So., 12.02.12

Datenschutz Plappermäuler unter der Lupe

Von news.de-Redakteur Karsten Busch

Artikel vom 07.03.2010

Wer online ist, dessen Daten sind immer ein wenig in Gefahr - das hat sich herumgesprochen. Doch mit dem Bewusstsein kommt das Misstrauen: Was senden Browser und Geräte eigentlich?

Wenn Apple eine neue Version des Betriebssystems für das iPhone teste und dies als Gerücht im Internet kursiert, kann das am plapperhaften iPhone liegen. Denn dieses sendet beim Surfen unter anderem auch eine Kennung mit, unter welcher Software es läuft. Das ist durchaus erwünscht, denn so können Webseitenbetreiber oder Unternehmen ihre Dienste auf die jeweiligen Fähigkeiten eines Gerätes maßschneidern.

Diese Eigenschaft teilt das iPhone nicht nur mit anderen Smartphones, sondern auch mit Webbrowsern. Die senden eine ganze Menge an Daten beim Surfen, aber auch das nicht ohne Grund – wie das Beispiel Firefox zeigen soll. Merkmale wie Landeskennung, Betriebssystemversion, Bildschirmauflösung und Prozessortyp können von entsprechend programmierten Webseiten genutzt werden, um die Bildschirmgröße optimal auszunutzen, auf aufwändige Animationen zu verzichten oder das richtige Plugin für den Computer des Anwenders vorzuschlagen. Auf dem Handy wird gleich auf die mobile Webseite umgeschaltet.

Vieles bleibt anonym

Aufregung und Skepsis– zumindest unter Fachkundigen – verursachte vor einer Weile die Meldung, dass Firefox im Hintergrund Daten an Google sendet. Das tut der Browser tatsächlich, aber er hat gute Gründe dafür. Nummer eins ist ganz banal: «Es werden keine Daten an Google gesendet, außer natürlich, wenn sich der User direkt mit einer Google-Webseite verbindet und das notwendig wird. Die Daten, die Firefox übermittelt, sind im Übrigen in keinerlei Hinsicht dazu geeignet, jemanden zweifelsfrei zu ermitteln, sie sind damit absolut anonym,» sagt Mike Beltzner, Produktdirektor Firefox bei Mozilla.

Zum anderen muss die Mozilla-Stiftung Geld verdienen und das geschieht unter anderem über eine Kooperation mit Google. Nutzt ein Anwender das Google-Feld im Firefox-Browser zur Suche, geht eine Nutzungsinformation an den Suchmaschinenkonzern. Die ist allerdings nicht mit persönlichen Daten verknüpft und vollständig anonym, wie Mozilla versichert.

Doch wer kann kontrollieren, ob das stimmt? Im Fall Firefox prinzipiell jeder mit Programmier-Erfahrung, denn der Browser legt seine gesamte Code-Basis offen. Jeder kann prüfen oder gar modifizieren, was der Browser nach draußen sendet, Mozilla spricht von mehreren tausend Beobachtern, die auch zur Verbesserung von Firefox beitragen.

«Sie als Nutzer haben hier die volle Kontrolle - niemand anderes. Bei Firefox kann alles so individuell eingestellt werden, dass sich Nutzer sogar ihre eigene Browser-ID so zusammenstellen können, wie sie es wünschen. Wir empfehlen allerdings grundsätzlich die Voreinstellungen, weil einzelne Webseiten bei Veränderungen nicht mehr richtig funktionieren könnten,» erklärt Beltzner. Teils helfen spezielle Firefox AddOns beim Deaktiveren oder Ändern der zu sendenden Informationen.

Wie so oft: Absolute Kontrolle ist unmöglich

Dann wäre da noch die Funktion des Phishing-Filters, die mehrere Browserhersteller einsetzen. So ein Filter schützt prinzipbedingt nur dann vor böswilligen Webseiten, wenn er eine Onlinedatenbank abfragen kann. Aber auch das soll anonym geschehen, wie Microsoft (Internet Explorer) und Mozilla versichern.

Bei den unzähligen weiteren Programmen mit Internetzugriff auf Computer und Handy ist es mit der Kontrolle und dem Vertrauen um einiges schwieriger als beim Browser. Zwar stimmt der Anwender meist speziellen Nutzungsbedingungen zu, die erläutern, was gesendet wird oder was nicht. Doch ob die auch eingehalten werden - das ist oft nur Vertrauenssache.

Immerhin warnen neuere Handys den Nutzer, wenn ein Programm ins Netz möchte oder informieren ihn schon bei der Installation, welche Rechte die Software einfordert. Das können der Internetzugriff, das Auslesen der Kontakte oder der Zugriff auf die Speicherkarte sein. Eine absolute Vertrauensbasis können aber auch sie nicht schaffen. Gut fährt, wer skeptisch bleibt und sich bei gänzlich unbekannten Programmen im Internet über deren Vertrauenswürdigkeit informiert.

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