E.de, mo.de und 321.de - in Zukunft wird es in Deutschland Webadressen bestehend aus Zahlen, nur einem oder zwei Buchstaben geben. Die Vergabe der neuen Webdomains läuft ab morgen 9 Uhr und ist bereits sehr umstritten.
Wieder ist VW Schuld an allem - diesmal jedoch nicht aufgrund von illegalen Lustreisen oder dem Kauf der deutschen Fußballmeisterschaft mit dem VFL Wolfsburg. Diesmal ist das Internet dran. Bald wird es in Deutschland eine Reihe neuer Internetadressen geben, und zwar bestehend aus Zahlen oder eben aus ein oder zwei Buchstaben. Bisher galt die Mindestlänge von drei Buchstaben vor dem «.de».
Warum ausgerechnet VW? Weil der Konzern die Webadresse «vw.de» vor Gericht eingeklagt hatte. Dagegen konnte sich die für die deutschen Adressnamen zuständige zentrale Registrierungsstelle Denic selbst vor dem Bundesverfassungsgericht nicht wehren - die obersten deutschen Richter lehnten die Beschwerde ab.
Nun muss die Denic tun, was sie, aus technischen Gründen, strikt verhindern wollte: Zahlen und ein- oder zweistellige Buchstabenkombinationen als Internetadresse zulassen. Neu ist auch die Freigabe von Domains, die einem Kfz-Kennzeichen oder einer so genannten Toplevel-Domain entsprechen. Adressen wie «hh.de» oder «de.de» können dann online gehen. Die Maximallänge einer Domain beträgt 63 Zeichen.
Für Privatleute ist vorab eins wichtig: Sie können an dem Vergabeverfahren nicht direkt teilnehmen. Dieses Recht räumt die Denic nur ihren 274 Mitgliedern ein, allesamt Provider. Wenn Lieschen Müller also an die Adresse «lm.de» kommen möchte, muss sie das bei einem der Onlineunternehmen anmelden. Ob sie dann die Adresse bekommt, steht in den Sternen und hängt auch von ihrem Kontostand ab.
Furcht vor Vergabechaos
«Um für alle Internet-Nutzer nun Rechtssicherheit zu schaffen, mussten wir jetzt schnell reagieren», sagte Denic-Chefin Sabine Dolderer heise online. Im Klartext: Man musste schnell handeln, um weiteren Prozessen wie dem gegen VW aus dem Weg zu gehen. Dafür wurde eilig ein Vergabeverfahren ausgerufen. Kritiker bemängeln: zu eilig. Denn nun ist ein Vergabechaos zu befürchten. In den ersten vier Tagen rechnet Denic mit mehr als 200.000 Anfragen.
«Das ist der absolute Wahnsinn», beschwerte sich Tobia Marburg, Chefin von domainfactory, nach der Denic-Ankündigung spontan in ihrem Unternehmensblog. Sie bemängelte, dass es schwierig sei, auf die Schnelle die erforderlichen Systemanpassungen durchzuführen und gleichzeitig eine Vorregistrierung auf die Beine zu stellen. «Wir sitzen ja nicht rum, drehen Däumchen und warten auf gute Gelegenheiten, um mal wieder was zu tun zu haben.»
Andere Provider haben das Vergabeverfahren schnell als Chance begriffen, um ihre privilegierte Position in bare Münze umzuwandeln. Dabei kommt ihnen zugute, dass nur sie sich für die Adressen bewerben dürfen.
Teures Roulette um Domains
Das System funktioniert folgendermaßen: Pro Minute kann jeder teilnehmende Provider maximal vier Wünsche einreichen. Wer zuerst eine Domain nennt, bekommt den Zuschlag. So arbeiten die Provider derzeit fieberhaft Listen aus, für welche Domains sie sich in welcher Reihenfolge bewerben.
Einige Onlinedienste berichten bereits, dass das eine oder andere Unternehmen seine Listenplätze verkaufen würde. Laut heise online flössen dabei vierstellige Summen für frühe Positionen. Andere Denic-Mitglieder würden ihr Bewerbungsrecht sogar komplett zum Kauf feilbieten. Das Problem daran: Die Bieter können nie sicher sein, ob sie ihre Wunschdomain letztlich auch erhalten. So kann es sein, dass man für seinen Listenplatz Geld bezahlt hat, am Ende jedoch leer ausgeht. In jedem Falle profitieren die Provider, das Risiko liegt allein beim Domainbewerber. Die Denic lehnte eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen ab.
Auf das schnelle Geld hoffen jedoch auch andere. So genannte Domain-Grabber, die sich einen Adressnamen nur sichern, um ihn danach weiterzuverkaufen, stehen bereits Schlange. Eine entsprechende Auktion gibt es zum Beispiel auf der Seite der 1&1-Tochter Sedo. Hier ist schon vor dem Beginn der Registrierung zu sehen, welche Namen als besonders wertvoll angesehen werden: Ganz oben auf der Wunschliste standen am Mittwoch «pc.de» und «tv.de», für die jeweils bereits mehr als 40.000 Euro geboten wurden.
Letztlich werden auch die Anwälte im Nachhinein gut verdienen: Denn Unternehmen, die sich ihren Namen oder ein Produkt haben schützen lassen, werden um ihre Adresse vor Gericht kämpfen. Ein geordnetes Vergabeverfahren sieht anders aus.
Leserkommentare (1)
Das wird nur zu noch mehr Phishing - Seiten führen, wenn man www.g.oogle.de eingibt und sich auf einem gefakten Server einloggt.
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