Mo., 13.02.12

Jogging-Technik Schweig still, schlechtes Gewissen

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber

Artikel vom 16.11.2009

Wer ist daran schuld, wenn man nicht richtig schwimmen kann? Die Badehose? Und nun haben auch Jogger die perfekte Ausrede, warum es mit dem Laufen nicht so recht klappen will: Die teure GPS-Sporttechnik funktioniert nicht.

«Jetzt! Genau jetzt fange ich an. Ich mache mehr Sport! Ich tue etwas für meinen Körper.» Wer fühlt sich da nicht ertappt? Die Vorsätze sind gut, ehrenhaft und vernünftig. Doch selten siegt die Vernunft über den Körper. Am Ende setzt er sich doch durch und der strategisch geplante Jogging-Zeitplan muss zu Gunsten von Fernsehen, leckerem Essen, einer Flasche Bier oder einem guten Glas Wein weichen. Die Vernunft ist da chancenlos. Das sorgt für ein schlechtes Gewissen und das ist unerträglich.

Die Strategie, um dieses schlechte Gewissen zum Schweigen zu bringen: Ausreden. Die Selbstlüge ist bequem und tut in so einem Fall auch keinem weh. Die anderen machen es doch auch: Mannschaftssportler gehen nicht zum Training, weil die Leute gerade irgendwie doof sind. Fahrradfahrer fahren nicht, weil das Vorderrad gerade irgendwie Luft verliert. Schwimmer schwimmen nicht, weil die Badehose gerade zwickt. Und nun hat man auch als ambitionierter Jogging-Anfänger ein perfektes Alibi: Man läuft nicht, weil man noch keine übertrieben teuren Jogging-Accessoires hat. Oder wahlweise, weil diese nicht funktionieren.

Bevor man sein Jogging-Pensum also überhaupt beginnen kann, braucht man eine Sportuhr, die auf dem neuesten Stand der Technik ist, mit GPS, Tacho und Wasserfestigkeit bis zu 1000 Metern. Außerdem braucht man noch ein Profil in einer der vielen Jogging-Communities, um sich mit anderen Sportlern messen zu können. Immerhin will man es ja von Anfang an gleich richtig machen.

Den Kauf kann man nun wiederum durch neue Vorwände vor sich hinschieben, was den Start der viel versprechenden Jogging-Karriere weiter verzögert. Hat man dann die teure Technik, dann dauert es, bis sie richtig eingestellt ist. Wenn dann alle Einstellungen stimmen, dann muss man schon kreativer werden. Aber auch hier bieten sich allerhand Ausreden an: Die Batterie war zu schwach, man verträgt das Armband nicht und so weiter. Ehe man es sich also versieht, hat man sich viele Möglichkeiten geschaffen, um abends doch auf der Couch sitzen zu bleiben. Mittlerweile dürfte so viel Zeit vergangen sein, dass man seine Läufer-Ambitionen auch beruhigt aufs nächste Jahr verschieben kann. Und das schlechte Gewissen ist ganz ruhig, denn es waren ja die äußeren Umstände, die die eigenen Pläne durchkreuzt haben.

mik/kat/reu/news.de
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