Angriff auf Zocker-Goliath
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Von Stefan Robert Weißenborn
Artikel vom 12.03.2010
Der PC gilt als perfekte Plattform für Computerspiele. Dass Apple-Jünger dies nicht wahrhaben wollen, liegt auf der Hand. Große Entwickler wie Blizzard Entertainment oder Electronic Arts haben Apple längst als lukrativ erkannt und bieten Mac-Games an.
Gemessen am kommerziellen Erfolg ist Zocker-Goliath unter den Systemen immer noch Windows. Am mobilen Spielemarkt ist Apple dank des überaus erfolgreichen App-Stores dagegen bestens im Geschäft.
«Das ist alles gar nicht so schlimm mit dem Mac und dem Spielen - man kann ganz gepflegt zocken», sagt Stefan Molz, Spieleexperte der Zeitschrift Mac Life. Er vermisse nichts auf dem Mac. Abgesehen von «typisch deutschen Aufbauspielen» wie Die Siedler oder die Anno-Reihe, gebe es sämtliche Blockbuster mittlerweile auch als Mac-Version - von Doom über Quake und World of Warcraft bis zu Starcraft 2 oder Die Sims - Reiseabenteuer.
Kein Unterschied also zwischen alter und neuer Spielewelt? Die aktuellen Verkaufszahlen deuten an, dass sich Apple analog zum wachsenden Erfolg der eigenen Hardware langsam aber sicher hocharbeiten könnte. Zwar schaffen es in die Gamestar-Verkaufscharts derzeit nur PC-Spiele, doch rund die Hälfte davon gebe es auch in der Mac-OS-Version. Dies belege, dass die Apple-Plattform für Games technisch «nicht die schlechteste» sein könne, sagt Molz. «Apple-Computer sind eine interessante Spielplattform», sagt auch Electronic-Arts-Sprecher Martin Lorber. «Spiele, die es auch für den Mac gebe, beispielsweise Sims 3, zählten zu den erfolgreichsten EA-Spielen überhaupt.
Vom schleichenden Untergang der Mac-Spiele kann folglich keine Rede sein. Spielernaturen unter den Apple-Usern kommen in den Genuss brandaktueller Games. Denn nicht mehr alle Spiele kommen erst als Windows-Versionen heraus, sondern laufen gleich auf beiden Plattformen. Bevor das so war, musste die oft Monate dauernde sogenannte Portierung abgewartet werden, bei der Firmen wie Aspyr, Feral oder MacSoft in Lizenz Anpassungen an Mac OS X vornehmen. Laut Molz wird jedoch immer noch der Bärenanteil der Spiele so auf dem Mac erst spielbar.
«Faire Bedingungen» als Erfolgsgeheimnis
Geradezu erdbebenartig hat der kalifornische Hersteller mit dem Apfellogo dagegen die Welt der mobilen Spiele erschüttert. Seit Launch des App-Stores wurden milliardenfach Programme heruntergeladen, laut Fachpresse meistens Spiele. iPhone und iPod Touch wurden auf Anhieb ernstzunehmende Konkurrenten portabler Zocker-Gadgets wie Sonys Playstation Portable (PSP) oder Nintendos Gameboy-Nachfolger, die DS-Konsole. Das Erfolgsgeheimnis sieht Molz unter anderem in «sehr fairen» Bedingungen für Spieleentwickler. Anders als in der Branche üblich, gingen 70 Prozent der Einnahmen an den Entwickler, 30 an Apple.
Die Folge: eine Vielzahl an Spielen und beste Verkaufzahlen für das iPhone und den iPod Touch. «Mittlerweile gibt es für die PSP sogar Umsetzungen von iPhone-Spielen», sagt Molz. «Man sieht Apple als ebenbürtigen Gegner an.» Und als Beförderer des eigenen Geschäfts: Im Wall Street Journal ließ Sony laut Mac Life darauf hinweisen, dass sich seit dem Start des iPhones die PSP-Verkaufszahlen deutlich erhöht hätten. Eine solche Ankurbelung wäre auch durch Apples neuen Tablet-Rechner iPad denkbar, aber ein DS-Killer werde das iPad sicher nicht, sagt Molz.
Dass Apple für Schreibtischrechner und Laptops eine solche Erfolgsgeschichte im Spielesektor noch nicht geschrieben hat, liegt laut Molz am Ehrgeiz von Microsoft und daran, dass Apple anders als im mobilen Bereich zu wenig für die Entwickler tue. Mittlerweile ist auch die Spieleschmiede idSoftware ins Apple-Geschäft eingestiegen. Wohl nicht ohne wirtschaftlichen Grund.
tfa/cvd/reu/news.de/ddp
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