Das System macht's erst bequem
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Von news.de-Redakteur Karsten Busch
Artikel vom 18.02.2010
Erst das iPhone, nun die Konkurrenz: Es gibt derzeit so viele einzigartige Betriebssysteme für Handys wie nie zuvor. Unsere Übersicht erklärt, wo die Unterschiede und die Vor- und Nachteile liegen.
Früher hat man das Smartphone nach Betriebssystem gekauft, heute kann es schon mal vorkommen, dass ein Gerätehersteller mehrere Systeme unterstützt. Die wichtigsten Systeme werden im Folgenden erklärt.
Herstellerspezifische (Proprietäre)
Am Anfang kochte jeder Hersteller sein eigenes Süppchen und der Käufer traf nicht selten die Kaufentscheidung nach der Bedienbarkeit seines Telefons. Hervor stachen dabei Nokia mit einer sehr beliebten Bedienoberfläche und Motorola-Geräte, deren chaotische Menüs von den Testern immer wieder kritisiert wurden. Heute gibt es die unscheinbaren herstellereigenen Systeme nach wie vor, insbesondere bei den preiswerten Geräten. Teilweise werden sie mit Touchfunktion, verschiebbaren Anwendungen für den Startbildschirm, sogenannten Widgets oder optischen Effekten aufgehübscht, um dem iPhone-Hype in irgendeiner Weise Paroli bieten zu können.
Windows Mobile
Ende der 90er Jahre gab es Windows auch für Mobilgeräte mit der Bedienung via Eingabestift als Standard. Anfangs waren die Geräte allerdings reine Organizer, auch PDA genannt und deren Tastatur-Derivate, oft als Handhelds bezeichnet. Später wurden dann auch Telefoniefunktionen unterstützt, wobei allerdings die Gerätehersteller mit selbst entwickelten Programmen oft für den Komfort bei der Bedienung sorgen mussten. Denn Windows Mobile selbst stellte nur die Basisfunktionen bereit, lief aber vorrangig auf Business-Geräten und Smartphones und kaum auf klassischen Handys.
Dauerärgernisse für sehr aktive Nutzer waren der häufig zu knappe Arbeitsspeicher und dass Programme beim Schließen nicht richtig beendet wurden, sondern einfach weiterliefen. Dem gegenüber stand aber eine teils einzigartige Flexibilität bei der Anpassung der Oberfläche und eine riesige Auswahl an Zusatzsoftware oder Systemverbesserungen – ganz wie beim PC-Windows.
HTC peppte seine Windows-Mobile-Geräte mit der TouchFlo- und später mit der Sense-Oberfläche auf, um auch dem iPhone Paroli bieten zu können und den Stift weitmöglichst zu ersetzen. So richtig klappte das aber bis zur Version 6.5 nicht. Letzere war auch nur ein halbherziges Update für das Marktanteile verlierende System. Mit Version 7 soll das alles anders werden und Windows Mobile wieder zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz mit viel Spielerei fürs Auge und Fingerbedienung. Helfen sollen dabei auch Bedienelemente der Microsoft-MP3-Player
Symbian/S60
Ebenfalls ein Urahn unter den geräteübergreifenden Smartphone-Plattformen, durchlebt Symbian gerade eine schwere Zeit. Von Nokia, Sony Ericsson und weiteren entwickelt, war das System mit dem wohlklingenden Namen für Handys aller Art geeignet und verlangte nicht nach einem Stift. Der Nutzer kann vielfältige Anwendungen installieren, mehrere Programme können gleichzeitig laufen und die Multimedia- und Internetfunktionen wurden immer weiter ausgebaut.
