Düstere Stunden mit Profil-Zwang
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 27.02.2010
Mit den Fortsetzungen erfolgreicher Videospiele ist das so eine Sache: Die Erwartungen sind hoch und werden meist doch enttäuscht. Ist das beim Horror-Shooter Bioshock 2 anders? News.de hat sich das Spiel genauer angeschaut.
Eine gespannte Unruhe hat sich breit gemacht: Wird Bioshock 2 halten, was es verspricht? Eine Frage, deren Antwort lange braucht, bis sie gefunden ist. Denn bis die Horrorgeschichte um Rapture, die Stadt unter Wasser, ihren Lauf nimmt, drehen sich vor allem die Spielerdaumen. Entnervt umeinander.
Miese Laune verbreitet allein die Installation. Denn von Rasanz kann nicht die Rede sein. Und das nicht allein aufgrund der Zeit, die einfach nötig ist, um ein Spiel dieser Größe von einer DVD auf den eigenen PC zu bringen. Wer danach nämlich auf den Start-Button drückt, der landet nicht etwa im Spiel, sondern wird erst einmal aufgefordert, sich einen Account bei Microsofts Onlineplattform Xbox Live anzulegen. Kostenfrei, natürlich, aber nicht ohne Ärger.
Der Zwang, Daten zu hinterlegen, um Spielstände speichern zu können, ist alles anderes als erfreulich. Dahinter steckt zunächst nur ein Erfolgssystem, das auf der Plattform bestimmte Fortschritte anzeigt und mit dem sich Gamerscore sammeln lässt. Auf Live dienen das dazu, sich mit den Leistungen anderern Spieler zu messen. Andererseits funktioniert das Ganze wie eine Social Community, auf der mancher Spieler einiges preisgibt, wenn er ein vollständiges Profil anlegt. Doch egal ob man auf diesem Weg seine Freunde treffen will oder nicht, eines ist sicher: Mal eben ein Spiel installieren und drauflos spielen, das ist angesichts solcher Zwänge echter Luxus.
Zumal der Spielstart in Bioshock 2 damit noch immer nicht gegeben ist. Stattdessen erzählt uns Live, dass ein Update vorliegt. Und ohne das zu installieren, ist Spielen nicht drin. Also wird auch die Aktualisierung geladen und implementiert - was trotz schneller DSL-Leitung summa summarum eine geschlagene weitere dreiviertel Stunde dauert. Und zu diesem Zeitpunkt braucht es schon echten Spielwillen, um das Ganze nicht einfach genervt in die Ecke zu pfeffern.
Kleine Mädchen - die Quelle allen Übels
Mancher wird es nach den ersten Minuten Spielzeit vielleicht dennoch tun, gerade unter jenen, die bereits den ersten Teil kennen. Denn von den hoch versprochenen Neuheiten ist am Ende nicht allzu viel übrig geblieben. Auch wenn die Kombination aus Rollenspiel und Shooter hier so gut funktioniert, wie in kaum einem anderen Spiel.
Die Spielemacher setzen bei der Geschichte vor allem auf Subtilität. Eine erste Videosequenz verrät nicht viel mehr, als dass sich der, in dessen Haut per Maus und Tastatur geschlüpft werden kann, vor zehn Jahren selbst umgebracht hat. Damit geht auch die Fragerei los: Wieso steht der eigentlich wieder auf? Und was steckt hinter den bruchstückhaften Erinnerungen an seine Tochter, die stellenweise auftauchen?
Was die Sache so diffizil macht: Delta ist nicht der einzige, der in seiner historisch wirkenden Taucheraufmachung umherläuft und alle Little Sisters der Geschichte sehen aus wie seine Tochter Eleanor. Dass diese Litte Sisters die Quelle der Sucht sind, die die Stadt Rapture mit ins Unglück gestürzt haben, ist bereits aus Bioshock bekannt. Ebenso, dass genau diese Substanz, die in den Mädchen steckt, für das nackte Überleben steht.
Damit weiß jeder - auch der, der den Vorläufer nicht gespielt hat - worauf das Spielprinzip basiert: nämlich um jeden Preis zu überleben. Damit hat Delta nicht mehr, aber auch nicht weniger zu tun, als sich durch das Labyrinth an Räumen zu suchen, sich mit überlebenswichtigen Gegenständen auszustatten, aus dem Weg ballern, was sich in selbigen stellt, und auf die Suche nach Little Sisters zu gehen, kleinen Mädchen mit gelb leuchtenden Horrorfilmaugen.
Der Spaß liegt in der Spielart
Für Moralapostel ist in diesem Fall wenig Platz. Das höchste der Gefühl ist dabei die Entscheidung zwischen: «Ich bin böse» und «Ich bin nicht ganz so böse». Denn der Little Sister die gesamte Substanz abzuziehen, tötet sie. Auf einen Teil zu verzichten, macht es dem Spieler schwieriger voranzukommen, macht aus dem Zöpfchen tragenden Horrorkind aber wieder ein harmloses Mädchen. Die Entscheidung macht sich letztlich zwar bemerkbar, aber nicht konsequent im gesamten Spiel. Hinter allen Zielen, die zu erreichen sind, steckt eine aufwändige Rennerei. In dieser Hinsicht hat Rapture etwas von New York City mit seinen endlosen Straßenschluchten.
