Mit 457 km/h auf der Piste
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Mayrhofen
Artikel vom 26.02.2010
Achtung Lebensgefahr: Pisten-Navi in der Hosentasche und Superski am Fuß. Oder doch nicht? Ein Test abseits vom Hüttengaudi.
Es sind nicht einfach zwei Bretter und es ist nicht einfach ein Telefon. Nein, das wäre zu simpel. Wurde der Spaß auf der Skipiste noch vor Jahren vom Alkoholgehalt des Jagertees bestimmt, sind es heute andere Parameter. Das gaukeln einem jedenfalls die Hersteller von Technikprodukten vor. Sie haben für ihre Geräte Namen erfunden, die nicht auf eine ruhige Abfahrt von der Alm schließen lassen. Zum Beispiel der High-End Ski mit Intelligence Chip 71 Technology der Firma Head. Und ein HTC-Handy namens Tattoo mit Android-Betriebssystem und installierten Ski-Navigationsprogramm Satski.
Das Testgebiet ist die Ferienregion um Mayrhofen im österreichischen Zillertal. Die Werbebroschüren versprechen 160 Kilometer Pistenvergnügen und 51 Liftanlagen. Das Wetter ist entsprechend dem Hochglanzmagazin. Auf 2000 bis 2500 Meter Höhe liegt Schnee für drei Winter. Im Tal werden die Ski eingestellt und an die Schuhe angepasst - auch bei diesen Superbrettern sind Größe und Gewicht des Skifahrers von Bedeutung. Außerdem muss das zuvor aus dem Internet auf das Handy geladene Programm Satski gestartet werden. Die GPS-Funktion ortet den Benutzer noch nicht ganz genau. Abweichung: ein guter Kilometer.
In der Aprés-Skibar fegen die Wirte die Bierflaschen von der vergangenen Nacht zusammen, die Lift-Gondel startet ihre Fahrt. Es ist 9 Uhr am Vormittag. Das GPS lokalisiert nun genauer, zeigt nicht nur den Ort an, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der die Gondel fährt - glaubhafte 17 km/h. Außerdem misst es die Höhenmeter. Zweimal während der zwölfminütigen Fahrt stimmt der Standpunkt auf dem Display nicht mit der Realität überein. Oben angekommen müssen die Handschuh angezogen werden, das Handy verschwindet in der Hosentasche.
Auf der Piste liegt etwas Neuschnee, sie ist nicht zu hart und nicht zu weich. Rillen sind am Vormittag keine zu finden. Die Temperatur beträgt zwei Grad unter Null. Die Pisten sind mittel steil und breit. Der Hightechski fährt ruhig, vielleicht sogar etwas zu steif. Er kantet sehr gut, ist jedoch nicht überaus beweglich. Das macht ihn in engen hohlen Passagen schwierig zu fahren. Von der versprochenen variablen Torsionssteifigkeit durch die Chip-Technologie ist nichts zu merken. Das könnte an der eher weniger aggressiven Fahrweise liegen. Insgesamt ist der Head Chip 71 ein sehr schneller Ski, der eher für Fortgeschrittene geeignet ist.
Das Handy inklusive Navi ist auf der Piste wenig brauchbar. Die dicken Handschuhe lassen es weder zu, es aus der Tasche zu kramen, noch das Touchdisplay zu bedienen. Außerdem ist es in einem so gut erschlossenen Skigebiet wie Mayrhofen unnötig. Es sind mehr Hinweisschilder als an deutschen Straßen zu finden. Wer sich hier verfährt, dem dürfte auch kein Navi weiter helfen. Erst in der Almhütte kann ein Blick auf die zurückgelegte Strecke geworfen werden. Satski zeigt die gefahrenen Kilometer per Ski und Lift an, ebenso die durchschnittliche Geschwindigkeit. Außerdem und jetzt kommt es: Die gefahrene Höchstgeschwindigkeit. Sie wird mit 457 km/h angegeben. Das kann nicht ganz stimmen.
Einen Clou hat das Handyprogramm dennoch zu bieten. Es zeigt, wie der Skifahrer am schnellsten von seinem Standpunkt zu dem seines Wunsches möchte. Im Pistenwirrwarr gar nicht so schlecht, würde dem Handy bei der Routenberechnung nicht egal sein, ob ein guter oder schlechter Skifahrer das Gerät nutzt. Er schickt den Suchenden zwar auf den schnellsten Weg, dabei jedoch über Pisten jeder Schwierigkeitskategorie. Das ist nicht jedermanns Sache.
kab/ivb/news.de
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