«Gut kombiniert, Watson!»
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 20.02.2010
Zu undetektivisch? Wer sich für Guy Richies Interpretation des großen Meisterschnüfflers Sherlock Holmes nicht erwärmen kann, findet im PC-Spiel Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper virtuell mehr kriminalistischen Instinkt – seinen eigenen.
Es klingt ein bisschen nach Kampf der Giganten: Sherlock Holmes macht jagt auf Jack the Ripper. Kann die Literaturfigur klären, was Scotland Yard in der Wirklichkeit nie gelang? Er kann. Oder besser: Er versucht es - Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper.
In einer düsteren Nacht macht sich der Ripper in Whitechapel zu schaffen, einem ziemlich heruntergekommenen Stadtteil von London. Es ist der 31. August 1888. Unbeobachtet verrichtet der Mörder sein Werk und beschert der Freudendame Polly Nichols den letzen Atemzug – zwischen tristen, grauen Backsteinhäusern und dreckigen Straßenzügen.
Die örtliche Polizei ermittelt. Doch sie hat weder brauchbare Hinweise noch einen potenziellen Verdächtigen. Holmes Interesse ist geweckt. Was ihm fehlt, ist ein Auftraggeber, in dessen Namen er sich den vorläufigen Ermittlungsbericht der Polizei aushändigen lassen könnte. Also versucht es der Schnüffler mit Taktik: kleine Gegenleistungen erhalten die Freundschaft.
Doppelte Perspektive
Viel schneller stellen sich neue Hinweise auf den Täter dennoch nicht ein. Und der Meisterdetektiv hat noch immer nicht den geringsten Schimmer, wer der Mörder ist, als die nächste Prostituierte ihr Leben aushaucht. Und dann macht ihm auch noch die Polizei von Whitechapel einen Strich durch die Arbeit. Holmes ziehe zu viel Aufmerksamkeit auf das ohnehin schon ungeliebte Whitechapel. Doch Holmes wäre nicht Holmes, würde er sich von dem Fall zurückziehen, ohne ihn gelöst zu haben. Also schickt er Watson in die Spur...
Das 3D-Adventure punktet mit seiner sauberen Linie und der konsequenten Ermittlungstaktik. Es gehört aber auch zu jenen Genre-Vertretern, die nicht nur den eindimensionalen Blick bieten. Wer sich mit Holmes und Watson auf die Spur des Killers macht, kann die Geschichte mit den Augen der Figuren erleben oder aber sie mit einem einzigen Tastatur- oder Mausbefehl bei ihrer Arbeit beobachten.
Auch wenn die Steuerung leicht zu begreifen ist, die Bewegung des Maus-Cursors und der Druck auf die Leertaste zeigt die Interaktionsfelder, ist Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper ein Spiel, dass man Kindern nicht leichtfertig in die Hand geben sollte. Nicht nur, weil es im Rotlichtmilieu spielt. Die Beweisaufnahme geschieht mehr als einmal an einer Leiche. Deren Erscheinungsbild mag dem einer echten Toten nicht gleichen, doch es hinterlässt bleibenden Eindruck.
Kühle Emotionslosigkeit
Im Mittelpunkt des Spiels stehen die Dialoge der Figuren. Mal muss der Spieler sich hindurch navigieren. Ein andermal – meist nach dem Abschluss einer Aufgabe – übernimmt eine Videosequenz die Fortsetzung. Doch es gibt auch ein paar Kopfnüsse. Abgesehen davon, dass das Ermittlerduo seine Fakten miteinander verbindet und Schlüsse zieht, gibt es kleine Rätsel zu lösen. Die sind als Schlösserknackerei, Puzzle und ähnliches verpackt.
Den passenden Rahmen der vollvertonten Story setzt die Musik. Klassisch, instrumental und bisweilen dramatisch drängen sich die Klänge nicht auf, machen die Welt des Spürnasenduos aber lebendig. Ganz anders zeigt sich das in den Gassen. Während die Hintergrundgeräusche geschäftiges Treiben suggerieren, passiert im Blickfeld des Spielers ziemlich wenig. Vereinzelt laufen einem Figuren über den Weg, die aber keine Rolle spielen.
Fazit: Die Sherlock Holmes-Spielereihe hat viele Freunde gefunden. Und die Welt des Schnüfflers hat sich virtuell gut entwickelt. Doch was dem jüngsten Mitglied im Bunde fehlt, ist ein Hauch Spannung, ein dramatisches Quäntchen. Natürlich muss ein heller Kopf wie ihn Sir Arthur Conan Doyle einst ersann, einen kühlen, sachlichen Verstand an den Tag legen. Doch selbst die Morde, die der Spieler andeutungsweise aus den Augen des Rippers miterlebt, wirken aseptisch.
Der Fall selbst orientiert sich dicht an den damaligen Ereignissen. Allerdings sind die Kopfnüsse nur bedingt eine Herausforderung. Sie sind zwar logisch, aber oft zu leicht. Bestünde die Story nicht nur aus Figuren, die das Ganze in die Länge ziehen, ließe sich der Fall im Expresstempo lösen.
Titel: Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper
Genre: Point-and-Click-Adventure
Publisher: Focus Home
Entwickler: Frogwares
Preis: zirka 40 Euro
Sprache: Deutsch
USK: freigegeben ab 12 Jahre
Altersempfehlung der Redaktion: ab 14 Jahre
Plattform: PC (alternativ Xbox 360)
Veröffentlichungsdatum: 2009
Weiterspielen: Sherlock Holmes vs. Arsène Lupin, Agatha Christie: Das Haus an der Düne
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