Die Lust am Auspacken
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Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Artikel vom 19.02.2010
Sie ruinieren Hände und Vorfreude - hartnäckige Kunststoffverpackungen. Doch das muss nicht sein: Denn es gibt die frustfreie Verpackung, die Nerven und Umwelt schont.
Wie oft sind es die Kleinigkeiten, an denen man im Alltag scheitert. Schnell bestellt war die neue SD-Karte mit viel Speicherplatz für die Digitalkamera, doch als sie dann zuhause ankam, stand vor dem endlosen Fotovergnügen noch das Auspacken - und das wird schnell zum persönlichen Waterloo.
Genauso hartnäckig, wie die britische Infanterie seinerzeit Napoleons Truppen piesackte, schlingt sich die BlisterverpackungKunststoffverpackungen, der es dem Kunden erlaubt den Gegenstand zu sehen. Vor einer Papprückwand wird das Produkt präsentiert und von eine Kunststoffhülle fixiert. Quelle: wikipedia.de um das kleine Stück Technik und verteidigt es gegen jeden Auspackversuch. Ohne Gewalt gibt es hier kein Weiterkommen, die Verletzungsgefahr ist riesig..
Der Wahnsinn hat Methode
«Eine Blisterverpackung soll auch nicht leicht zu öffnen sein», erklärt Christoph Waldau, Geschäftsbereichsleiter bei Berndt & Partner Packaging Creality. Hauptargument dafür sei die Diebstahlsicherheit für die im Einzelhandel ausgelegten Produkte, so der Verpackungstechniker. Außerdem ließen sie sich einfacher im Geschäft platzieren, da sie an standardisierten Halterungen aufgehängt werden könnten. Doch neben ihrer Benutzerunfreundlichkeit bieten sie auch einen weiteren Nachteil - Blisterverpackungen verursachen viel Müll.
Gerade im Versandhandel zählen Argumente wie Diebstahlsicherheit oder Präsentation nicht. Immerhin bestellen die Kunden hier direkt im Netz und bekommen nicht die Gelegenheit, Waren direkt aus dem Lager des Versandriesens zu stehlen. Und da Amazon sich für ein stark kundenorientiertes Unternehmen hält und die Frustration über die widerspenstigen Blisterverpackungen bemerkt hat, gibt es nun die Initiative «Frustfreie Verpackungen».
Pappe statt Plastik
Amazon verzichtet bei seinen eigenen Produkten wie AmazonBasics oder dem Kindle auf Kunststoffverpackungen und steckt sie in leicht zu öffnende Kartons. Außerdem kooperiert der Online-Versandhändler mit Herstellern von Elektronikartikeln: «Diese liefern uns ihre Produkte direkt in der frustfreien Verpackung», erklärt Kathrin Schmitz, PR-Manager bei Amazon. So kommen zum Beispiel kleine Speicherkarten von Transcend und Hama in wiederverwendbaren Pappumschlägen bei ihren Käufern an.
Und die sind laut Schmitz von der Initiative überzeugt: «In den USA läuft das Programm bereits ein Jahr länger als in Deutschland. Insgesamt haben wir hier ein sehr positives Feedback bekommen. Kunden haben sogar eigene Fotostories oder Videos geschickt, in dem sie die frustfreie mit der herkömmlichen Verpackung vergleichen.»
Damit folgt das Unternehmen einem mittlerweile weit verbreiteten Trend: «Es gibt zwar immer auch kleine Branchenunterschiede, aber Einfachheit ist gerade einer der Trends beim Verpackungsdesign», erklärt Verpackungsspezialist Waldau, dessen Unternehmen unter anderem Verpackungskonzepte für Bayer und AVM erstellt.
Gut für Image und Umwelt
Waldau gefällt Amazons Ansatz, der für dieses Geschäftsmodell auch gut funktioniere. «Mit dem Verzicht auf Kunststoff, der ja auf Erdöl, einem erschöpflichen Rohstoff, basiert, tut Amazon gleichzeitig noch etwas für die Umwelt und sein gutes Image», sagt Waldau. Auch insgesamt fällt weniger Müll an.
Nachhaltigkeit spiele in der Verpackungsindustrie eine immer größere Rolle. So ist sich der Experte sicher, dass in ein paar Jahren immer mehr Kunststoffe gefragt sein werden, die biologisch abbaubar sind. Bis dahin seien aber Verpackungen aus Karton die bessere Alternative. Bei Amazon USA können Kunden bereits mehrere 100 Produkte kunststoff- und frustfrei verpackt bestellen, in Deutschland sind es bisher nur 39, erklärt Schmitz: «Unser Ziel ist es aber, den gesamten Produktkatalog so anzubieten.»
iwi/ivb/news.de
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