So., 12.02.12

«Star Trek Online» Aufbruch in unendliche Weiten

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 06.02.2010

Es ist die neue Dimension einer fast 50 Jahre alten Vision. Fleißige Programmiererhände haben geschafft, was Gene Roddenberry mit Fernsehkulissen gelang: Star Trek-Fans können mit Star Trek Online selbst zur Sternenreise aufbrechen.

06.02.2010
«Star Trek»
Das Prinzip Hoffnung
Video: news.de
06.02.2010
«Star Trek Online»
Der Kampf um den Frieden
Video: Namco Bandai
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«Star Trek Online»
Explosives im Vakuum
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06.02.2010
«Star Trek Online»
Treffen der Generationen
Video: Namco Bandai Partners

Wir schreiben das Jahr 2010. Und wir sind weit von einer Utopie entfernt, wie sie Gene Roddenberry mit Star Trek in den 1970er Jahren ersann. Doch der Traum, durch ferne Galaxien zu reisen, neue Spezies zu entdecken und unbegrenzt zu forschen, ist greifbarer denn je. Nicht real natürlich - doch mit dem Online-Rollenspiel Star Trek Online zumindest virtuell.

Lange sah es nicht danach aus, dass das MMORPGMassivly Multiplayer Online Role Playing Game: Dabei handelt es sich um ein Computerspiel, das ausschließlich über das Internet gespielt werden kann. Die Spieler schlüpfen, entsprechend der selbst gewählten Charaktere, in verschiedene Rollen, die wiederum Klassen und Rassen zugeordnet sind. Entsprechend dieser Auswahl besitzen die Figuren bestimmte Eigenschaften, die sich in verschiedenen Situationen vorteilhaft oder nachteilig auswirken können. MMORPGs zeichnen dadurch aus, dass der einzelne theoretisch gleichzeitig mit Millionen anderen Spielern interagieren kann. irgendwann einmal wirklich fertig werden würde. Geldnöte trieb die ursprüngliche Entwicklerfirma Perpetual Entertainment dazu, das gigantische Projekt aufzugeben. Die Cryptic Studios haben sich schließlich die Lizenzrechte gesichert und ein Spiel in die unendlichen Weiten des Internets geschickt, dass sich durchaus sehen lassen kann.

Die Story setzt 30 Jahre nach den Ereignissen aus dem Kinofilm Star Trek: Nemesis ein. Romulus ist vernichtet und die Klingonen nutzen die Gunst der Stunde, um ihren Drang nach territorialer Eroberung zu stillen. Die einstigen Verbündeten stellen sich damit gegen die Förderation der Planeten.

Doch ist das nicht die einzige Front, an der Starfleet zu kämpfen hat. Auch die Borg mischen eifrig mit. Allerdings hat das einst so mächtige Drohnenkollektiv dank einer kleinen Botschaft - Fans erinnern sich an die entsprechende Serienfolge - mit dem Virus des Individualismus zu kämpfen.

Der Charakter, eine optische Herausforderung

Für echte Trekkies und Neugierige, die auf die galaktische Reise gehen, bietet das Online-Rollenspiel gewaltigen Raum, um sich auszutoben. Das fängt schon an, noch bevor die Spieler in die Trainingsmission eintauchen können. Mehr noch als World of Warcraft lässt das Sciene-Fiction-Abenteuer freie Hand bei der Gestaltung der Avatare.

Die Auswahl der Spezies auf der Föderationsseite lässt schon erahnen, wie komplex und detailreich die Charaktergestaltung wird. Mensch? Oder doch Andorianer? Vielleicht lieber Betazoid oder Vulkanier? Oder eine der anderen, vielleicht sogar ein selbst kreierter Alien? Keine leichte Entscheidung. Dagegen ist die Wahl eines klingonischen Kriegsherren ein Kinderspiel.

