Strom und Internet wachsen zusammen
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Wer bisher die Waschmaschine angestellt hat, wann er wollte, der wird in Zukunft ordentlich zur Kasse gebeten. Wenn Stromversorgung und Internet zusammenwachsen, dann könnten die Strompreise genau so launisch werden wie das Aprilwetter.
Das Internet macht unser Leben oft einfacher, deshalb dringt es immer weiter in den Alltag vor. Doch die nächste Stufe der Umwälzung wird viele Bürger vielleicht eher nerven als freuen: Der Stromverbrauch zu Hause und die Energieversorgung im Großen sollen mit dem Internet zusammenwachsen. «Das wird ein großes Ding», sagt IBM-Deutschlandchef Martin Jetter. Die Manager sind elektrisiert, es gibt Milliarden zu verdienen. Die Verbraucher werden sich aber bei ihrem Stromverhalten völlig umgewöhnen müssen.
Darum geht es: Seit Jahresanfang haben Stromkunden Anspruch auf einen sogenannten intelligenten Stromzähler. Anders als der alte schwarze Kasten mit dem Drehrädchen zeigt der neue Kasten sekundengenau den Stromverbrauch. Dazu muss der Kunde nicht mehr mit der Taschenlampe in den Keller steigen. Der Verbrauch wird auf dem PC im Arbeitszimmer angezeigt, die Daten dazu fließen über die Stromkabel. Vom PC gehen die Daten weiter zum Stromversorger, der eine monatliche Stromrechnung schickt. «Der Energiemarkt steht vor einem grundlegenden Umbruch. Das Internet der Energie kommt, und Millionen Haushalte werden aktiv mitmachen», sagt Jetter.
Bisher kaum Gefühl für Stromverbrauch
«Der Kunde kann nun seinen Stromverbrauch aktuell sehen und beeinflussen», erklärt Alexander Rabe vom Fraunhofer-Institut für experimentelle Software in Kaiserslautern. Während die meisten Bürger bisher schlicht kein Gefühl für den Stromverbrauch hatten, können sie nun die Kosten ticken sehen.
Wer wie bisher ohne nachzudenken die Waschmaschine oder den Trockner anschaltet, wann er will, wird bald zur Kasse gebeten: In den nächsten Monaten werden die Stromkonzerne mehr billigeren Strom zu bestimmten Zeiten anbieten.
Als Nachtstrom ist dieses Konzept seit Jahren bekannt. In Zukunft aber können ganz andere Faktoren den Strom billig machen: Wenn zum Beispiel eine steife Brise für viel Windstrom sorgt, könnten die Stromtarife für ein paar Stunden fallen. Wenn aber alle Haushalte Mittags den Herd einschalten, könnten die Tarife steigen. Weil diese Informationen über das Internet an den Kunden gehen, kann der sich entsprechend verhalten.
In der Endstufe des Ausbaus könnten sogar die Endgeräte in das Internet eingebunden werden: Die Waschmaschine würde sich erst einschalten, wenn der Strompreis ein paar Cent fällt.
Test läuft auf Bornholm
Das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Aber in ersten Projekten ist das Zusammenwachsen zu sehen, etwa auf der dänischen Insel Bornholm. Hier wollen IBM und der dänische Versorger Dong auch die Elektroautos in das Strom-Management einbauen: Der Windstrom wird in den Batterien der Elektroautos gespeichert. Wenn der Wind abflaut, versorgen die vollen Autobatterien die Häuser mit Strom. Geregelt wird alles über das Internet. «Wir müssen mal so ein Projekt anschieben, damit man sehen kann, dass es funktioniert», sagt IBM-Manager Jetter.
Bislang sind die «Smart-Meter» genannten neuen Stromzähler bundesweit noch Mangelware. Nur Neubauten und Altbausanierungen müssen laut Gesetz damit versehen werden. Wer das Teil freiwillig bestellt, muss zahlen. Es fehlt auch ein einheitlicher Standard für die Geräte. Nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom, würden 40 Prozent der Verbraucher in einen zeitabhängigen Stromtarif wechseln, wenn dieser Einsparmöglichkeiten bietet.
sis/ivb/news.de/ap
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