Telekom blamiert sich erneut
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Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Artikel vom 27.01.2009Peinlich, peinlich - ausgerechnet am Europäischen Datenschutztag muss sich die Telekom für eine neue Datenpanne rechtfertigen. Wochenlang konnte jedermann Daten von Neukunden im Internet einsehen - Namen, Adressen und Telefonnummern waren ungeschützt.
Wie stern.de berichtet, war es bis vergangenen Freitag möglich, die Anträge einiger Neukunden im Internet abzurufen. Die Daten stammten ausschließlich von Wechselwilligen, die ihren Auftrag auf der Telekom-Webseite ausgefüllt haben.
Nach dem Ausfüllen aller Eingabefelder erhielten die Kunden eine Auftragsbestätigung als pdf-Dokument angezeigt. Das Problem: Im Browser stand eine Adresszeile mit der Auftragsnummer am Ende. Mit etwas Spieltrieb ausgestattete Nutzer hätten nun einfach eine höhere oder niedrigere Nummer eingeben können und wären so an die Auftragsbestätigung anderer Telekom-Kunden gekommen - samt Name, Adresse, öffentlicher und nicht im Telefonbuch gelisteter Rufnummern sowie dem alten Anbieter.
Ein Sprecher der Telekom bestätigte die Panne. Eine Analyse der Telekom habe allerdings ergeben, dass die Daten nicht missbraucht worden seien. Der einzige widerrechtliche Zugriff auf rund 500 Formulare sei im Zusammenhang mit den Recherchen von stern.de erfolgt. Gegenüber stern.de sprach der Konzern von einem «Arbeitsfehler».
Dieser Arbeitsfehler konnte relativ einfach ausgebeutet werden. Denn die händische Eingabe immer neuer Auftragsnummern lässt sich mit etwas Programmierverständnis automatisieren. So will das Online-Nachrichtenportal innerhalb weniger Sekunden 500 Datensätze heruntergeladen haben. Der älteste Datensatz stamme vom 8. Dezember des vergangenen Jahres. Die Telekom verteidigt sich nun damit, dass ein massenhaftes Abgreifen der Daten entsprechendes IT-Know-How voraussetze.
Der Datenskandal wird ein Nachspiel haben. «Der Fall wird untersucht und noch einer juristischen Prüfung unterzogen», kündigte der Telekom-Sprecher gegenüber news.de an. Zu präziseren Angaben war er nicht bereit - nur soviel: Gegen stern.de wolle man nicht vorgehen. Damit deutet wohl alles darauf hin, dass der Konzern nach der Ursache des Datenlecks fahndet.
Insgesamt lässt sich schwer einschätzen, wie viele Kundendatensätze wie lange online zugänglich waren. Denn jedes Mal, wenn ein Telekom-Angestellter einen der Online-Aufträge abgearbeitet hatte, wurde die entsprechende Dateien gelöscht. Der Telekom-Sprecher sagte, dass je nach Zugriffszeitpunkt unter hundert bis über tausend Auftragsformulare widerrechtlich eingesehen werden konnten. Gegenüber stern.de erklärte der Telekommunikationskonzern, dass im Schnitt täglich 50 Neukunden über das Internet geworben wurden.
ruk
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