Mo., 13.02.12

Vorleser-Streit Amazon verbietet dem Kindle das Wort

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach

Artikel vom 02.03.2009

Unter dem Druck von Buchautoren und Verlegern blockiert der Online-Händler Amazon.com die Vorlesefunktion seines elektronischen Buchs Kindle 2. Ab sofort bestimmen die Verleger, ob ihr Buch laut gelesen werden darf oder nicht.

Amazon gibt klein bei, möchte jedoch trotzdem Recht behalten: «Die experimentelle Text-to-Speech-Technologie des Kindle 2 ist legal», heißt es gleich zu Beginn der Pressemitteilung. «Weder wird eine Kopie erstellt, noch ein abgeleitetes Werk erstellt, noch eine öffentliche Vorstellung gegeben.»

Auslöser des Streits ist die Möglichkeit, sich die Texte vom Kindle 2 vorlesen zu lassen. Dabei hat man die Wahl zwischen einer elektronischen Frauen- und einer Männerstimme. Gegen diese Funktion lief die US-Autorengewerkschaft «Authors Guild» Sturm. Aus Sicht der Autoren ist der neue Kindle eine Gefahr für die Hörbuchverkäufe. Die Autoren erhalten von Amazon Tantieme für die Nutzung als elektronisches Buch, nicht aber für Hörbücher. Ihre Forderung: Entweder zahlt Amazon mehr - oder die Technologie muss abgeschaltet werden.

Der Autorengewerkschaft geht es nicht vordergründig um den Kindle, vielmehr wollen sie frühzeitig ein Exempel statuieren, um von der Digitalisierung nicht ähnlich überrumpelt zu werden wie ihre Musiker- und Filmkollegen zuvor. Die Vorlesefunktion des Kindle kann Hörbücher nicht ersetzen - noch nicht, würde die «Authors Guild» argumentieren. Und tatsächlich hat die Technologie große Fortschritte gemacht. Die Kindle-Vorleser haben mit den ersten knarrenden und abgehackten Computerstimmen nicht mehr viel gemein, wie sich in diesem YouTube-Video begutachten lässt.

Dennoch reicht die Qualität nicht an ein Hörbuch heran. Diese Meinung vertritt auch Andy Aaron, Experte für Text-to-Speech-Technologien. «Ich bin ein großer Befürworter und Vertreter von Text-to-Speech», sagte der IBM-Forscher am Watson Research Center im Gespräch mit dem US-Online-Portal Cnet. Dennoch glaubt Aaron nicht, dass die Technologie zum jetzigen Zeitpunkt und in der absehbaren Zukunft wirklich sinnvoll mit einem professionellen Hörbuchvorleser konkurrieren könne. «Werde ich mich hinsetzen, meine Füße hochlegen und mir sechs bis acht Stunden Krieg und Frieden oder Harry Potter als Text-to-Speech anhören? Wer die Wahl hat, greift wohl eher zum Hörbuch.»

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