«Wir sind keine Idioten in Uniform»
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 06.02.2010
Als Gene Roddenberrys Star Trek erstmals im Fernsehen gezeigt wurde, hat keiner an den Erfolg geglaubt. Heute ist das utopische Universum Kult mit einer internationalen Fangemeinde. In Deutschland bringt Dirk Bartholomä Fans und Schauspieler zusammen.
Es ist wohl die Mischung aus technologischem Fortschritt und der Glaube an eine Gesellschaft, die ihren Egoismus überwindet. Mit Star Trek hat US-Autor und Filmproduzent Gene Roddenberry viele Menschen begeistert.
So global wie Roddenberry dachte, ist auch die Welt der Trekkies. In Deutschland hat die Begeisterung mit der jährlich stattfindenden FedCon vor zehn Jahren ein neues Zentrum gefunden. Dirk Bartholomä hat dieses jährliche Treffen ins Leben gerufen und bringt so Fans, die inzwischen aus der ganzen Welt kommen, mit ihren Fernsehidolen zusammen.
Der 45-Jährige ist bekennender Trekkie und Fan, seit die Serie mit William Shatner als Captain James T. Kirk in den 1970er Jahren erstmals in Deutschland ausgestrahlt wurde. Schnell stand fest, was Bartholomä an den Samstagabenden im Fernseher seiner Eltern schaute. «Sie hatten nichts dagegen, auch wenn mein Vater gelegentlich lieber die Sportschau sehen wollte», blickt er zurück. Noch gut erinnert er sich an die erste Folge, die er gesehen hat: «Das war Reise nach Babel. Eine Krimifolge.»
Dass Star Trek keine tumbe Action-Serie war, faszinierte ihn: «Das Ganze hatte eine Botschaft. Probleme der Gegenwart wurden aufgegriffen, in vernünftige Geschichten gepackt und in der Zukunft gelöst.» Für Bartholomä war es eine Alternative. «Im Fernsehen, das waren damals nur drei Programme, gab es nur Gut gegen Böse. Bei Star Trek war das anders. Das hat sich später ja auch in The Next Generation und Voyager fortgesetzt.»
Von Tribbles und Rohrkreppierern
Doch obwohl Bartholomä schon drei Jahrzehnte von Roddenberrys Utopie begeistert ist, sagt er: «Mein Lieblingsfilm ist der neue Kinofilm. Die Geschichten der Vorgänger waren etwas eingerostet. J.J. Abrams hat hingegen versucht, Star Trek neu zu erfinden.» Das Problem früherer Filme sei gewesen: Nur Trekkies gingen dafür ins Kino. Der jüngste Blockbuster allerdings sei so aufpoliert worden, dass die Menschen ins Kino gehen konnten, ohne sich 40 Jahre Star Trek-Wissen aneignen zu müssen.
Auch unter den Serienfolgen hat er Lieblinge: «Am besten waren die Episoden mit den TribblesKleine, pelzige Wesen ohne erkennbare Körperkonturen. Ihr Leben besteht ausschließlich darin, sich zu ernähren und ständig zu reproduzieren. . Etwa die 100. Deep Space Nine-Folge, in der die Crew auf die alte Enterprise geschickt wird.» Doch auch den berühmten Schuss in den Ofen verschweigt der gebürtige Augsburger nicht: «Das war Weltraumfieber, in der Mr. Spock das PonFar durchmacht, die Paarungszeit der Vulkanier.» Damals habe man in Deutschland so getan, als sei Star Trek eine lustige Kinderserie und aus der ernsten Sache ein böses Fieber gemacht, das geheilt werden müsse. «Die Folge ist hierzulande völlig entstellt, aus dem Kontext gerissen und extrem geschnitten worden. Das war übel.»
