«Man darf nicht paranoid sein»
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Wie kann man als Nutzer gegenüber Google anonym bleiben?
Böhme: Eine Möglichkeit, Google auszutricksen, sind so genannte Cookie Cooker. Das ist ein Programm, das im Hintergrund die Cookies mit anderen Nutzern des Programms austauscht. Dann surft man quasi mit den Cookies seiner Freunde und die von Google gesammelten Daten werden unscharf. Diese Variante ist jedoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen: Cookies werden nämlich auch für den Zugang zu kostenpflichtigen Seiten genutzt. So kann es sein, dass jemand anderes Zugriff auf mein Online-Zeitungsabo erhält.
Gibt es noch andere Möglichkeiten?
Böhme: Wenn man das wirklich konsequent machen möchte, ist das wahnsinnig aufwendig. Dennoch kann es sich auch für den normalen Nutzer lohnen, sein Surfverhalten zu verschleiern. Denn nicht nur Google greift Daten ab, manchmal liest am Arbeitsplatz auch der Chef oder zu Hause auch der Partner mit. Bei wichtigen Dingen, zum Beispiel wenn man sich zum Kündigungsrecht, zu ausgefallenen Krankheiten oder zum Scheidungsrecht informiert, sollte man seine Privatsphäre schützen.
Und wie funktioniert das am besten?
Böhme: Zuerst sollte man im Firefox-Browser die Privateinstellungen aktivieren. Dann tauchen die besuchten Seiten nicht in der History, also im Verlauf der besuchten Seiten, auf. Außerdem gibt es Anonymisierungsdienste, wie zum Beispiel AN.ON oder Tor. Damit ist man technisch gesehen relativ sicher. Allerdings schützen diese Dienste auch nicht vor Bedienfehlern, also wenn ich gewollt oder ungewollt Informationen ins Netz stelle, die Rückschlüsse auf mich erlauben.
Fast jeder hat sich schon einmal selbst gegoogelt und dürfte sich gewundert haben, was sich da so alles findet. Was kann man tun, um negative Dinge, die bereits im Internet sind, loszuwerden?
Böhme: Das Internet vergisst nichts. Deswegen rate ich zur Ruhe. Macht man sich nicht durch den Versuch, die peinlichen Dinge loszuwerden noch lächerlicher? Solange es sich nicht um Beleidigungen oder falsche Tatsachenbehauptungen handelt, würde ich es einfach ignorieren. Wir müssen zu einem neuen Umgang mit dem Internet finden.
Aber was ist, wenn man gemobbt und beleidigt wird - oder wenn peinliche Partyfotos das nächste Bewerbungsgespräch gefährden könnten?
Böhme: Hier würde ich unterscheiden. Bei Beleidigungen oder schlimmem Mobbing würde ich mich zuerst an den Urheber der Nachrichten und den Betreiber der Seite wenden. Wenn der in Deutschland sitzt, dann ist das meist kein Problem. Reagiert der nicht oder hören die Beleidigungen partout nicht auf, sollte man den Anwalt einschalten. Sitzt der Betreiber im Ausland, wird es schwierig.
Und die Partyfotos?
Böhme: Damit, finde ich, muss man leben. Es gehört auch zur Persönlichkeit, dazu zu stehen, wie man sich früher verhalten hat. Das ist ja auch in der Offline-Welt so, dort kann man peinliche Partyfotos auch nicht so einfach verschwinden lassen. Irgendwann leistet man sich selbst immer mal einen Ausrutscher - und die anderen auch. Die Zeit heilt, und viele andere Erfahrungen kommen dazu. Negatives wird von positiven Nachrichten überlagert.
Aber wenn man aufgrund solcher Bilder einen Job nicht bekommt, ist das schon eine neue Dimension.
Böhme: Wir haben hier ein Übergangsproblem. Die Leute sind mit dem Medium Internet noch nicht vertraut und machen Fehler. Das ist ein Lernprozess, bald werden diese Peinlichkeiten seltener auftreten. Hier müsste man mit den Eltern anfangen und an der Schule eine geeignete Medienerziehung durchführen. Denn eins ist klar: Es gibt keine andere Möglichkeit. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass das Internet ein viel größeres Publikum anspricht und immer alles auffindbar ist.
Dr. Rainer Böhme ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Informatik an der Technischen Universität Dresden. Sein Forschungsgebiet sind ökonomische und soziale Aspekte von Datenschutz und Datensicherheit.
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