Kommentar zur e-Card

Gespräche statt gläserner Patient

Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager

Die e-Card, wie sie derzeit geplant ist, schenkt wenig Vertrauen. Das liegt vor allem daran, dass kaum jemand weiß was sie leisten soll. Auch ist zu befürchten, dass Mediziner dann noch weniger Zeit für ein Gespräch mit dem gläsernen Patienten haben.

Der Datenschutz kann derzeit gar nicht gewährleistet werden, wie so oft versprochen, weil nicht sicher ist, wer, wann und unter welchen Umständen die Daten auf der elektronischen Karte ergänzen, verändern oder löschen darf. Ob das Ganze auf einem wenig vertrauenserweckenden Server oder nur auf der Karte abgelegt wird, steht genauso in den Sternen wie eine Einigung darüber, welche Daten überhaupt angelegt werden und ob der Patient nicht selbst auch über das Internet Informationen eintragen kann, wie etwa seine täglichen Blutzuckerwerte. 

Selbst bei der Annahme, dass alle Patienten versiert genug sind, dass sie mit so viel neuer Technik zurecht kommen, sind derzeit noch zu viele Fragen offen, um sich mit gutem Gefühl für die elektronische Patientenakte zu entscheiden.

Denn: Können zu viele Menschen auf die Akte zugreifen, ist zu befürchten, dass falsche Daten ihren Weg in das Patientenprofil finden. Das kann im Zweifelsfall verheerende Folgen haben. Sind nur sehr wenige Personen berechtigt zuzugreifen, wird eine flexible Änderung zu schwierig, um das elektronische Gesundheitsabbild immer auf dem Laufenden zu halten.

Es mag sein, dass im Einzelfall Informationen, die auf einer e-Card gespeichert sind, helfen, schneller die richtige Hilfe zu leisten. Doch in solchen Moment sollte vielleicht auch ein handbeschriebenes Kärtchen in der Brieftasche oder ein Vermerk im Taschenkalender die gleiche Funktion erfüllen können. Zumal ein Zettel schneller gelesen ist als eine elektronische Karte. Menschen mit Allergien, chronischen Krankheiten, einer seltenen Blutgruppe oder Überempfindlichkeiten bei bestimmten Medikamenten haben meist Übung darin, sicherzustellen, dass diese lebenswichtigen Informationen irgendwo leicht auffindbar vermerkt sind.

Im Übrigen ist der menschliche Körper keine Maschine, dessen Defekte und Besonderheiten wie bei einem Auto einfach vermerkt und jederzeit abrufbar sein sollten. Das immer wieder aufs Neue geführte Gespräch mit dem Arzt, mag es noch so nervig sein, kann Leben retten. Schließlich verändert sich unser Körper ständig, entwickelt neue Wehwehchen, während andere im Selbstheilungsprozess nicht mehr ins Gewicht fallen.

So führt vielleicht ein harmloser Nebensatz, eine besondere Gestik oder Mimik, oder ein erneut durchgeführter Test den Arzt auf die richtige Spur, zu der er über die reinen Daten, die auf der e-Card gespeichert wurden, nie gekommen wäre. Vielleicht hätte er auch nie gefragt. Mediziner verbringen bereits heute viel zu wenig Zeit mit ihren Patienten. Wenn das nun durch eine elektronische Bequemlichkeit auch noch reduziert wird, könnte das fatale Folgen haben.

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mik/news.de
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