Konsole mio
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 04.11.2009
Eine neue Konsole ist immer ein heißer Kandidat für ein Geschenk. Bei der PSPgo sollte das allerdings gut überlegt sein. Denn der Handheld hat seine schönen Seiten, aber auch ärgerliche Macken. News.de hat sich beides angeschaut.
Schlanker, kleiner, handlicher - Sony hat bei seinem jüngsten Konsolenkind deutlich abgespeckt. Trotzdem muss sich der Handheld PSPgo (Playstation Portable go) erst noch beweisen. Denn vielfach galt das neue Modell tragbarer virtueller Unterhaltung als verzweifelter Versuch, mit Nintendos Markterfolg Schritt zu halten.
Doch die PSPgo trennen Welten vom Nintendo DS. Und das ist nicht einmal schlecht. Denn der Neuling auf dem Konsolenmarkt geht viel stärker in Richtung multimediale Unterhaltung als es der DS bislang kann. Denn mit der PSPgo hat man Videos, Filme und Fotos ständig dabei. Zudem ist das Kommunikationsprogramm Skype bereits vorinstalliert, ebenso so wie ein RSS-Kanal, der Nachrichten bietet. Internetradio und Internetbrowser sind ebenfalls Teil des kleinen Multimediacenters.
Optisch erweckt die Konsole den Eindruck, ein Fitnessprogramm hinter sich gebracht zu haben. Mit fliegengewichtigen 160 Gramm und der schwarzen Klavierlackoptik auf Vorder- und Rückseite wirkt die Konsole richtig sexy. Und schick - auch wenn die ewigen Fettfinger kaum wegzuputzen sind.
Doch die Edeloptik verliert in dem Moment an Charm, in dem der Slider aufgeschoben wird. Und das liegt nicht nur daran, dass das Oberteil der Konsole - ebenso wie die beiden Schultertasten am Konsolenkörper etwas wacklig daher kommen. Auch das innere Gesicht der PSPgo ernüchtert. Die schwarz-matte Plastikoptik macht die Eleganz zunichte, daran kann auch ein kleiner Silberstreifen, der die Konsole umläuft sowie D-Pad und Steuertasten absetzt, nichts ändern.
Kristallklare Bilder
Wettgemacht wird das durch die insgesamt saubere Verarbeitung des Geräts. Zudem sind D-Pad, Steuertasten und Analog-Stick (funktioniert wie ein kleiner Joystick) stabil und sprechen gut auf die Bedienung an. Brillant kommt schließlich auch der LCD-Monitor im 16:9-Format auf der Oberseite des Sliders daher. In drei Helligkeitsstufen regulierbar zeigen sich kristallklare Bilder mit gutem Kontrastverhältnis. Da lassen sich ohne Abstriche Videos und Filme auch unterwegs prima gucken. Zudem ist das Display groß genug, um ohne umständliches Suchen durch das Menü der Konsole zu navigieren.
In Sachen Darstellung hat die PSPgo da also die Nase deutlich vor dem Nintendo DS. Doch bei beiden Konsolen gilt auch weiterhin: Wer lange auf die Anzeige schaut, muss mit ermüdenden, schmerzenden Augen rechnen.
Als unpraktisch erweist sich der Kopfhöreranschluss an der schmalen Frontseite. Mit stabilen Klinkensteckern bleibt man gut und gerne mal an der Kleidung hängen. Zudem ist die Lautstärke über die Konsole nicht stufenlos regelbar.
Dafür bietet der Einschaltknopf der Konsole eine praktische Doppelfunktion: Hier wird die PSPgo nicht nur unter Strom gesetzt. Wer den Schalter in die entgegengesetzte Richtung schiebt, schützt das Spielgerät vor versehentlichen Eingaben. Ähnlich funktioniert auch das Prinzip der Drahtlosverbindung. Die wird schlicht per Schieberegler aktiviert oder ausgeschaltet. Zudem funkt der Handheld auch per Bluetooth.