Oberflächlich betrachtet scheint das alles recht dröge. Doch entscheidend ist, wie ein Spieler seinen Charakter steuert. Die Geister scheiden sich dabei vorrangig an der Wahl der Waffen. Offensivspieler werden auf ein schlagkräftiges Waffenarsenal in der fiktionalen Welt setzen, wer eher defensiv orientiert ist oder gern aus dem Hinterhalt agiert, sucht sich Hilfsmittel wie Aufklärungsdrohnen des Feindes, die er für seine eigenen Zwecke per Hackerbefehl «umdreht». Die Exklusiveren greifen hingegen mehr auf Spezialfähigkeiten zurück wie blau leuchtende elektrische Blitze, Feuerstöße oder gar Telekinese.
Als nette kleine Abwechslung - aber nicht mehr - erweisen sich die Hackerarbeiten. Egal ob es dabei geht, die mühsam gesammelten Dollars zu sparen und anders an die Inhalte von Verkaufsautomate zu gelangen, oder um Safes und gegnerische Drohnen in die eigenen Hand zu bringen. Das Ganze geht schnell und spart Spielzeit. Den Dreh hat der Spieler jedoch schnell heraus.
Der Charme in der Puzzelei
Zu den echten Reizen gehört - wie schon beim Vorgängertitel - die Story. Statt platter Dialoge zeigt sich das, was Rapture dem Untergang weihte, fetzenhaft in Tonband-Tagebüchern, die Delta auf seiner Wanderung durch die Stadt aufsammelt. Es sind Rückblenden, reminiszente Erinnerungen, die einzeln nur wenig Sinn ergeben, doch wie ein Puzzle Stück um Stück wachsen und damit ein Bild von Grausamkeit, Angst und der Hoffnung, ein letztes Stück Menschlichkeit retten zu können, zeichnen.
Gelungen ist ein zweites Mal die Gratwanderung, die das Spiel zwischen Horror und Harmlosigkeit beschreitet. Belebte Swingklänge, die ein Stück sehnsuchtsvolle scheinheile Welt anklingen lassen, stehen im diametralen Gegensatz zu dem, was das Auge sieht: eine kalte, zerstörte, zukunftstote Welt, deren experimentale Folgen kein Leben bieten, sondern nur noch eine Existenz fristen lassen.
Deutliche Schwächen zeigt das Spiel derweil beim Einsatz der Gegner. Wie aufgescheute Hühner tauchen die sogenannten Splicer bisweilen zum Angriff auf. Und bei der Schwere des Schritts, den die Spielerfigur an den Tag legt, reagieren die durchgeknallten Rest-Menschen alles andere als fix. Zwar wird es mit der Zeit deutlich schwerer, sie aus dem Weg zu räumen. Doch die Herausforderung bleibt in vielen Fällen etwas fade.
Grafisch zeigt das Spiel seine gewohnt gut Kulisse. Wer genauer hinschaut, wird hier und da kleine Macken finden, die dem Spiel aber nicht wirklich abträglich sind. Und doch: Es bleibt die Frage offen, warum dieser zweite Teil der Saga so strickt dem Vorgänger ähnelt. Dass die beiden Spiele in unterschiedlichen Zeiten agieren, hätte sich eigentlich optisch gut realisieren lassen.
Fazit: Bioshock 2 bietet eine Welt, wie sie sich wohl mancher vorstellen mag, der über die Folgen genetischer Experimente nachdenkt. Eine gescheiterte Stadt, die in ihrem selbst erschaffenen Abgrund dahinsiecht. Die schlüssige Story ist auf Horror getrimmt, und angesicht der zahlreichen Opfer und blutigen Begegnungen mit irgendwie Lebenden weder etwas für Kinderhände, noch für zart beseitete, ältere Geister.
Tatsächlich lohnt sich das Spiel nur für jene, die gern und intensiv spielen. Denn der technische Aufwand ist hoch - nicht nur weil das Spiel viel Platz auf der Festplatte beansprucht und eine qualitativ hochwertige Grafikkarte braucht. Vor allem muss Zeit haben, wer sich auf die düstere Spurensuche begeben will. Denn von Durchmarsch kann nicht die Rede sein. Die Steuerung hingegen ist einfach, gut erklärt und lässt sich per Tastatur und Maus gut handhaben.
Titel: Bioshock 2
Genre: Ego-Shooter
Publisher: 2k Games
Entwickler: Amanita Design
Preis: zirka 37 Euro
Sprache: Deutsch
USK: freigegeben ab 18 Jahre
Altersempfehlung der Redaktion: ab 18 Jahre
Plattform: PC (weitere: Xbox 360, PS 3)
Veröffentlichungsdatum: Februar 2010
Weitere Spiele: Bioshock (PC, Xbox 360, PS 3), Assassin's Creed 2 (Xbox 360)
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