Und es geht noch weiter: Haare, Augenform und Augenfarbe - von der Iris bis hin zum Glaskörper -, Stirnwülste, Tattoos, schmalbrüstig oder breitschultrig, groß oder klein, zig verschiedene Uniformen und diverse andere Details mehr sowie Spezialfähigkeiten - damit kann man als Spieler eine kleine Ewigkeit verbringen, ohne auch nur mit der ersten Mission beauftragt worden zu sein. Dass die eigenen Crewmitglieder, die sich im Lauf der Geschichte dazukommen, jederzeit ebenfalls optisch gepimpt werden können, sei an dieser Stelle nur vorsichtig erwähnt. Individualität wird in diesem Spiel groß geschrieben.

Ob das als vage Hoffnung zu nehmen ist, dass Star Trek Online eine echte Konkurrenz zu World of Warcraft mit seinen mehr als elf Millionen Spielern sein könnte? Nun, Potenzial hat das Sternenabenteuer auf jeden Fall. Obgleich Gene Roddenberrys Vision einer humanistischen Gesellschaft, die vorrangig diplomatisch mit anderen Völkern interagiert und nur im Notfall zur Waffe greift, hier nicht so richtig im Mittelpunkt steht.

Mit Warpgeschwindigkeit in andere Sternensysteme

Gewaltige Raumschlachten, heiße Gefechte bei den Bodenmissionen und taktische Aufträge bieten ein enormes Arsenal an kämpferischen Elementen. Das ist nicht ganz trekkig, dafür aber unerlässlich. Borg und Klingonen zuzuquatschen, um den Frieden für die Föderationsvölker zu erhalten, dass dürfte wohl auch dem innigsten Fan des Star Trek-Universums als völlig absurd erscheinen.

Wer jetzt Angst hat, das neue Sternenabenteuer könnte zur Ballerschlacht verkommen sein, darf beruhigt aufatmen. Die Balance zwischen Kampf und friedlichen Elementen ist zwar besser in den Griff zu kriegen. Doch Handel-, Hilfs- und Strategiemissionen haben ihren Platz durchaus gefunden. Und es gibt sogar ein paar Aufgaben, die die grauen Zellen ein wenig fordern.

Schritt für Schritt sammeln die Spieler neue Erfahrungen und können so Rang um Rang vom Lieutnant zum Admiral aufsteigen. Dabei ist egal, ob sie sich nun für eine taktische, eine wissenschaftliche oder eine Maschinistenkarriere entschieden haben.

Klar strukturiert haben die Entwickler den Bewegungsradius. Im Prinzip gibt es hier drei Ebenen: am Boden - auf Basen und Planeten -, im Sternensystem und in der gesamten Galaxie. Wer zu einer Mission aufbricht, sucht sich seinen Weg in der Regel über die Karte der Sternensysteme. Der Zielflug mit dem Raumschiff funktioniert auf der sehr gut einzublickenden Karte automatisch, kann aber auch manuell vorgenommen werden. Bei der Bewegungen innerhalb eines System oder bei den Bodenmissionen - die Karten hierfür sind räumlich stark begrenzt - ist dann Handarbeit gefragt, denn es entwickeln sich diverse Auseinandersetzungen mit bekannten und fremden Spezies.

Die Hürden der Technik

Wer genau hinhört und hinschaut, trifft auf Bekanntes: Das gilt für Stimmen wie Namen. Leonard Nimoy etwa verleiht dem Intro des Spiel seinen charakteristischen Ton. Und dann sind da noch die Nachfahren der klassischen wie der jüngsten Serienfiguren.

Die Steuerung des Spiels ist einfach, auch wenn der Spielbildschirm für Einsteiger zunächst etwas überfrachtet wirkt. Doch die Intro-Mission - in der vieles automatisch funktioniert - erklärt jede wichtige Aktion. Wer sich danach ins Abenteuer stürzt, sollte vor allem seine Schiffsschilde im Auge behalten, sonst arten die Schäden in eine kleine Explosion aus.

Was die Geschichte angeht, so kann Star Trek Online viele begeistern - und zwar nicht nur Männer. Aber es gibt auch einige Mängel. Interaktionen mit anderen Spielern sind bis auf die Chats noch etwas dürftig. Lokalisierungsfehler sind an der Tagesordnung. Auch wenn das Gros der Missionsaufträge bereits auf Deutsch verfügbar ist, sind Englischkenntnisse nötig. Es wird noch einige Zeit dauern, bis das Problem nicht mehr auffällt, doch das ist bei Onlinespielen nun einmal üblich. Und selbst World of Warcraft ist fast sechs Jahre nach seinem Start noch immer nicht fehlerfrei.

