Netzschalter-Lüge Aus ist nicht gleich Aus

Stromverschwendung (Foto)
Unnötige Stromfalle: Weil die Hersteller sparen, verbrauchen ausgeschaltete Geräte trotzdem Strom. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Dass Geräte im Stand-by sinnlos Strom verbrauchen, ist weithin bekannt. Doch auch wenn der Netzschalter betätigt wurde, saugen viele Geräte weiterhin kräftig Strom. Das sogenannte Schein-Aus belastet die Umwelt und kostet den Verbraucher sinnlos Geld.

Der Netzschalter ist aus, die Standby-Lampe am PC-Monitor leuchtet nicht mehr – und trotzdem zeigt das Messgerät noch einen Stromverbrauch von drei Watt an. Im Stand-by waren es genauso viel - wie kann das sein? Ganz einfach, der Hersteller hat gespart. Der Powerknopf trennt das Gerät nicht vollständig vom Strom und das Netzteil nimmt einfach weiter Energie auf. Vollständige Ausschalter würden die Hersteller pro Gerät jedoch 40 bis 50 Cent zusätzlich kosten.

Das Ergebnis: Der Verbraucher zahlt bei den Stromkosten heftig drauf. Die Hersteller nehmen das wohlwollend in Kauf – schließlich müssen sie die Stromrechnung ihrer Kunden nicht ausbaden. An dieser Einstellung wird sich wohl nur etwas ändern, wenn die Verbraucher ein Bewusstsein für das Problem entwickeln, ist sich Annegret Agricola vom Energiesparverband Deutsche Energie-Agentur (dena) sicher. «Wir empfehlen den Verbrauchern deshalb beim Kauf von Fernseher und Co. immer Modelle mit einem Netzschalter zu wählen und gezielt danach zu fragen», erklärt die Expertin für Energieeffizienz.

Gezielte Aussagen, welche Geräte den Tiefschlaf nur vorgaukeln, lassen sich leider nicht pauschal treffen. Der Schein-Aus-Zustand ist vor allem bei Geräten der Informationstechnologie, aber auch der Unterhaltungselektronik zu finden. Typische Geräte sind zum Beispiel Computer samt Zubehör wie Drucker, Scanner oder Multifunktionsgeräte.

Aber auch die Hi-Fi-Anlage kann der Stromverschwender Nummer Eins sein. Wer es genau wissen will, kann mit einem Strommessgerät nachprüfen. Billige Geräte aus dem Baumarkt geben meist nur ungenaue Auskunft, am besten borgt man sich ein professionelles Gerät. Ein Tipp: Teilweise verleihen örtliche Stromanbieter oder der Elektromeister um die Ecke kostenlose Messgeräte. Alternativ lohnt auch der Gang zu den Verbraucherzentralen.

Stromsparen bei Haushalts- und Unterhaltungstechnik kann sich bekanntlich in barer Münze auszahlen: Wer gezielt auf Stand-by verzichtet und Geräte mit Schein-Aus meidet, kann sich pro Jahr über locker 70 Euro mehr in der Haushaltskasse freuen. Doch wie spart man am effizientesten? Die Lösung ist ganz einfach: Stecker raus. Deutlich bequemer sind hier Stromsteckleisten mit einem Ausschalter, ganz besonders bei mehreren der tückischen Schein-Aus-Geräte. Also einfach die Stecker des PCs samt Monitor, Drucker und Scanner in eine Steckleiste, dann lässt sich die gesamte Gerätegruppe mit einem Schalter ausknipsen.

Tatsächlich ist die wirtschaftliche und ökologische Komponente des Problems nicht hoch genug anzusetzen: Nach Erhebungen der Europäischen Union beliefen sich die Stand-by- und Schein-Aus-Verluste in der EU 2005 auf zwischen 47 und 51 Terawattstunden – soviel wie Griechenland in einem Jahr verbraucht. «Davon sind etwa 22 Prozent, also circa 11 Terawattstunden beziehungsweise 1,5 Milliarden Euro Stromkosten pro Jahr, auf Schein-Aus-Verluste zurückzuführen», so die dena-Expertin Agricola. Das ist immerhin die Jahresleistung von drei bis vier deutschen Großkraftwerken.

Gegen diese Stromverschwendung will die EU nun auch per Gesetz vorgehen: Ziel ist eine Deckelung des Stromverbrauchs abgeschalteter Geräte auf zunächst zwei Watt – egal ob im Standy-by oder Schein-Aus. Betroffen sind Computer, Waschmaschinen, Fernsehgeräte und weitere Büro- und Haushaltsgeräte. Vier Jahre nach Einführung soll dieser Wert noch einmal auf maximal ein Watt verringert werden. Den Regulierungsausschuss der EU-Kommission, in dem alle Mitgliedstaaten vertreten sind, hat die Gesetzesnovelle bereits einstimmig passiert. Nun liegt es beim Europäische Parlament, die Stand-by-Verordnung zu beschließen.

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