HD ist nicht gleich HD
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Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Artikel vom 14.09.2009
Bis zu fünffach schärfere Bilder verspricht die Werbung - doch zwischen hochauflösenden Filmen gibt es gewaltige Qualitätsunterschiede. HD bei Youtube oder Onlinevideotheken können die Schärfe der Blu-ray Disc nicht annähernd erreichen.
Fast alles trägt heutzutage das Siegel High Definition (HD): Bereits kleinste Digitalkameras oder billige Minicamcorder zeichnen Videos hochaulösend auf, die Ergebnisse sind dann bei Youtube zu bestaunen. Onlineportale wie Maxdome oder iTunes bringen Videofilme in HD bequem per Mausklick auf den PC-Bildschirm oder den Fernseher.
Dabei ist die Qualität letztlich sehr unterschiedlich und kann zum Beispiel nicht mit HDTV-Sendern mithalten; an die Qualität des DVD-Nachfolgers Blu-ray-Disc kommen sie schon gar nicht heran. Für Verwirrung sorgt nun, dass sich vieles HD nennen darf, weil die Definition des Standards sehr weit gefasst ist. «Theoretisch haben Youtube, Maxdome oder iTunes recht, da sie die einzige Anforderung an HD erfüllen: Das Videobild muss 720 Zeilen haben», sagt Christoph de Leuw von der Audio Video Foto Bild.
Ein TV-Bild setzt sich aus vielen kleinen Punkten zusammen. Wenn man ganz nah an den Bildschirm herangeht, sind diese Pixel auch zu erkennen. Das funktioniert wie ein Mosaik: Je mehr einzelne Scherben verwendet werden, desto detailreicher wird das Bild. Nur sind die einzelnen Stücke beim Mosaik meist durcheinander angeordnet. Nicht so auf dem TV-Bildschirm, hier stehen die Bildpunkte exakt in Reih und Glied.
Das normale Fernsehen sendet ein Bild für 576 Bildzeilen. Bei HD wird das Bild in entweder 720 oder 1080 Zeilen auf den Fernseher übertragen. Mehr Zeilen bedeutet mehr Punkte und mehr Details - das Bild wird hochauflösend. «Nur sind mehr Bildzeilen nicht der einzige ausschlaggebende Faktor für die Bildqualität: Ebenso wichtig ist die Datenrate», erklärt der TV-Experte de Leuw. «Und da hapert es teilweise, vor allem bei Youtube.»
Die Datenrate gibt an, wie viele Informationen pro Sekunde auf den Fernseher übertragen werden. Ein höherer Wert bedeutet automatisch mehr Details, Farbe, Schärfe und weniger Bildfehler. Um im Vergleich mit dem Mosaik zu bleiben: Es kommt nicht nur darauf an, wie viele Scherben man zur Verfügung hat, sondern auch wie farbkräftig sie sind.
«Zwar ist das Bild bei Onlinedownloads wie bei Maxdome detailreicher als auf der DVD. Schwenkt die Kamera jedoch schnell, kommen deutlich sehbare Bildfehler vor, was auf der DVD aufgrund der höheren Datenrate weniger ausgeprägt ist», so de Leuw. iTunes und das IPTV-Angebot Entertain der Deutschen Telekom seien hier besser und würden fast die Qualität von HDTV-Sendern erreichen.
Alles in den Schatten stellt die Blu-ray Disc: Nur sie bietet Full HD, also Videos mit 1080 Bildzeilen, bei denen immer das komplette Bild angezeigt wird. TV-Sender wie Anixe HD strahlen zwar auch 1080 Bildzeilen aus, nutzen aber einen Trick. Sie zeigen nie das ganze Bild an, sondern nur Teilbilder. Dafür werden abwechselnd die Zeilen 1,3,5 und so weiter und im nächsten Bild die Zeilen 2,4,6 und so weiter angezeigt. Weil das sehr schnell geht, setzt das Gehirn die Teile zu einem kompletten Bild zusammen. Die Sender sparen sich so teure Übertragungskapazitäten, allerdings auf Kosten der Schärfe bei schnellen Bewegungen.
Die Blu-ray bietet nicht nur die maximale Auflösung, sondern auch die höchste Datenrate. Für das Bild stehen 40 Mbit/s zur Verfügung, für den Ton noch einmal 13 Mbit/s. Das ist das sieben- bis neunfache der Maxdome-HD-Filme. Allein für den Ton ist auf der Scheibe fast die doppelte Bandbreite eines gesamten Maxdome-HD-Films reserviert. Vorausgesetzt man hat eine teure Heimkinoanlage, lässt sich so der bestmögliche Kinoklang erleben. Außerdem spricht für den TV-Experten de Leuw noch etwas anderes für die Blu-ray: «Es gibt viel mehr hochauflösende Filme auf Blu-ray, das Angebot bei den Downloads ist noch sehr begrenzt.»
news.de-Fazit: HD ist nicht gleich HD: Gerade in Sachen Schärfe haben Youtube-Videos mit einem Blu-ray-Film so viel gemein wie Paprikas mit Chilies.
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