Schlagkräftiger Held gesucht
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 13.03.2010
Die Zeit ist reif für die Rückkehr nach Aventurien. Helden und Abenteurern bietet das Rollenspiel Drakensang - Am Fluss der Zeit neue Begegnungen mit Fabelwesen und viele Stunden Spielspaß.
Mitte der 1980er Jahre kam das Pen-&-Paper-Rollenspiel Das schwarze Auge auf den Markt. Seither existiert Aventurien, ein Kontinent der Fantasy-Welt Dere. In der sind nicht nur Menschen beheimatet, sondern auch Oger, Zwerge, Goblins, Kobolde, Feen und andere Fantasiegeschöpfe - die mit Magie und dem Glauben an ihre zwölf Götter mal mehr, mal weniger friedlich miteinander leben.
Der Erfolg dieses Spiels war so groß, dass auch Literatur und Computerspielwelt an Aventurien und seinen Geschöpfen nicht vorbeikamen. Digital hat sich vor allem die Nordlandtrilogie aus den 1990ern behauptet. Doch die bekannteste virtuelle Umsetzung ist noch gar nicht so alt. Drakensang erschien 2008 und faszinierte die Welt der Rollenspieler.
Auf den preisgekrönten Spieletitel baut inzwischen Drakensang - Am Fluss der Zeit auf. Genau genommen beginnt die Geschichte des neuen Rollenspiels allerdings vor dem preisgekrönten Vorgänger - ist stellenweise aber deutlich besser.
Die mittelalterlich angehauchte Fantasy-Welt weiß mit vielen Aufgaben eine Menge Spielzeit zu füllen. Forscher wie Abenteuer finden dabei ihren Spaß, denn das Rollenspiel bietet stundenlange Unterhaltung mit zahlreichen zu lösenden Aufgaben, einigen Gefechten und einer Landschaft, die bewusst zu betrachten durchaus lohnt.
Begrenzte Freiheit in der Vielfalt
Der Mix ist gelungen, denn die Spannung fällt nur selten ab, auch wenn es an echten Kopfnüssen mangelt. Zudem bestimmt manche Entscheidung den weiteren Spielverlauf. Gleiches gilt auch für die Wahl der Waffen - oder besser: für den Charakter. Krieger, Bogenschütze und Soldat mögen sich auf den ersten Blick ähneln. In ihren Stärken und Schwächen unterscheiden sie sich jedoch. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Verhandlung mit Gegenspielern.
Die Spielwelt selbst bietet viel Fläche für Abenteuer, obgleich sich vieles letztlich nicht entdecken lässt, was die Umgebung als Welt suggeriert: Das gilt für die scheinbar weiten Wälder wie für die zahlreichen Gebäude.
Viel Arbeit haben die Entwickler auch in eine auffallend belebte Welt gesteckt. Sporen fliegen durch die Luft, Haustiere tummeln sich zwischen Holzkonstruktionen und Städter flanieren durch die Gassen. Letztere sind allerdings nur optisch eine Bereicherung. In Sachen Dialog vermelden sie nicht mehr, als keine Zeit für einen Plausch mit dem Spieler zu haben. Dafür aber ist das Rollenspiel von Anfang bis Ende vertont - und gerade bei den spielwesentlichen Figuren hat sich das gelohnt. Kommt doch bei den Dialogen und zu belauschenden Gespräche gut der Charakter der Personen zum Tragen: vom hochnäsigen Aristokraten bis hin zum erfolglosen Wachmann.
Spielerisch wird Drakensang - Am Fluss der Zeit Einsteigern wie Rollenspielprofis gerecht - dank dreier Schwierigkeitsstufen, die während des Spiels jederzeit verändert werden können. Deutlich schwieriger ist die Entscheidung, über welche Fähigkeiten die Spielfigur verfügen soll. Wer sich unsicher ist, belässt es einfach bei den Voreinstellungen. Wer im Genre jedoch ausreichend erprobt ist, schneidert sich die Stärken und Schwächen in der Charaktermodifizierung selbst zurecht.
