Zukunftsküche Minimalistisch, schnörkellos, geradlinig

Cocoon (Foto)
Sieht so die Mikrowelle der Zukunft aus? Cocoon schlägt seinen Nutzern die Kochzeiten vor und sieht aus wie ein Edelstein. Bild: Electrolux

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Kochfeld und Co. sind längst nicht mehr nur langweilig und funktional. Das richtige Design spielt heute eine immer größere Rolle. Doch was ist gerade angesagt und wo führt die Reise hin?

Eine Küchenfront aus edlem dunklen Holz erstreckt sich vom Boden bis zur Decke in der neuen Küche. Ein gläserner Backofen mit weiß abgesetztem Touchdisplay ist auf Augenhöhe in die Front eingepasst, direkt daneben brüht der Einbau-Kaffeevollautomat gerade einen frischen Latte macchiato. Leicht herausgestellt setzt sich die Küchenzeile mit Glas-Spülcenter in einem helleren Holzton von der dunklen Front ab.

Küche ist heute ein Gesamtkunstwerk

Wasserkocher und Mikrowelle in weißem Plastik haben hier nichts mehr verloren, das Design wird bei Haushaltsgeräten immer wichtiger. Das haben auch die Designer der großen Hersteller entdeckt. Frank Benold, Senior Design Manager bei Electrolux, begründet den steigenden Stellenwert so: «Die technischen Plattformen der Geräte werden heute immer vergleichbarer - dem entgegen steht der Wunsch der Kunden ihre Küche ganz individuell und personalisiert an ihre Lebenssituation angepasst zu gestalten. Das muss das Design auffangen.»

Design-Hausgeräte
Funktional und schön

Das bedeutet aber keineswegs, dass eine Kaffeemaschine heute durch einen schrillen Farbmix auffallen oder ein Elektroherd sich von der Küchenfront durch eine auffällige Form absetzen muss. Ganz im Gegenteil: «Die Formsprache wird immer zurückgenommener », sagt Robert Sachon, Chefdesigner bei Bosch Hausgeräte. Dieser Meinung ist auch Benold. «In den vergangenen Jahren wurden Küchengeräte immer minimalistischer, schnörkelloser und geradliniger», erklärt der Designer.

Zurück in die Vergangenheit

Die Geräte passen sich den Küchenmöbeln an. Beide Industrien müssen deshalb immer enger zusammenarbeiten, um die Küche als Gesamtkunstwerk zu inszenieren. Nicht nur in Zukunft, sondern schon jetzt. Robert Sachon erklärt, dass der derzeitige Haupttrend in der Küchengestaltung Glas ist: «Wir führen Küche und Küchengerät zusammen. Die Gerätefronten sind zu 100 Prozent auf die Gläser der Küchenfronten abgestimmt. Wir arbeiten mit teilsatiniertem Glas, bei dem der Kontrast zwischen glänzenden und matten Oberflächen einen ganz eigenen Reiz entwickelt. Das Glas erhält dadurch eine völlig andere weiche Haptik, welche sich zudem angenehm reinigen lässt.»

Frank Benold schaut noch ein paar Jahre weiter in die Zukunft.: «Die Küchenindustrie wird zunehmend dekorativer. Sie holt sich gezielt Anleihen aus der Geschichte, zum Beispiel beim Chippendale-Stil aus dem 18. Jahrhundert. Umgesetzt werden diese Designideen mit den aktuell gefragten Materialien. Das sieht zum Beispiel so aus, dass ein Holzküchentisch auf gedrechselten Marmorfüßen steht. Diese Entwicklung macht auch uns als Gerätedesigner freier.» Seiner Meinung nach, wird sich dieser Trend in den nächsten drei bis vier Jahren auch auf dem normalpreisigen Küchenmarkt niederschlagen.

Zukunftsmusik

Bisher kann man verlässlich nur etwa drei bis vier Jahre in die Zukunft des Haushaltsgerätemarkt blicken. Electrolux war das nicht genug. In diesem Jahr veranstaltete das Unternehmen deshalb seinen Wettbewerb «Design Lab» unter dem Motto «Design für die kommenden 90 Jahre». Damit können die Gestalter von Electrolux sehen, wie sich junge Menschen ihre Zukunft vorstellen, um daraus zu lernen und manche Einfälle vielleicht sogar umzusetzen, erklärt Benold. Gewinner in diesem Jahr war der schwedische Student Rickard Hederstierna mit seinem «Cocoon», einer intelligenten Mikrowelle im Edelsteindesign.

DDR-Technik
Ingenieurskunst aus dem Osten

Futuristisch ist auch der Wasserspender des chinesischen Studenten Penghao Shan. Er wirft kleine Kugeln in die Luft, wenn es regnet und sammelt die Tropfen ein, anschließend reinigt er das gesammelte Wasser selbst. Der «Water Catcher» muss aus einem völlig neuen Material sein, da es seine Transparenz wechseln soll, außerdem muss es recycelbar sein.

Ist Design alles?

Das edelste Design kann aber nicht über schlechte Energiewerte, verwirrende Bedienbarkeit und geringe Funktionalität hinwegtäuschen. Obwohl beispielsweise das Glaskeramik-Kochfeld PKN675N34D von Bosch in diesem Jahr mit dem «reddot design award» ausgezeichnet wurde, konnte es die Redakteure von Stiftung Warentest nicht überzeugen, sie urteilten: «Teuer, aber nicht gut» und gaben dem Kochfeld nur ein «Befriedigend». Das lag vor allem am Stromverbrauch und der Bedienbarkeit. Gleiches Schicksal ereilte auch LG mit seinen Waschmaschinen.

Gerade Küchen kosten schon mal mehrere zehntausend Euro. So eine Investition muss sich bezahlt machen, am besten indem sie auch mehrere Jahrzehnte das Auge erfreut. Was auf den ersten Blick eine geniale Designidee scheint, ist auf den zweiten Blick vielleicht nur noch ein gute und auf den dritten Blick hat man sich sattgesehen. Ein Problem sind bei besonders aufwändig gestalteten Geräten zum Beispiel Swarovski-Kristalle. Auch Frank Benold bewertet solche Designideen eher kritisch:«Das Thema ist wohl sehr kurzlebig. Als Highlight ist es vielleicht noch schick. Aber um dauerhaft zu überzeugen, ist so etwas einfach zu modisch.»

kat/kab/nbr/news.de

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