprechend der Dosierungsanleitung auf der Packung, mehr Waschmittel in die Maschine,oder einen zusätzlichen Wasserenthärter», erklärt Professor Stamminger. Er spricht bereits ab 14 Grad deutscher Härte von hartem Wasser. Das Forum Waschen hingegen, ein Zusammenschluss mehrerer Akteure - darunter auch die Universität Bonn, die Verbraucherzentralen oder die Stiftung Warentest - rät nur in Ausnahmefällen, also ab 30 Grad deutscher Härte zu zusätzlichen Wasserenthärtern.

Drum prüfe, wer glaubt entkalken zu müssen

Auch Elke Gehrke von der Stiftung Warentest ist der Meinung, dass Calgon und Co. nicht zu jedem Waschgang nötig seien: «Außerdem ist es für die Verbraucher schwierig, die genaue Waschmitteldosierung zu bestimmen, wenn sie Calgon benutzen.» Gleichzeitig erhöhen sich auch die Kosten eines jeden Waschgangs. Im Angebot einer großen deutschen Drogeriekette kostet Calgon etwa 9 Euro, darin enthalten sind 42 Tabs, jedes einzelne kostet also etwa 21 Cent.

Der Einsatz von Wasserenthärten hat für Professor Stamminger aber auch ökologischen Nutzen: Wer auf Calgon und Co. setze, der brauche die Waschmitteldosierung bei härterem Wasser nicht zu erhöhen und schone so die Umwelt. Denn mit zusätzlichem Waschmittel werden gleichzeitig auch mehr belastende Inhaltsstoffe wie Tenside, Alkohole, Duftstoffe oder Bleichmittel freigesetzt.

kab/reu/news.de

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Putzteufel
  • Kommentar 8
  • 17.09.2013 15:10

Außerdem schreibt der BR: "Verwenden Sie keinen Essig oder Essigessenz für die Waschmaschine, diese können die Kunststoffteile des Gerätes angreifen. Reinigen Sie auch regelmäßig das Flusensieb der Waschmaschine (meist eine Klappe unten am Gerät) und lassen Sie das Restwasser ab"

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  • Putzteufel
  • Kommentar 7
  • 17.09.2013 15:09

das hier schreibt der BR zum entkalken: Nicht nötig: Entkalker und Weichspüler br.de/themen/ratgeber/inhalt/verbrauchertipps/richtig-waschen100.html Auf zusätzlichen Entkalker kann man - anders als die Werbung suggeriert - beim Waschen gut verzichten. Heutzutage enthält jedes Waschmittel genügend Kalkschutz. Es sollte allerdings unbedingt nach Anweisung dosiert werden. Auch Weichspüler sind entbehrlich. Selbst wenn die enthaltenen Tenside biologisch abbaubar sind, gilt das nicht unbedingt für die Duftstoffe und Chemikalien darin. Gegen Trockenstarre, die die Wäsche hart macht, hil

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  • JamesCarter
  • Kommentar 6
  • 27.07.2013 13:59

lasst euch keinen Bären aufbinden! Das "weiße" um den Heizstab ist normalerweise bzw. in vielen Fällen kein Kalk. Das sind schmierige Überreste vom Waschmittel, was sich mit der Zeit festgesetzt hat. Da hilft auch kein Calgon! Die Info gabs es von meinem Mechaniker. Die meisten denken halt es sei immer Kalk, was aber nicht stimmt.

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