Weltweit und günstig Die moderne Nomadentelefonie

Internettelefonie, das klingt umständlich und unzuverlässig. Ist sie aber nicht. Die Vorteile überwiegen den Wechselaufwand, wenn auch nicht jeden. Und genau genommen nutzen wir sie alle schon, ganz automatisch.

Internettelefon im Router (Foto)
Moderne Router sind mittlerweile Telefonanlagen fürs Internet. Bild: istockphoto

Internettelefonie ist nicht halb so exotisch wie der Begriff vermuten lässt. Vor über zehn Jahren wurde die letzte analoge Vermittlungsstelle mit digitaler Technik modernisiert. Seit dem gibt es im Prinzip kein Unterschied zwischen Internettelefonie und Festnetzt mehr. Längst jagen wir beim Telefonieren - ohne es zu wissen - Bits und Bytes über die Datenautobahn. Lediglich die Technik, die aus Worten kleine Datenpakete macht, ist aus der Vermittlungsstelle zum Nutzer gewandert.

Das reduziert die Kosten beim Anbieter und senkt die Preise für die Verbraucher. Telefonieren dann noch beide Gesprächspartner über denselben Anbieter, sind Gespräche oft sogar kostenlos. Kosten entstehen erst, wenn der Übergang ins Fest- oder Mobilfunknetz realisiert werden muss. 

Internettelefonie: Das Überall-Festnetz

Kleine Investitionen oder spezielle Telefone

Sparen kann bei der Internettelefonie zwar nur, wer vorher ein wenig in Technik investiert. Die Mindestvoraussetzungen fallen aber bescheiden aus. Neben einem normalen Breitbandanschluss (schneller als ISDN) sollten als Minimalanforderung ein normaler Computer und ein preiswertes Headset (Kopfhörer mit Bügel-Mikrofon) genügen. Zur Not tut es auch ein Laptop mit eingebautem Mikro.

Vom jeweiligen Telefonie-Anbieter wird meist kostenlos eine Software zur Verfügung gestellt, die schon alle nötigen Einstellungen enthält. Ein solches Programm macht aus dem PC ein Telefon. Eine Alternative sind PC-Internettelefone, die einem Hörer nachempfunden sind und per USB mit dem Computer verbunden werden. Nachteil beider Lösungen: Zum Telefonieren muss der Rechner eingeschaltet sein.

Ständig erreichbar

Für eine ständige Erreichbarkeit muss eine Lösung her, die unabhängig vom PC arbeitet. Besonders einfach zu handhaben sind die sogenannten IP-Telefone. Statt eines Telefonkabels stöpselt man ein Netzwerkkabel vom Router in das Gerät. Das Telefon verhält sich wie ein normales Komfort-Telefon. Einfachere IP-Telefone gibt es schon für weniger als 50 Euro. Sollen bereits vorhandene Telefone, Anrufbeantworter und auch Faxgeräte mit Einschränkungen weiter genutzt werden, hilft ein Adapter, der zwischen Netzwerk- und Telefonkabel vermittelt. Auch diese Geräte gibt es passend für zwei analoge Telefone für weniger als 50 Euro.

Besonders komfortabel sind Geräte, die alle haushaltsüblichen Kommunikationslösungen nach Art einer Telefonanlage in sich vereinen. Internet, WLAN, analoges Telefon und Internettelefonie werden über dieses Gerät abgewickelt und gesteuert. Populärstes Beispiel sind die FRITZ!Boxen des Berliner Herstellers AVM, aber auch viele Router anderer Hersteller bieten ähnliche Funktionen. Beim Kauf sind hier die Stichworte IP-Telefonie oder «Voice over IP» (VoIP)Aus dem Englischen: Sprachübertragung zwischen zwei Netzwerkgeräten, also beispielsweise im Internet. entscheidend. Auch die meisten der in vielen DSL-Haushalten vorhandenen Telekom-Router der Speedport-Reihe haben eine Funktionalität für Internettelefonie. Die lässt sich auch für andere Anbieter nutzen.

Will man eine eigene Telefonnummer, sollte man nicht auf Anbieter wie Skype oder GoogleTalk zurückgreifen, welche auf Benutzernamen basieren. Die eigene Nummer bekommt man von einem Anbieter wie beispielsweise Sipgate. Die Zuteilung aus dem heimatlichen Ortsnetz ist kostenlos und erfolgt meist umgehend. Mit den passenden Zugangsdaten ist man sofort unter der neuen Nummer erreichbar. Für abgehende Gespräche und Extras wie Anrufbeantworter muss jedoch das Guthabenkonto aufgeladen werden. Schließlich kostet auch Internettelefonie Geld.

Billig oder weltweit mit einer Nummer erreichbar?

Spätestens beim Blick auf die Tarife der Internettelefonie-Anbieter stellt sich wohl jeder die Frage: Lohnt sich das für mich? Die Antwort lautet wie so oft: Kommt drauf an. Internettelefonie ist günstig, aber: Verfügt man schon über einen Festnetzanschluss mit DSL und Flatrate für das deutsche Festnetz, wird man wohl kaum auf die Idee kommen, für Ferngespräche extra zu zahlen.

Auch bei Gesprächen ins Ausland oder in die Mobilfunknetze lohnt sich der Vergleich zwischen den oft billigeren Call-by-Call-Anbietern (Billgvorwahlen) und der Internettelefonie. Wer Call-by-Call in seinem Paket (von 1&1, Alice, Arcor etc.) nicht nutzen kann, fährt aber mit einem günstigen Internettelefonie-Anbieter in der Regel billiger. Licht in den Tarifdschungel bringen Vergleichsseiten wie teltarif.de oder toptarif.de

Besonders interessant ist die Internettelefonie bei Nutzungsvarianten bei denen es nicht in erster Linie um die Kostenersparnis geht. So ist eine beispielsweise nomadische Nutzung der Nummer auch in Verbindung mit dem Laptop (siehe oben) möglich. Die eigene Telefonnummer aus dem Heimatnetz begleitet den Inhaber so an jeden Ort der Welt, ohne dass man zuhause etwas abstöpseln oder ummelden muss.

Ein schneller Netzzugang im Hotel, Internetcafé oder in der Flughafenlobby reicht aus. So bleibt man günstig erreichbar und die Anrufer ahnen vielleicht gar nicht, wohin ihr Gespräch vermittelt wurde. Besonders elegant: Handys oder Smartphones mit integriertem WLAN und der Fähigkeit zur Internettelefonie. Sobald ein kabelloses Netzwerk in Reichweite ist, kann kostengünstig über das Internet telefoniert werden.

Auch Nutzer mit einem reinen DSL-Anschluss, ohne Telefon, bleiben per Internettelefonie unter einer Festnetznummer für andere günstig erreichbar, ohne sich langfristig zu binden. Kurzum: Internettelefonie ist vor allem eine interessante Lösung für Vielreisende, Festnetzabtrünnige oder notorische Mobiltelefonierer.

kab/news.de

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