So., 12.02.12

LTE statt UMTS Auf die Frequenzen, fertig, los

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber

Artikel vom 10.03.2010

Der UMTS-Nachfolger steht schon am Start: LTE soll dem Daten-Tsunami Einhalt gebieten und Breitbandinternet endlich auch in den ländlichen Raum bringen. Am 12. April werden die begehrten Frequenzen versteigert.

Dass LTE noch in diesem Jahr in Europa, den USA und einigen asiatischen Ländern starten könnte, hält Arne Schälicke, Marketing Manager bei Nokia Siemens Networks, für «absolut realistisch». Er begründet seine Einschätzung damit, dass derzeit mehrere hundert Millionen Menschen Mobilfunknetze der dritten Generation, also UMTS und HSPA, nutzen. Für die Industrie schaffe diese hohe Anzahl von Teilnehmern einen kommerziellen Anreiz zum Umstieg auf LTE.

Einen weiteren Grund, warum sich LTE schnell durchsetzen wird, sieht der Experte in der Datenexplosion, getrieben durch Smartphones: «Bis 2015 erwarten wir eine Steigerung des Mobilfunk-Datenverkehrs von 23 ExabytesEin Exabyte entspricht ungefähr einer Milliarde Gigabyte. .» Um diesem Datenhunger Herr zu werden, setzen die Mobilfunkanbieter auf LTE. Damit sollen anfangs Bandbreiten von bis zu 150 Mbit/s beim Download erreicht werden. Nutzer könnten so auch hochauflösende Videostreams auf ihrem Smartphone anschauen oder Videokonferenzen abhalten.

Als mögliche Frequenzen für LTE könnte die sogenannte Digitale Dividende genutzt werden. Das sind jene Frequenzen, die durch die Digitalisierung des Fernsehens frei geworden sind. Am 12. April versteigert die Bundesnetzagentur eben diese Kapazitäten. Bisher haben sich die vier großen Mobilfunkbetreiber T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus sowie das Stuttgarter Unternehmen Airdata um entsprechende Lizenzen beworben. Der sechste Bewerber ist bisher unbekannt.

LTE bietet gegenüber UMTS außer der möglichen Bandbreite weitere entscheidende Vorteile: «Es ist um etwa ein Drittel effizienter als UMTS», erklärt Schälicke. Das heißt, mit der gleichen Anzahl an Sendemasten können mehr Nutzer erreicht werden.

Dazu müsste noch nicht einmal eine völlig neue Infrastruktur aufgebaut werden: «Als erster Hersteller liefern wir seit September 2008 Basisstationen aus, die per Software-Update LTE-fähig gemacht werden können. Gerade werden diese Stationen noch für das herkömmliche Mobilfunknetz genutzt», erklärt Schälicke.

Dies und die hohe mögliche Datenrate, die LTE macht, sind besonders für die Breitbandversorgung in ländlichen Gebieten interessant. Deshalb verpflichtet das Vergabeverfahren der Bundesnetzagentur die potenziellen Lizenznehmer auch dazu, diese Frequenzen zur drahtlosen Breitbandversorgung im ländlichen Raum einzusetzen. Demnach müsste sich LTE zuerst in Städten und Gemeinden mit bis zu 5000 Einwohnern etablieren.

Problemfall Deutschland

Wenn Experten davon ausgehen, dass LTE in Deutschland Ende 2010 oder gar erst 2011 eingeführt werden kann, sind andere europäische Länder schon viel weiter: In Skandinavien sind im Dezember vergangenen Jahres die ersten kommerziellen LTE-Netze gestartet. In Oslo und Stockholm können Kunden des Mobilfunkunternehmens Teliasonera jetzt schon mit USB-Adaptern von Samsung und Huawei schneller mobil surfen.

Obwohl es in Deutschland noch nicht so weit ist, ruft die geplante LTE-Einführung die Kritiker auf den Plan. So befürchten Experten des ZVEI beispielsweise, dass der Fernsehempfang durch den neuen Mobilstandard gestört wird.

Belege dafür lieferte auch eine Untersuchung des IRT und der ANGAVerband deutscher Kabelnetzbetreiber . Dort zeigte sich, dass zwar nicht das Kabelnetz betroffen ist, sondern die Kabel-Set-top-Boxen beim Endverbraucher durch LTE-Terminals gestört werden können, wenn diese auf der gleichen Frequenz senden. Gleiches gilt für DVB-T-Boxen, erklärt Jochen Mezger vom IRT.

«Unser Kritikpunkt ist, dass die Bundesnetzagentur die Strategie ‹Wir lösen das Problem auf der Strecke› verfolgt», erklärt Mezger. Es gebe zwar schon Lösungsansätze, doch diese scheitern bisher am Punkt der Finanzierung oder sind nicht konkret genug.

/reu/news.de
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