In den letzten Jahren schwächelte die Symbian-Plattform jedoch, weswegen sich Nokia zu einem drastischen Schritt entschloss: Der Konzern kaufte alle Rechte am System, stellte es unter eine Open-Source-Lizenz und will es so wieder konkurrenzfähig machen. Mit Symbian^3 soll wieder ein echtes Gegengewicht zur Konkurrenz auf Handys und größeren Geräten laufen.
iPhone OS
Es schlug ein wie eine Bombe und ist bis heute bei der Art der Bedienung ungeschlagen. Der grafische Stil und die Animationen von iPhone, iPod und iPad setzen immer noch Maßstäbe für die Konkurrenz. Unter anderem deshalb, weil die Bedienung per Finger das Grundprinzip darstellt und konsequent umgesetzt wurde. Dass jeweils immer nur eine Anwendung laufen kann, dass keine Steckplätze für externe Speicherkarten vorgesehen sind und weitere Apple-typische Einschränkungen haben die Käufer bislang kaum verschreckt.
iPhone OS gibt es mittlerweile in der dritten Generation. Mit dem ins System integrierten App Store zum Erwerb und zur Installation von Zusatzprogrammen hat Apple Maßstäbe gesetzt. Alle Hersteller folgen diesem Modell und entwickeln ihrerseits ähnliche Lösungen – oder denken über eine plattformübergreifende nach.
Android
Nachdem das iPhone die Handywelt durcheinander wirbelte, konnten auch andere Branchengrößen nicht mehr zurückstehen. Das Google-Betriebssystem Android wurde mit ähnlicher Spannung wie das iPhone erwartet und konnte die Kunden und Tester begeistern, auch wenn das iPhone keineswegs durch die neue Konkurrenz in Gefahr geriet. Google investiert zur Zeit viel in die Weiterentwicklung seines Handysystems.
Dessen besondere Kennzeichen sind die vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten, unter anderem auf mehreren, verschiebbaren Startbildschirmen, der Android-App-Store und die starke Einbindung von Onlinediensten, natürlich auch jenen von Google. Android läuft künftig nicht nur auf Telefonen, sondern auch auf Laptops und Gerätegattungen zwischen diesen beiden Welten. Die Generation 2 ist derzeit aktuell und von Android wird noch einiges an Fortschritt zu erwarten sein.
Web OS
Einst der Star unter den Business-Assisten und der härteste Konkurrent der Windows-Mobile-Plattform, geriet die Firma Palm mit dem eigenen Betriebssystem Palm OS in den letzten Jahren stark ins Trudeln. Das neue, noch recht junge Modell Palm Pre ist der zum Erfolg verdammte Heilsbringer und wurde als direkter Konkurrent des iPhones konstruiert. Mit dem brandneuen und von Palm entwickelten Betriebssystem Web OS sollen Touch-verliebte Smartphone-Käufer gelockt werden. Web OS ist wie Android und iPhone OS für die permanente Anbindung an das Internet gebaut und will mit Intuitivität und Bedienfreundlichkeit punkten.
Mit dem Palm Pre als bislang einzigem Gerät mit Web OS, muss sich die Bedeutung und Wettbewerbsfähigkeit des Systems erst noch beweisen.
Samsung Bada (koreanisch für: Ozean)
Das brandneue Betriebssystem von Samsung soll mit der Offenheit für Fremdanwendungen an den Erfolg anderer App-Portale der Mitbewerber anknüpfen. Zur Steuerung dient die schon von anderen Handys bekannte Oberfläche TouchWiz, die mit verschiebbaren Elementen und Touchbedienung in den Gefilden von iPhone, Android und Co. wildert. Samsung setzt auf den hohen Marktanteil seiner Mobiltelefone und will mit Bada einen Massenmarkt für Smartphones schaffen. Der Protagonist des neuen Betriebssystems ist das Handy Wave. Dieses soll den Kunden das Bada-System ab April 2010 schmackhaft machen.
Jenseits der hier vorgestellten Kandidaten gibt es noch mehr Systeme. Die bekannten Blackberry-Geräte zum Beispiel laufen mit eigener Software und es gibt Pläne mit verschiedenen Linux-Systemen. Es handelt sich jedoch um Nischenprodukte oder solche, die noch in der Enwicklung stecken.
sis/news.de
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