Frust bei PSP-Vorbesitzern
Eine der wesentlichsten Neuerungen hat mit dem Spielen selbst zu tun. Wer die UMDs des Vorgängers auf dem neuen Gerät spielen will, der wird vergebens nach einem passenden Slot suchen. Die hat Sony schlicht wegrationalisiert - und zwar aus wirtschaftlichen Gründen. Zu leicht ließ sich der Kopierschutz der kleinen Speichereinheiten umgehen. Abgesehen davon steigert der Konzern seine Gewinne aus dem Verkauf, weil nämlich die Kosten für Distribution, Presswerk, Verpackung, Zwischenhändler und vieles mehr wegfallen.
Für die Fans des Vorgängermodells beginnt da allerdings der große Frust. Ursprünglich hatte Sony nämlich angekündigt, dass sich die alten Spiele auf die neue Konsole übertragen lassen. Wer auf der PSPgo zocken will, wird zum Kompromiss gezwungen, weil der Umweg über andere Geräte zwangsläufig ist.
Das kann zunächst der heimische WLAN-Access-Point sein. Allerdings steht vor dem Download über die Drahtlosverbindung zunächst die Konfiguration. Und dafür braucht man die Verschlüsselungsdaten, die gut und gerne mal verlegt werden. Obendrein muss der Spieler, um sich Spiele herunterladen zu können, ein Nutzerkonto bei Playstation Network haben. Das ist zwar kostenlos. Doch wer nicht mit einer Internetflatrate gesegnet ist, für den kann es teuer werden.
Alternativ lässt sich das tragbare Spielgerät per Direktverbindung zu einer Playstation 3 bestücken. Die Gerätekommunikation ist vorinstalliert. Nutzt dem aber nichts, der nur die kleine Konsole besitzt.
Dritte Variante ist der heimische PC mit Internetanschluss. Per mitgeliefertem Spezial-USB-Kabel lassen sich die notwendigen Daten vom Rechenknecht auf den Taschenspieler übertragen. Freilich muss dafür zunächst Spezialsoftware - die der iTunes-Oberfläche ziemlich ähnlich sieht - auf dem Computer installiert werden.
Teurer Spaß
Wer sich zu einer der Varianten durchgerungen hat, findet mit dem integrierten 16 Gigabyte großen Flashspeicher aber zumindest für den Anfang genügend Platz. Der lässt sich per Memory Stick Micro im neuen M2-Slot erweitern. Allerdings sind die Speicher nicht gerade preisgünstig: 16 Gigabyte kosten etwa 65 Euro.
Ärgerlich ist aber noch einiges andere. Ist der Akku defekt lässt er sich nicht austauschen. Geht das USB-Kabel einmal kaputt, mit dem sich der Handheld an einen Rechner anschließen lässt, muss teuer nachgekauft werden. Den Sony setzt hier auf ein Spezialkabel, statt auf gängige Standards.
Zu haben ist die PSPgo wahlweise in schwarzer oder weißer Optik. Allerdings schlägt sie preislich ordentlich ins Kontor. Mit im Schnitt 250 Euro Anschaffungskosten - in denen lediglich das Spezial-USB-Kabel und ein Netzteil inbegriffen sind - ist die der Handheld sogar teurer als die Xbox 360 Arcade und schwimmt damit locker im Segment der stationären Konsolen mit. Zusatzgeräte, etwa für die Nutzung als GPS-Gerät im Auto oder als Foto-Kamera, sind ebenfalls nicht ganz preiswert.
Fazit: Für die wenigen echten Vorteile, die die neue Konsole mit sich bringt, ist sie maßlos überteuert. Auch wenn die PSPgo Fotos, Filme und Musik äußerst transportabel macht. Wer das Gerät als Geschenk ins Auge fasst, sollte sich gut überlegen, ob der zu Beschenkende davon auch etwas hat. Für Kinder ist Konsole nämlich wenig geeignet. Zu groß ist die Abhängigkeit von anderen Geräten: die Konsole muss für den heimischen Access-Point eingerichtet oder der PC mit noch mehr Spezialsoftware ausgestattet werden. Und ohne Nutzerkonto beim Playstation Network geht es auch nicht. PSPgo ist ohne Internet deshalb wie Currywurst ohne Soße.
kat/news.de
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