So., 12.02.12

Ehrliche Messwerte Canon allein im Regen

Von news.de-Redakteur Karsten Busch

Artikel vom 16.03.2010

Wer einen neuen Drucker kauft, möchte auch wissen, wie schnell er ist. Dafür gibt es die Angaben der Hersteller auf der Verpackung, doch auf diese ist selten Verlass. Eine neue Iso-Norm soll helfen, doch die hat noch gewaltige Haken.

Meist beruhen die Angaben zur Druckgeschwindigkeit auf eigenen Teststandards der Hersteller. Diese stellen dann den viel schnelleren, aber unansehnlicheren Entwurfsmodus am Drucker ein oder benutzen als Grundlage ein Dokument, das sich mit einem bestimmtem Farbanteil und einer speziellen Textausrichtung am schnellsten auf dem jeweiligen Drucker ausgeben lässt.

Das ist hinlänglich bekannt und in Fachmedien berichtet worden, zuletzt in der jüngsten Ausgabe des c't-Magazins (7/2010). Das Ganze ähnelt damit ebenfalls den unrealistischen Geschwindigkeitsangaben auf Wlan-Geräten, den nicht ganz korrekten, weil gerundeten Größenangaben bei Festplatten und den überhöhten, weil künstlich errechneten Auflösungen bei Scannern.

Die Theorie: Transparenz für Druckerkäufer

Doch manchmal geschieht das kleine Wunder, und die Hersteller einigen sich auf eine Norm, die Angaben standardisiert und für den Kunden nachvollziehbar macht. So geschah es auch bei den Druckern im Jahr 2009 – Iso/IEC 24734 heißt das gute Stück. Die Geschwindigkeitswerte werden anhand von drei genormten Dokumenten (Word, Excel, PDF) mit je vier Seiten ermittelt und in «image per minute», also «Bildern pro Minute» angegeben. Diese Werte sind viel kleiner als die bisherigen, weil realistischer aber auch mit den alten nicht vergleichbar.

Auch deshalb haben sich die Hersteller mit einem eigentlich löblichen Ansatz neue Probleme geschaffen. Denn es ist nicht etwa so, als würden ab sofort alle Durckerproduzenten die neuen Angaben auf ihre Produkte drucken. Nein, einzig Canon hielt sich ans Vorhaben, setzt das neue Label aktiv ein und: steht allein im Regen. Denn die anderen Hersteller zögern, warten ab und verwirren damit Käufer, Händler und Testredakteure. Einzig auf ihren Webseiten sind die ISO-Angaben teils schon zu finden - was dem Kunden im Elektromarkt nichts bringt.

Die Realität: Durcheinander bei allen Beteiligten

«Die Kunden fragen uns, warum wir nur so niedrige Werte im Vergleich zur Konkurrenz haben. Onlineshops wollen auch nicht ohne Weiteres auf die neuen Angaben umschwenken, weil sie die Kunden dann ihrerseits verwirren. Und die Redaktionen von Fachmagazinen müssten ihre Datenbanken komplett umstellen – was in dieser Situation schwierig ist» berichtet Dieter Röther von der Canon-Pressestelle von den Erfahrungen mit dem neuen Problem. Bei Canon will man dennoch an den neuen Werten festhalten und setzt ganz auf die positiven Ergebnisse in Testberichten.

Früher oder später werden die anderen Hersteller nachziehen müssen - sei es, weil die Fachpresse das Thema mehr aufgreift oder weil die Kunden es verlangen. Bei Brother will man das Zaudern bald aufgeben: «Die Umsetzung der Norm kommt. Wann genau, kann ich noch nicht sagen, wahrscheinlich aber mit dem Wechsel in die nächsten Produktgenerationen», heißt es von Theo Reinerth aus der Presseabteilung.

Käufer von Druckern müssen sich aber auch umstellen, wenn die neue Norm da ist: Zum einen wird dort der reine Fotodruck nicht berücksichtigt - hier kocht bei den Messwerten jeder Anbieter weiter sein Süppchen. Zum anderen stellen die recht abstrakten «Bilder-pro-Minute-Werte» keinen unmittelbar nachvollziehbaren Wert dar, sondern eine reine Durchschnittsnote, die erst im Vergleich mit anderen etwas bringt. Um dieses Problem etwas zu dämpfen, münzt Canon daher für Marketingzwecke künftig die Abkürzung IPM in «Isoseiten pro Minute» um.

ivb/news.de
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