So., 12.02.12

Eine für Alle Der Herr der Fernbedienung

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber

Artikel vom 31.12.2009

Wer sie hat, ist der Chef auf dem Sofa - Universalfernbedienungen verweisen ihre einfachen Konkurrenten auf die hinteren Plätze und übernehmen die absolute Vorherrschaft über Fernseher, DVD-Player und Soundsystem. Doch die vermeintlich Allmächtigen haben auch ihre Tücken.

Eine Fernbedienung sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und auf ewig zu Binden. Die Herren der Fernbedienungen warten mittlerweile mit verschiedenen Strategien auf, die Geräte im Wohnzimmer unter ihre Kontrolle zu bringen und ihre einfachen Konkurrenten auf ewig in die Verbannung zu schicken.

Günstige Modelle nicht für komplexe Heimkinos

Einfachere Universalfernbedienungen gibt es schon um die 20 Euro, allerdings darf dann der Wortbestandteil «universal» auch nicht ganz so ernst genommen werden. Oft ist nämlich die Anzahl der steuerbaren Geräte stark begrenzt. Hierzu zählt beispielsweise Vivancos Titan UR 2400. Das Gerät kann maximal über vier Geräte herrschen. Komplexe Heimkinosysteme sind für die günstige Vivanco zu viel.

Heimkinofans sollten da etwas mehr investieren. So kann zum Beispiel die Philips SRT 9320 Prestigo 20 Geräte bedienen und hat einen Touchscreen, dafür kostet sie auch noch etwas mehr als 100 Euro. Im Test der Zeitschrift Satvision punktet sie mit einer hochwertigen Verarbeitung und einfacher Bedienbarkeit. Außerdem kann man die Philips an den Computer anschließen, um Firmware-Updates und Senderlogos für das 2,8 Zoll große Display herunter zu laden. Mehr geht allerdings nicht.

Beide Geräte verfügen über eine sogenannte Infrarotcode-Datenbank. Vorinstalliert sind hier vor allem Geräte bekannter Markenhersteller. Programmiert werden die Universalsteuerungen dann entweder über einen Code, der den zu bedienenden Geräten oft beiliegt, oder über einen Suchlauf, bei dem die Fernbedienung selbst einzelne Codes durchtestet, bis der richtige gefunden ist. Obwohl die Philips per USB an den PC angeschlossen werden kann, kann sie nicht über den Computer programmiert werden.

Lernen und dann zuschlagen

Problematisch wird es bei diesen Fernbedienungen dann, wenn sie ein Gerät steuern sollen, dessen Code sie nicht kennen. In diesem Fall verfügen solche Fernbedienungen in der Regel über eine Lernfunktion. Damit können einzelne Befehle von der abzuschaffenden Originalfernbedienung übertragen werden und dann den Tasten der Universalisten zugeordnet werden. Dazu greifen sie auf die Infrarot-Signale der Originale zu und speichern sie ab – beide brauchen dazu nur «Blickkontakt». Hat die Neue erst einmal gelernt, macht sie die Alte gnadenlos überflüssig.

Universalfernbedienungen mit Online-Datenbank

Die Redakteure des Computermagazins c't haben in ihrer Home Entertainmet-Ausgabe zwei Universalfernbedienungen mit Online-Datenbank getestet. Die Kandidaten waren die One for All Xsight Touch und Logitechs Harmony One.

Beide Modelle kosten über 100 Euro: Die Harmony One gibt es bei einigen Online-Händlern bereits ab etwa 130 Euro mit Versand, die Xsight Touch bekommt man hier ab etwa 143,90 Euro. Steuern können sie 15 beziehungsweise 18 Geräte.

Beide Wohnzimmer-Generäle, wie sie die c't-Redakteure nennen, haben einen großen farbigen Touchscreen und sehen ansonsten aus wie normale Fernbedienungen. Allerdings unterschieden sich beide stark in der Haptik: «Obwohl sie genauso lang wie die One ist, wirkt die Xsight wesentlich klotziger und liegt auch schlechter in der Hand. Vor allem ihre oberen Funktionstasten sind viel zu mickrig, während die restlichen der 44 Tasten taktil recht wenig Unterschiede bieten, sodass man sich im Blindflug schnell verliert», heißt es im c't-Test.

Anders als die vorher beschriebenen, greifen diese beiden Universalfernbedienungen auf eine Infrarotcode-Datenbank im Internet zu – das schafft zumindest im Vergleich zu den herkömmlichen Modellen Zukunftssicherheit, da man die beiden Generäle, bei gepflegter Datenbank, so mit immer neuen Gerätecodes versorgen könnte. Über USB werden beide an den Computer angeschlossen. Während die Logitech dabei sowohl Windows ab XP und Mac ab 10.3 unterstützt, kommt die Xsight Touch nur mit Windows XP und Vista zurecht.

Und tatsächlich kommt man bei beiden Geräten nicht um den Einsatz des Computers herum: Die Xsight lässt sich zwar auch offline programmieren, hat aber laut c't nur einen kleinen Fundus aus vorinstallierten Codes an Bord. Die Logitech kann nur über den PC programmiert werden. Dafür bescheinigen die Redakteure der c't der Logitech-Online-Datenbank eine hohe Trefferquote, auch weniger verbreitete Geräte seien im Angebot. Falls der eigene Blu-Ray-Player nicht dabei sei, stehe auch hier ein Lernmodus zur Verfügung, «die erfassten Codes gehen in einen Pool und stehen (nach einer Überprüfung) allen Nutzern zur Verfügung.» Die Xsight kann da nicht ganz mithalten.

Wer soll das bedienen?

In der Theorie klingt das relativ einfach – Codes überspielen beziehungsweise eingeben und los geht's. In der Praxis ist das nicht so einfach. Die Redakteure der c't kommen deshalb zu folgendem Fazit: «Damit alles so läuft, wie man sich es vorstellt, muss man für die Konfiguration mehrere Stunden investieren.» Für mal eben zwischendurch sind die Wohnzimmer-Generäle also nichts, sie wollen nicht nur die Vorherrschaft im Wohnzimmer, sondern dafür auch viel Aufmerksamkeit. Gerade die Lernfunktion wird für ungeübte und ungeduldige Nutzer schnell zu viel.

sgo/news.de
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Eine für Alle: Der Herr der Fernbedienung » Technik » Nachrichten

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