Die Waschmaschine im Fernseher
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Von news.de-Redakteur Karsten Busch
Artikel vom 05.03.2010
Die Zahnbürste tut es schon, die Waschmaschine bald und Küchwaage könnte: Drahtloses Kommunizieren ist ein Kernelement der vernetzten Zukunft. Dieser haben sich die Cebit und eine neue Initiative verschrieben - mit verblüffend einfachen Ideen.
Bisher war das Thema vernetztes Heim eher ein abstraktes. Man konnte es entweder mit sündhaft teurer Funktechnik im ganzen Haus verbinden, die mit Spezialtechnik über Handy und Fernseher fernsteuerbar war. Oder mit schrägen Utopien von sprechenden Häusern und im Internet surfenden Kühlschränken. Das tatsächliche Konzept liegt gar nicht so weit von diesen Visionen entfernt, lässt sich aber dank neuer Entwicklungen in allen technischen Bereichen des Alltags endlich auch realistisch erfassen. Wohl auch deswegen trägt die Cebit dieses Jahr das Motto «Connected Worlds», vernetzte Welten.
Ein Bestandteil davon ist das vernetzte Wohnen. Durch den Verein Connected Living wird dieses Thema auf der Elektronikmesse repräsentiert. Das Vorführhaus am Messestand des Vereins, das Innovationszentrum Connected Living e.V. ist auf den ersten Blick recht karg geraten. Der Grund dafür wird aber klar, wenn man sich das Konzept hinter dem vernetzten Leben vor Augen führt – zum Beispiel mit dem interaktiven Multitouch-Bildschirm am Stand. «Alle technischen Geräte des Alltags sollen miteinander vernetzbar sein und zwar mit den bereits vorhandenen und künftigen, handelsüblichen Schnittstellen. Vorhandene Lösungen und künftige Ansätze dazu finden Sie auf der gesamten Cebit», erläutert Standbetreuer Mathias Runge von der TU Berlin. Er forscht an neuen Technologien für künftige Generationen von Diensten und verteilten Systemen.
Heinzelmännchen mit Chips im Bauch
Das Mobiltelefon, das bald umfassend den aktuellen Stand des digitalen Stromzählers der Wohnung anzeigen könnte, ist dabei nur ein Anfang (vorgestellt vom Energiekonzern EnBW). Die Demonstrationssoftware am Messestand des Connected-Living-Projekts fasst verschiedene, realistische Vernetzungsansätze zusammen - als Infoportal auf dem TV-Monitor des Messe-Wohnzimmers.
Dieser zeigt den Status aller angeschlossenen Geräte an - zum Beispiel, wie lange die Waschmaschine noch braucht (intelligente Maschinen kommen zum Beispiel von Miele und Siemens) oder ob der Herd aus und das Garagentor geschlossen sind. Die Möglichkeiten lassen sich problemlos weiterspinnen: Laternenparker bekommen morgens die Information, dass aufgrund des lokalen Wetterberichts die Standheizung zum Abtauen des Wagens automatisch aktiviert wurde. Daneben ist der Menüvorschlag für das Frühstück zu sehen, den die Körperfettwage im Bad in Zusammenarbeit mit dem Kühlschrank und dem Vorratsschrank erstellt hat.
Die Technik ist längst da, es fehlt der Knoten
Klingt schon wieder zu sehr nach Fiktion? Muss es aber nicht, aus zwei Gründen, wie Runge erklärt. Nummer eins: «Viele Technologien gibt es längst auf dem Markt, sie sind nur nicht zueinander kompatibel und über eine Schnittstelle bedienbar.» Wer sich ein wenig umschaut, wird schnell fündig. Standheizungen sind seit Jahren per Handy einschaltbar, Garagentore, Rolläden, Steckdosen und sogar Statusdisplays für Zahnpflegestationen werden per Funk angesteuert. Drahtlos ist dabei kein Muss, aber häufiges Merkmal der smarten Helfer, deren Liste noch weit länger ausfällt.
Die alle zusammenzubringen klingt unmöglich? Runge nennt Grund zwei, warum das künftig realistisch ist: «Hinter Connected Living steht ein Zusammenschluss von Herstellern, die aber keineswegs einen neuen Standard schaffen wollen. Vielmehr geht es darum, alle vorhandenen Techniken einfach und effektiv miteinander zu verknüpfen – egal ob Wlan, USB oder Powerline, die Netzwerkübertragung via Stromkabel.»
Schnittstellenmonster für das vernetzte Leben
Kernelement des Ganzen soll ist die Connected-Living-Box: Deren Job ist genau diese Vernetzung, nach bisherigen Plänen soll sie von der Telekom hergestellt werden. Ähnlich wie ein DSL-Router, sammelt und verwaltet sie alle Verbindungen, um sie mit ausgeklügelter Software miteinander sprechen zu lassen. Sie ist gewissermaßen ein Schnittstellenmonster, die ultimative Zentrale für alle möglichen, existierenden Verbindungen.
Möchte ein Unternehmen Teil des neuen Netzwerkreigens sein, muss es sich um die Erweiterung der Box-Software kümmern, genauer gesagt: um die passenden Treiber für sein Gerät oder seinen Funkstandard. Dass auch kleinere Hersteller ausdrücklich willkommen sind und bei der finanziellen Beteiligung weniger stark zur Kasse geben werden also große Unternehmen, soll für genügend Anreiz und die nötige Fairness sorgen.
Das news.de-Fazit:
Das Konzept ist sehr jung und sehr engagiert, wie so viele in der Vergangenheit. Und viele Ansätze wurden in der Vergangenheit hoch gelobt und sind doch gescheitert. Was den vernetzten Alltag à la Connected Living aber so interessant macht, ist, dass hier nicht einige ausgewählte und potente Unternehmen einen weiteren Standard beschließen, der andere Technologien ausgrenzt. Sondern, ganz im Gegenteil, anstelle von Gleichmacherei ist die Offenheit für alle Ansätze Grundprizinip. Allein die Zentrale in Form der Box und die Software sind zentrale Instanzen, deren Entwicklung gemeinsam geschehen soll.
Ob das funktioniert, ist völlig offen. Auch gibt es bislang keine umfassenderen Demonstrationen. Doch es könnte klappen: Kein Hersteller muss seine – teils patentierte und somit spezielle - Technologie von Grund auf ändern oder in in Frage stellen. Er entwickelt sie einfach weiter und legt die nötigen Kanäle für das Netzwerkprojekt. Der Nutzer hat am Ende einen Fernseher mit integrierter Schaltzentrale und mit der Fernbedienung mehr Macht in der Hand, als je zuvor.
sis/news.de
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