Auch das Kollisions- und Schadensmodell des Spiels hat noch Verbesserungen nötig. Ein Aufprall auf einen Asteroiden - wie er im Spiel bei Unaufmerksamkeit manchmal nicht zu vermeiden hat - müsste eigentlich Schäden hinterlassen. Im Spiel ist das bislang nicht der Fall. Darüber hinaus gehen Phaser-Strahlen gelegentlich einfach mitten durch die eigenen Teamkameraden.

Wer zum Abenteuer zwischen den Sternen aufbricht, muss sich zudem darauf einstellen, immer wieder mitten in der heißesten Schlacht aus dem Spiel zu fliegen. Zwar sind die Mühen der Spielemacher groß, die Server stabil am Laufen zu halten, doch gelegentlich gibt es Probleme. Die treten aber auch computerabhängig auf. Beim news.de-Test unter Windows Vista mischte sich mancher Absturz in die Freude, als Captain sein eigenes Raumschiff zu befehligen.

Um Ladezeiten zwischen einzelnen Sequenzen kommen die Spieler nicht herum. Mit einigen Ausnahmen sind die aber recht kurz. Der Sound des Spiels lässt keine Wünsche offen. Wer die Effekte aus dem Fernsehen im Ohr hat, wird auf vieles auch in Star Trek Online stoßen und manches davon sogar einer bestimmten Serie zuordnen können. Musikalisch bewegt sich das Spiel im starken, kontrastreichen Orchestersound, der sich angenehm einpasst und die jeweilige Dramatik einziger Szenen sehr gut unterstützt.

Und auch optisch erfüllt das MMORPG viele Wünsche: Der Blick aus dem Starfleet-Dock im Sol-System ist einfach wunderbar. Da wird der Wunsch nach Urlaub im Weltall gleich umso größer. Und auch die Planetenansichten, Nebel und Asteroidengürtel sind optisch ansprechend.

Fazit: Star Trek Online ist ein Spiel, dass man sich als Fan nicht entgehen lassen darf. Nur selten hat sich die Angst wie hier als unnötig herausgestellt, dass eine Geschichte floppt, an die hohe Erwartungen gestellt sind. Doch es lässt sich nicht unter den Teppich kehren, dass die Entwickler mit manchen Arbeitsstunden noch einiges herausreißen können - gerade was die Animationen der Figuren angeht.

Das aber kostet Geld. Und so bleibt den Fans nur zu hoffen, dass sich viele Spieler finden, die bereit sind, die monatlichen Abogebühren zu bezahlen. Schwer hat es das MMORPG in dieser Hinsicht ohnehin, denn mit World of Warcraft und Der Herr der Ringe Online gibt es zwei große Konkurrenten, die ebenfalls um die Zahlfreudigkeit von Videospielern buhlen. Eines aber ist sicher: Wer Science Fiction mag, ist bei der neuen galaktischen Schöpfung gut aufgehoben.

Und noch ein Tipp zum Schluss: Vorsicht vor den Tribbles. Die können zwar heilen, sind aber im Spiel mindestens genauso verfressen und fortpflanzungsfreudig wie in den Serien. Also das Inventar lieber aufräumen!

Titel: Star Trek Online
Genre: Online-Rollenspiel (MMORPG)
Publisher: Atari/Namco Bandai
Entwickler: Cryptic Studios
Preis: zirka 60 Euro (Collector's Edition zirka 80 Euro), hinzu kommt eine monatliche Abo-Gebühr
Sprache: Deutsch/Englisch
USK: freigegeben ab 12 Jahre
Altersempfehlung der Redaktion: ab 14 Jahre
Plattform: PC
Veröffentlichungsdatum: Februar 2010

kab/news.de
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«Star Trek Online»: Aufbruch in unendliche Weiten » Technik » Nachrichten

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