Beruflich ist der 45-Jährige selbstständig: «Wir haben drei Onlineshops, betreiben den offiziellen deutschen Star Trek-Fanclub und veranstalten sowohl die RingCon als auch die FedCon», erzählt er. Dabei war gerade der Anfang letzterer nicht leicht. «Am Anfang habe ich Briefe an alle Adressen geschickt, die ich in die Finger bekam. Doch bei der ersten Con war nur Mr. Chekow (Walter Marvin Koenig).» Doch der war so begeistert, dass er seine Filmkollegen überredete, zu den folgenden Treffen zu kommen.
Trekkies sorgen für Völkerverständigung
Inzwischen sind es rund 20 Schauspieler aus den Serien und Filmen, die jährlich dabei sind. Doch einer der Höhepunkte für den Organisator war das Zusammentreffen mit Leonard Nimoy (Mr. Spock). «Er ist Jude, wie viele Schauspieler.» Und mancher habe eben Probleme mit der Nazivergangenheit Deutschlands. Doch Kollegen, die bereits bei der FedCon waren, hätten den Mimen schließlich überredet. «Anfangs war er sehr zurückhaltend, doch er wurde immer freundlicher», blickt Bartholomä zurück. «Dann stand er auf der Bühne und bekam von 5000 Leuten im Saal Standig Ovations. Jedesmal, wenn Nimoy versuchte, etwas zu sagen, klatschten sie. Zehn Minuten lang.»
Das habe den Darsteller sehr beeindruckt. So sehr, dass er in der monatlich in New York erscheinenden Zeitschrift Reform Judaism einen mehrseitigen Artikel über das geänderte Deutschland geschriebe hätte. «Damit haben wir zur Volkerverständigung beigetragen. Darauf bin ich richtig stolz», sagt der 45-Jährige.
Doch wer glaubt, der Trekkie laufe in Serien-Kluft herum, liegt daneben. «Das Bild wird uns aufgedrückt. Alle glauben, wir sind kleine Idioten, die in Uniform im Büro sitzen», wehrt Bartholomä ab. «Ich bin doch nicht bescheuert.» Das Klischee aber halte sich hartnäckig - weil in den 1980er und 1990er Jahren viele Fans im Star Trek-Outfit bei Fernsehsendern aufgetreten seien.
Den Durchschnittstrekkie aber gibt es nicht. Jeder lebt seine Leidenschaft anders. «Manche Leute interessieren sich für die alte Serie, andere wiederum nur für die neue. Dann gibt es die, die basteln, die Modellbauer und jene, die einfach nur die Bücher lesen, so wie meine Frau, die sich für die Geschichten von Captain Kirk und Mister Spock begeistert», sagt der Fan. Er selbst sammelt Figuren und kleine Statuen. «Aber nur aufwändige Sachen, kein Plastikspielzeug», betont Bartholomä.
Vom Trekkie zum echten Sternenflottenoffizier
Und manchmal geht die Leidenschaft soweit, dass auch Serien-Requisiten ergattert werden. «Im Büro haben wir inzwischen einen Original-Captains-Sessel. Der hat fast 2000 Euro gekostet.» Das sei seines Wissens nach der bislang teuerste Merchandising-Artikel. Zweitteuerstes Sammlerobjekt ist ein rund 80 Zentimeter langer, sehr detaillierter Nachbau des klassischen Star Trek-Raumschiffs mit rot und blau leuchtenden Warp-Gondeln. Dafür seien rund 1000 Euro fällig gewesen.
Darüber hinaus gibt es jene, die ihre Begeisterung im Verein leben. So gibt es zahlreiche Stammtische in ganz Deutschland, die sich Star Trek widmen, dafür gemeinsam ins Kino gehen, aber auch über andere Science-Fiction-Filme sprechen. «Und dann gibt es die Zocker unter uns, die nichts anderes machen, als Star Trek-Spiele zu spielen, wie das neue Rollenspiel Star Trek Online, in dem Spieler selbst Mitglieder der Sternenflotte werden können.
Bartholomä selbst spielt auch, ist seit Ende November des vergangenen Jahres Beta-Tester. Und er ist begeistert: «Es ist die richtige Mischung aus Weltraumkampf, Bodenmissionen, Rollenspiel, Interaktion und Handel.»
ivb/news.de
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