25 Jahre Macintosh Apple gibt dem PC ein Gesicht

Mit dem Mac wurde der Computer erst «persönlich» (Foto)
Heute vor 25 Jahren konnte die Öffentlichkeit den ersten Mac bestaunen. Bild: dpa

Von Christoph Dernbach
Der Mac spaltet die PC-Gemeinde: Für die einen sind die Apple-Computer völlig überteuert, Mac-Cracks wiederum geben ihrem Rechner Kosenamen und weisen jede Kritik an der Maschine brüsk zurück. Erstaunlich viele Emotionen für einen Computer.

Kein Zweifel, der Apple Macintosh hat vor 25 Jahren eine Revolution eingeleitet. Heute vor 25 Jahren, am 24. Januar 1984, stellte Apple-Mitbegründer Steve Jobs den ersten Mac im kalifornischen Cupertino der Öffentlichkeit vor. Seitdem wurden schätzungsweise 80 Millionen Macintosh-Rechner verkauft.

«Mit dem Mac begann ein neues Zeitalter in der PC-Geschichte», sagt Michael Mikolajczak, Kurator beim Heinz Nixdorf Museumsforum. Im Gegensatz zu seinen elitären Vorgängern sollte der von Jef Raskin konzipierte Macintosh die Massen erobern. «Der Mac war so konstruiert, dass er einfach funktionieren sollte», betont der Experte. Außerdem habe das attraktive Design den Mac zu einem Kultgegenstand gemacht - der Beginn des Aufstiegs Apples zur Kultmarke.

Der Mac unterschied sich von Rechnern wie dem Apple II (1977) oder dem IBM-PC (1981) vor allem durch seine grafische Benutzeroberfläche. Dabei hat Apple das «Grafische User-Interface» (GUI) nicht erfunden, sondern Wissenschaftler im Forschungszentrum Xerox PARC. Dort sah Jobs 1979 erstmals den Alto. Dieser Rechner hatte bereits ein GUI und wurde mit einer Maus bedient.

Im Gegensatz zur Xerox-Chefetage erkannte Jobs sofort das Potenzial. Xerox durfte dann für eine Million Dollar 100.000 Apple-Anteile kaufen, die beim Börsengang von Apple 17,6 Millionen Dollar wert waren. Dafür erhielt die Entwicklertruppe von Jobs Zugang zum Know-how von Xerox.

Als der Mac dann vorgestellt wurde, waren nicht nur die Experten begeistert: «Das ist eine Maschine, die die Massen der Menschen anspricht, die für einen langen Lernprozess wie bei der gegenwärtigen komplizierten PC-Generation weder Zeit noch Lust haben», schrieb Kolumnist Bob Ryan. Doch trotz des technologischen Vorsprungs gelang es Apple nicht, den großen Wettbewerber IBM von der Spitze zu verdrängen.

Daran konnte auch der damalige Apple-Chef John Sculley nicht viel ändern. Jobs hatte Sculley von Pepsi mit dem Satz abgeworben: «Wollen Sie Ihr Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern?» Zunächst arbeiteten Jobs und Sculley harmonisch zusammen. Doch mit dem schleppenden Absatz des Macs kamen Spannungen auf. «Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr», sagte Sculley später. Als Jobs von Sculley aus dem Tagesgeschäft gedrängt wurde, kam es zwischen den beiden Managern zum Machtkampf, den Steve Jobs im Mai 1985 verlor.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Apple damals gegen IBM verlor und wie Steve Jobs Apple zurück an die Spitze führte

Dem Mac fehlten damals die Büro-Anwendungen, die es für den IBM-PC gab. Erst mit der Entwicklung von Layout-Programmen wie PageMaker und dem Laserdrucker setzte sich der Mac durch. 1987 verkaufte Apple eine Million Macs und spielte wieder an der Spitze mit. Über die Hälfte des Umsatzes landete als Gewinn bei Apple.

Sculley und sein Vorstand glaubten, dass die User stets bereit seien, für bessere Technik auch mehr Geld zu zahlen. Damals hat Apple die Chance verpasst, den Mac als Standard zu etablieren. Der Konzern war nicht bereit, die Preise dramatisch zu senken oder das System an andere Hardware-Hersteller zu lizenzieren. Mit der Vorstellung von Windows 3.0 im Jahr 1990 durch Microsoft schloss sich dieses «Fenster der Möglichkeiten».

Als Jobs Anfang 1997 in schwierigen Zeiten für Apple zu seinem alten Unternehmen zurückkehrte, war der Wettstreit zwischen Apple und Microsoft längst entschieden. Jobs gelang es dann mit neuen Talenten wie Jonathan Ive, die Firma wieder auf Erfolgskurs zu bringen und Zeichen in der Branche zu setzen. Mit dem iMac verblüffte 1998 Jobs auch gestandene Pioniere der Computerbranche. «Manchmal hat das, was Apple tut, einen elektrifizierenden Effekt auf uns alle», meinte Intel-Mitbegründer Andy Grove zur Premiere des iMac.

Mit der Vorstellung des iPods im Jahr 2001 eroberte Apple dann Schritt für Schritt den Markt der Digitalmusik und krempelte später mit dem iPhone die Mobilfunk-Branche um. Und auch der Mac hat ein Comeback erzielt. In den USA erzielen die Rechner mit dem Apfel-Logo in den jüngsten Quartalen fast wieder zweistellige Marktanteile. Und während im letzten Vierteljahr 2008 der weltweite Computermarkt nach Einschätzung von Marktforschern bestenfalls ein Mini-Wachstum verbuchte, meldete Apple für die Macs ein sattes Absatzplus von neun Prozent.

fme

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