Technik mit Holpersteinen
Die Aufgaben sind vielfältig und nicht zu stupide. Begegnungen mit Gegnern erweisen sich immer wieder als Herausforderung - auch wenn man nicht allein unterwegs ist, sondern Rückendeckung von einem der Nichtspieler-Charaktere bekommt. Und ein paar kleine, angedeutete Techtelmechtel sorgen für leichte Erheiterung.
Navigieren lässt sich in der Szenerie problemlos. Mit Maus und Tastatur werden alle nötigen Gesten aktiviert und ausgeführt. Nur in der Reaktion hängen die Figuren etwas. Wer etwa ein Fass zertrümmert, um an die innen versteckten Gegenstände zu kommen, klickt beim ersten Mal unweigerlich doppelt, weil die Spielfigur die geforderte Aktion erst mit ein bis zwei Sekunden Verspätung ausführt.
Technisch hat das Rollenspiel allerdings ein paar kleinere Macken. Mag die Installation noch leicht sein - nach etwa zehn Minuten können sich Abenteurer in viele Stunden Spielspaß stürzen -, wird die Einstellung der Auflösung zum Klickspiel. Ein Blick in die Systemeinstellungen hilft, das richtige Pixelverhältnis des jeweiligen Monitors auszuwählen. Allerdings muss das Spiel erst beendet werden, bevor die Einstellungen schließlich übernommen werden.
Zudem gilt: Bei den Grafikeinstellungen lieber etwas untertreiben. Die hohe Detailvielfalt und diverse Video-Einstellungen fordern dem heimischen PC eine nicht eben niedrige Leistungsfähigkeit ab. Wer ohne Bildbocksprünge spielen will, aber keinen Rechner der neuesten Generation besitzt, sollte lieber auf hohe Detaildichte verzichten, kann dafür aber eine flüssige Bildwiedergabe genießen.
Ein dicker Minuspunkt, weil Ärger dabei absolut nicht ausbleibt: das Speichern. Vernünftige automatische Speicherpunkte fehlen. Stirbt der eigene Spielercharakter oder schmiert das Spiel ab, war alles für die Katz und der Spieler muss bei Null anfangen. Wer nach drei Stunden virtuellem Unterhaltungsgenuss nicht vor Ärger platzen will, sollte deshalb regelmäßig selbst speichern.
An dieser Stelle noch ein Wort zu Abstürzen: Gerade unter Windows Vista können diese auftreten. Entscheidend dabei ist, welche Grafikkarte im Rechner steckt und ob diese mit den aktuellsten Treibern versehen ist. Die von den Entwicklern verwendete Spiele-Engine Nebula 3 neigt sonst zu häufigem Totalausfall. Ein Update der Grafiktreiber kann helfen. Hinweise, wie das funktioniert, bieten in der Regel die Hersteller der Grafikkarten auf ihrer Internetseite.
Fazit: Das Niveau des Rollenspiels ist keinesfalls verfehlt. Durchweg bietet sich frischer Spielspaß, der nur an manchen Stellen etwas zu linear von statten geht. Auf übermäßige Neuheiten müssen Fans allerdings verzichten. Die vielen Ladezeiten zwischen einzelnen Sequenzen und Spielabschnitten trüben die Laune stellenweise aber etwas.
Titel: Drakensang - Am Fluss der Zeit
Genre: Rollenspiel
Publisher: dtp entertainment
Entwickler: Radon Labs
Preis: zirka 40 Euro
Sprache: Deutsch
USK: freigegeben ab 12 Jahren
Altersempfehlung der Redaktion: 14 Jahre
Plattform: PC
Veröffentlichungsdatum: Februar 2010
Weitere Spiele: Drakensang (PC), The Elder Scrolls IV: Oblivion (PC)
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