Diebstahlsicherung Klaustopp an der Kaufhaustür

Das Sicherheitsetikett soll Kunden an das Bezahlen an der Kasse erinnern. (Foto)
Das Sicherheitsetikett soll zahlungsunwillige Kunden daran erinnern, dass sie die Ware auch an der Kasse bezahlen müssen. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Runde und viereckige Plastiketiketten, dünne und etwas dickere Aufkleber - Warensicherungen kommen in vielen Formen und Funktionsweisen. Um Dieben das Handwerk zu erschweren, werden einzelne Produkte mittlerweile sogar mit eingebauter Diebstahlsicherung ausgeliefert.

Schrilles Fiepen, alle drehen sich zum Ausgang: Die Diebstahlsicherung hat einmal mehr Alarm ausgelöst. Ein Dieb oder nur Falschalarm? Die Frau mit der Einkaufstüte ist intuitiv von den Sicherheitsscannern, auch Antennen genannt, zurückgewichen. Erschrocken geht sie zurück zur Kasse. Entwarnung, die Kassiererin hat die Sicherung nicht deaktiviert. Dafür fährt sie mit dem Kleidungsstück erneut über eine Art Plastikkissen - jetzt kann die Kundin das Geschäft verlassen.

«Die Quellensicherung, also die Integrierung der Warensicherungstechnik in das Produkt, ist in Deutschland noch relativ schwach verbreitet», sagt Willy Derichs, Inhaber des Warensicherheitsunternehmens Novatec. In Deutschland nutze Mediamarkt bereits diese Möglichkeit, auch mancher Schuh verlässt die Fabrik bereits gesichert. In Frankreich und Spanien kommt die Quellensicherung bereits seit längerer Zeit zum Einsatz, dort befindet sich die Diebstahlsicherung zum Beispiel als eingenähtes Etikett im Anzug, bei Getränkeflaschen unter dem Schild oder im Schaft der Bohrmaschine.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland schätzungsweise Waren im Wert von knapp drei Milliarden Euro gestohlen, schätzt das EHI Retail Institute, ein Marktforschungsinstitut der Handelsbranche. Davon gingen 1,9 Milliarden Euro auf unehrliche Kunden zurück, eine Milliarde Euro Schaden entstand durch die Angestellten. Jeder deutsche Haushalt stiehlt damit im Durchschnitt 50 Euro an Waren - trotz Diebstahlsicherungen. Für die Bekämpfung von Ladendiebstahl geben deutsche Unternehmen im Schnitt 0,3 Prozent des Umsatzes aus, also eine Milliarde Euro. Schätzungsweise 30 Millionen Delikte blieben jährlich unentdeckt.

Doch als neue Allzwecklösung sieht Derichs, dessen Unternehmen unter anderem H&M, Mediamarkt und Deichmann beliefert, die Quellensicherung nicht. «Das wird sich im deutschen Einzelhandel nicht flächendeckend umsetzen lassen, weil es unterschiedliche Technologien gibt. Damit müssten die Hersteller für verschiedene Geschäfte unterschiedliche Etiketten herstellen», so das Fazit Derichs. Somit bleibt es wohl in der Breite bei den bisher bereits bekannten Aufklebern und Plastiketiketten.

Dazu kommt es ab und an zu Fehl- und Falschalarmen, die für jeden ehrlichen Kunden peinlich sind. Fehlalarme sind der deutlich seltenere Fall einer falschen Funktionsweise der Technologie. «Bei auf Radiofrequenzen beruhenden Systemen kann es schon einmal passieren, dass komisch aufgewickelte Drähte in der Handtasche den Alarm auslösen, weil sie fälschlicherweise als Etikette erkannt werden», sagt Frank Horst, Sprecher des Arbeitskreises Sicherheit beim EHI. Ungleich häufiger seien die sogenannten Falschalarme, bei denen an der Kasse vergessen wurde, die Etiketten abzunehmen oder zu deaktivieren.

«Auch bei bestimmten Bauteilen von Elektrorollstühlen sind bei uns schon Fehlalarme aufgetreten», fügt der Novatec-Geschäftsführer Derichs hinzu. Computerchips wie auf Sparkassen- oder Kreditkarten würden den Alarm jedoch ebenso wenig auslösen können wie die Simkarten von Handys. Außerdem verschwinden diese alten Systeme aufgrund technischer Nachteile und einer erhöhten Strahlenbelastung. «Der häufigste Grund für Fehlalarme ist völlig banal: Das Personal hat die Produkte zu nah bei den Antennen am Ausgang aufgestellt», so Derichs.

Die Zukunft der Warensicherung sehen die meisten Experten in den RFID-Chips. «Der Vorteil dieser Chips ist es, dass man mit ihrer Hilfe auf den Waren Informationen speichern kann», erklärt Derichs. Diese Entwicklung kommt nicht direkt aus dem Sicherheitsbereich, sondern ist eher für die Hersteller interessant, die damit ihren Artikel logistisch deutlich besser verfolgen können. Derichs spricht hier davon, dass die Ware «intelligent» gemacht wird. Und in diese Chips ließe sich dann auch der Warendiebstahlschutz unkompliziert integrieren. «Das ist aber noch Zukunftsmusik, ein Prozess, der noch mehrere Jahre dauern wird.» Sicherlich nicht zuletzt auch, weil Datenschützer sich gegen RFID-Chips wehren, da Unternehmen so Daten über das Kaufverhalten oder Bewegungsmuster erheben könnten.

Einen anderen Ansatz zeigt Novatec mit seiner digitalen Warensicherung auf. Dabei soll die Funktion digitaler Geräte so lange blockiert bleiben, bis sie an der Kasse bezahlt wurden. «Der Vorteil ist, dass die Ware dann für keinen Dieb funtioniert - sei es nun beim Zulieferer, dem Personal im Laden oder dem unehrlichen Kunden», wirbt Derichs für seine DiSa genannte Technologie. Bislang bietet Novatec das neue Verfahren für USB-Sticks und SD-Speicherkarten an. Simply safe (einfach sicher), wie Novatec für DiSa wirbt - zumindest solange die Technologie nicht gehackt wird.

Weiterführende Links:

Glosse: Kaufhausdiebe lieben Safer-Sex

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