Mo., 13.02.12

Flachlautsprecher Surround aus dem Wandgemälde

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber

Artikel vom 27.01.2010

Flachlautsprecher sind für viele Audio-Experten eine Beleidigung für die Ohren. Guter Sound braucht eben Platz. Das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie will mit seinen ultraflachen Lautsprechern genau das Gegenteil beweisen.

«Es gibt durchaus schon Flachlautsprecher mit einem sehr guten Klang, wenn sie mit einem entsprechenden Abstand zur Wand aufgestellt sind», erklärt Daniel Beer vom Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie. 

Die Wand stört den Klang

Problem der flachen Klanggeber: «Von der Lautsprechermembran geht Schall nach vorne genauso wie nach hinten weg. Von einer Wand wird der hintere Schall reflektiert, dieser wiederum überlagert seinerseits den Schall, der von der Membran nach vorne abgestrahlt wird», so Beer. Resultat: Tiefe Töne werden schwächer und Töne im mittleren Bereich werden verfälscht.

Dieses Problem löst man mit einem Gehäuse. Dieses ist jedoch mit Luft gefüllt, die sich zur Membran wie eine Luftpumpe verhält und somit ihrerseits ebenfalls die Klangqualität des Lautsprechers beeinflusst – die Membran muss gegen diese Luftfeder ankämpfen, dazu braucht die einen möglichst starten Antrieb. Da eine Membran aber relativ flexibel ist, würde ein zu starker Antrieb nur den Teil der Membran bewegen, an dem er angesetzt ist – das Klangerlebnis wäre dahin.

In normalen Boxen steckt deshalb eine trichterförmige Membran – diese Form sorgt für die nötige Steife, damit nur ein Antrieb die Fläche nach vorn und zurück bewegen kann. «Diese Trichterform ist aber für einen Flachlautsprecher völlig ungeeignet. Unser Ansatz ist es deshalb, viele kleine Membranflächen in Form kleiner Kopfhörerlautsprecher von je eigenen Antrieben bewegen zu lassen. Das ermöglicht die besonders flache Bauform», sagt Beer und erklärt weiter: «So können unsere Lautsprecher auch direkt an die Wand gehängt werden, ohne dass es zu Störungen der Klangqualität kommt.»

Guter Bass braucht Platz

Malte Ruhnke vom audio-Magazin bleibt trotzdem skeptisch, gerade dann, wenn es darum geht, die Lautsprecher für ernsthafte HiFi-Zwecke zu verwenden: «Es gibt bereits ähnliche Technologien von anderen Herstellern. In Tests zeigte sich immer wieder, dass diese Lautsprecher besonders Probleme mit dem Bass und dem Grundton hatten. Und deshalb immer dünner als konventionelle Lautsprecher klangen, wenn kein Subwoofer zur Unterstützung bereit stand. Außerdem drohen ab einer bestimmten Lautstärke Verzerrungen.»

Das sei ein einfaches physikalisches Problem: Um tiefe Töne zu erzeugen, muss die Lautsprechermembran viel Luft bewegen, erreichen kann man dies zum Beispiel mit einer großen Membran oder mit kleineren, die dafür aber mit mehr Hub schwingen müssen und dafür auch entsprechend Volumen benötigen. Das sei in Flachlautsprechern nicht zu realisieren. Tatsächlich räumt auch Beer ein, dass die Fraunhofer-Entwicklung die Unterstützung eines Subwoofers bräuchte.”

Endstation Lautsprechertapete

2,4 Zentimeter sind die flachen Lautsprecher und können mit einem schalldurchlässigen Stoff bespannt werden, der gleichzeitig als Leinwand für Gemälde oder Fotos dienen könnte. Damit wären die Lautsprecher im Raum quasi unsichtbar und Teil der Dekoration.

Beer kann sich auch vorstellen, die Lautsprecher in Möbel, Türen oder Autos zu integrieren. «Unser Ziel ist aber der Tapetenlautsprecher, der weniger als 1 Millimeter breit ist. Denn guter Sound braucht viele Boxen und die müssen ja auch irgendwie untergebracht werden.»

ped/reu/news.de
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Flachlautsprecher: Surround aus dem Wandgemälde » Technik » Nachrichten

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